LONDON (IT BOLTWISE) – Die DATEV steigert ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2026 auf 881 Millionen Euro und sieht im E-Rechnungsvolumen einen klaren Wachstumstreiber. In den ersten sechs Monaten wurden über ihre Systeme 51 Millionen E-Rechnungen verarbeitet, deutlich mehr als im Vergleichsraum 2025. Mit Blick auf die Pflicht zum strukturierten Versand ab 1. Januar 2027 fordert der DATEV-CEO eine frühzeitige Umstellung in Unternehmen. Gleichzeitig zeigt ein Projekt mit generativer KI im SAP-Umfeld, wie sich Analysen und Prozesse Richtung Automatisierung bewegen.

E-Rechnungspflicht 2027: DATEV-Wachstum und KI-Integration im Blick
E-Rechnungspflicht 2027: DATEV-Wachstum und KI-Integration im Blick (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer in den nächsten Monaten noch auf „irgendwie digital“ setzt, riskiert bei der E-Rechnungspflicht 2027 unnötigen Umstellungsdruck. Denn Deutschland stellt den B2B-Rechnungsverkehr in zwei Stufen um: Bereits seit dem 1. Januar 2025 gilt der verbindliche Empfang von E-Rechnungen, ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro ihre Rechnungen strukturiert elektronisch ausstellen. Ab dem 1. Januar 2028 betrifft die Pflicht dann jedes Unternehmen, unabhängig vom Umsatz. Für IT- und Finanzabteilungen heißt das vor allem: Prozesse, Schnittstellen und Archivierung müssen so zusammenspielen, dass maschinenlesbare Daten nicht nur erzeugt, sondern auch korrekt weiterverarbeitet werden.

Ein Blick auf die technische Ausrichtung der Dienstleister liefert dafür einen Vorgeschmack darauf, wohin die Reise in der Praxis geht. Die DATEV berichtet, dass der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 auf 881 Millionen Euro gestiegen ist; gleichzeitig betreut das genossenschaftlich organisierte IT-Unternehmen inzwischen über eine Million Kunden. Monatlich kommen laut Unternehmensangaben rund 10.000 Neuzugänge hinzu. Der wichtigste operative Treiber: das Volumen elektronischer Rechnungen. Bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verarbeitet der Dienst 51 Millionen E-Rechnungen über seine Systeme, im gesamten Jahr 2025 waren es 64 Millionen. Diese Größenordnung ist mehr als nur ein KPI für die Buchhaltung – sie zeigt, dass Skalierungsthemen wie Routing, Validierung und revisionssichere Verarbeitung für viele Anwender parallel laufen.

Technisch setzt die DATEV dabei verstärkt auf Cloud-native Strukturen und verfolgt eine „AI-integrated“-Strategie, um Geschäftsprozesse weiter zu automatisieren. Genau an dieser Stelle wird klar, warum die E-Rechnung längst nicht mehr nur ein Formatproblem ist. XRechnung, ZUGFeRD und der PEPPOL-Standard sind zwar die wesentlichen zulässigen Formate; entscheidend ist aber, wie diese Daten in bestehende ERP- und Buchhaltungslösungen integriert werden und wie Dokumente aus der Rechnungsstellung bis zur Belegarchivierung durchgängig mit Metadaten angereichert und geprüft werden. Gerade wenn Unternehmen bislang stark auf PDF-basierte Workflows setzten, entsteht häufig eine Bruchstelle: Maschinenlesbarkeit endet dann dort, wo man eigentlich parallel prüfen, klassifizieren und Buchungslogik auslösen müsste.

Auch jenseits klassischer Buchhaltungssoftware verschiebt sich die Priorität hin zu Automatisierung auf Basis von Datenflüssen aus Unternehmenssystemen. Ein Beispiel aus dem Markt: Bereits im August 2025 startete ein Konsumgüterhersteller in Südamerika ein Projekt mit generativer KI, das Bruttomargen im SAP-System analysiert. Der angegebene Zweck ist dabei praxisnah: manuelle Aufwände reduzieren und Echtzeiteinblicke gewinnen. Für viele Unternehmen ist das eine Art Blaupause, wie KI-gestützte Auswertung dort sinnvoll wird, wo Rechnungs- und Stammdaten bereits strukturiert vorliegen. Die E-Rechnung kann damit zur „Versorgungsschiene“ werden: Sobald Absender und Empfänger gemeinsame maschinenlesbare Inhalte verwenden, sinken die Kosten für manuelles Nacharbeiten – und KI-Systeme können Ergebnisse stabiler aus verlässlichen Daten ableiten.

Während viele Betriebe die technischen Schritte planen, bleibt die organisatorische Dimension nicht klein. Die gesetzlichen Vorgaben sehen auch Ausnahmen vor, etwa für Kleinbeträge bis 250 Euro sowie für Fahrausweise und bestimmte steuerfreie Umsätze. Dennoch bleibt die Herausforderung, die „rechtssichere“ Aufstellung nicht auf die reine Ablage zu reduzieren. Experten weisen in der Branche darauf hin, dass eine reine PDF-Ablage künftig nicht ausreichen wird, weil die Prozesskette maschinenlesbare Datensätze braucht. Gleichzeitig wird im Handwerk politisch und operativ nach Entlastung gerungen: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fordert, die Frist für größere Betriebe vom Jahresanfang 2027 auf 2028 zu verschieben; eine Umfrage zur Erfassung der Erfahrungen in Handwerksbetrieben lief bereits im Frühjahr 2026 aus. Genau solche Verzögerungswünsche zeigen, wo es häufig hakt – nicht nur bei IT, sondern auch bei Personalressourcen, Pilotläufen und der Umstellung von Fachprozessen.

Für die Umsetzungsplanung lohnt deshalb ein Ansatz, der Formate, Systeme und Prüfregeln gemeinsam betrachtet. In der Praxis bedeutet das: Zuerst müssen Fachbereiche klarstellen, welche Rechnungsarten abgedeckt sind und welche Ausnahmen tatsächlich greifen. Danach folgt die technische Zuordnung im Systemlandscape – also welche ERP-Module Rechnungen erzeugen, wie die Daten in Richtung E-Rechnungstransport gelangen und wie Validierung und Statusrückmeldungen gestaltet werden. Schließlich entscheidet die Archivierung über die spätere Arbeit. Wenn Unternehmen künftig maschinenlesbare Datensätze erwarten müssen, sollte die Beleglogik so gebaut werden, dass aus der E-Rechnung heraus Buchungsinformationen und Nachweise nachvollziehbar ableitbar sind. Dass parallel zu E-Rechnung und Automatisierung „Excel raus, ERP rein“ als Leitmotiv in vielen Organisationen auftaucht, passt in dieses Bild: Ein Maschinenbauunternehmen berichtet, dass sich komplexe Produktstrukturen nach einer Systemumstellung 2022 deutlich dynamischer verwalten ließen. Auch Anbieter von Geschäftskonten integrieren zunehmend Schnittstellen zu Buchhaltungssoftware direkt in ihre Basisangebote – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Datendurchgängigkeit als Wettbewerbsvorteil erkennt.

Für Entscheider in Unternehmen ist die wichtigste Konsequenz: Die Umstellung sollte nicht als einzelnes Projekt „für 2027“ geplant werden, sondern als Programmlinie für Datenqualität und Prozessautomatisierung. Wer jetzt beginnt, kann Pilotprozesse stabilisieren, Partner-Schnittstellen testen und die Archivierungskette frühzeitig absichern – statt im letzten Quartal vor Fristbeginn mit parallelen Härtungsschleifen zu reagieren. Genau deshalb adressieren auch Informationsformate den Umstellungsfahrplan; für den 20. August 2026 ist ein Webinar angekündigt, das Strategien für eine effiziente Umstellung auf die E-Rechnungspflicht 2027 vorstellen soll. Unabhängig davon, wie viel später Handwerk und Wirtschaft noch über Aufschub diskutieren: Die Richtung ist klar, und sie führt von Dokumentenverwaltung hin zu datengetriebener Verarbeitung. Unternehmen, die die 7 Vorteile der Digitalisierung konsequent mitdenken, schaffen so nicht nur Compliance, sondern reduzieren auch operative Reibung in Rechnungslauf, Prüfung und Buchung.


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