BOCHUM / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim EBZ-KlimaCamp 2026 auf dem Campus in Bochum haben 40 junge Auszubildende aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft die Frage diskutiert, wie bezahlbarer Wohnraum mit klimafreundlicheren Gebäuden zusammengeht. Im Zentrum standen dabei nicht nur technische Maßnahmen, sondern die Verflechtung von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen. Die Workshops und Exkursionen machten deutlich, dass die Transformation vor allem im Bestandssegment stattfindet. Die Veranstaltung zeigte zugleich, wo Ansatzpunkte wie serielles Bauen, Mieterstrom und digitale Energiespar-Tools in der Praxis ansetzen können.

EBZ-KlimaCamp 2026: Wie Wohnraum bezahlbar bleibt und Gebäude klimafit werden
EBZ-KlimaCamp 2026: Wie Wohnraum bezahlbar bleibt und Gebäude klimafit werden (Foto: IT BOLTWISE)
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Dass Wohnraumpolitik und Klimapolitik nicht getrennt voneinander funktionieren, wurde beim fünften EBZ-KlimaCamp besonders konkret: Vom 17. bis zum 20. August 2026 kamen auf dem EBZ-Campus in Bochum vierzig junge Auszubildende aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zusammen, um eine Aufgabe zu bearbeiten, die im Alltag vieler Bestände längst begonnen hat. Hitze und Starkregen verändern die Anforderungen an Gebäude und Quartiere, gleichzeitig bleibt die Kernfrage politisch und betriebswirtschaftlich brisant: Wie lässt sich Wohnraum bezahlbar halten, wenn Sanierung und Anpassung finanziert, organisiert und gesellschaftlich vertragen werden müssen. Die Veranstaltung brachte damit eine Erkenntnis in den Mittelpunkt, die sich gerade im Bestand besonders stark zeigt: Die Transformation ist zwar technisch, aber eben nicht nur technisch.

Den fachlichen Rahmen steckte Prof. Dr.-Ing. Philip Engelhardt, Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der EBZ Business School, indem er bewusst keine „fertigen Lösungen“ in den Vordergrund stellte. Stattdessen ging es ihm um die engen Verflechtungen von ökologischen Grenzen, sozialen Bedürfnissen und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Klimaschutz und Klimaanpassung sollen demnach innerhalb ökologischer Grenzen umsetzbar sein, ohne dass die Bezahlbarkeit und damit die soziale Dimension aus dem Blick gerät. Diese Perspektive zieht eine Linie von der technischen Auslegung bis zur Entscheidungsebene im Quartier: Welche Maßnahmen sind zeitlich sinnvoll, wie wirken sie auf Betriebskosten und Investitionsplanungen, und wie werden Zielkonflikte zwischen Klimaeffekten und Mietentwicklung praktisch gehandhabt?

In den Workshops wurde der Anspruch, mehrere Ebenen gleichzeitig zu betrachten, in konkrete „Quartiere der Möglichkeiten“ übersetzt. Die behandelten Themen reichten von Entsiegelung und Verschattung über Biodiversität bis hin zu energetischer Sanierung, Photovoltaik und Mieterstrom; ergänzt wurden sie um soziale Angebote und neue Wohnformen im Quartier. Auch der Gedanke, wirtschaftliche Dynamiken in die Lösung einzubeziehen, tauchte nicht als Absichtserklärung auf, sondern als Leitfrage. Prof. Dr.-Ing. Armin Just, Professor für Bautechnik an der EBZ Business School, stellte dabei einen klaren Zusammenhang her: Sobald Akteure im Klimaschutz und in der Klimaanpassung ein Geschäftsmodell erkennen und Wohlstand generieren können, werden Investitionen wahrscheinlicher. Diese Sicht macht verständlich, warum die Praxis oft dort besonders vorankommt, wo Einspar- und Erlöslogiken zusammenlaufen – etwa bei der Kombination aus energetischen Maßnahmen und lokalen Energieangeboten wie Mieterstrom.

Dass es bei der Umsetzung nicht bei der Theorie bleibt, zeigten Exkursionen zu konkreten Projekten. Bei der hwg eG in Hattingen standen serielle Sanierungsmethoden, vorgefertigte Fassadenelemente, Holzbau und Photovoltaik im Bestand im Fokus. In Wuppertal zeigte „Neue Effizienz“, wie nachhaltige Mobilität eng mit der Energie- und Wärmewende im Quartier verknüpft werden kann – von Mobilstationen bis zur Kreislaufwirtschaft. Damit wird ein typisches Muster der Bestandsmodernisierung sichtbar: Während einzelne technische Maßnahmen schnell erklärbar sind, entsteht Wirkung vor allem dann, wenn Bauabläufe, Material- und Energieflüsse sowie das Quartiersystem zusammen gedacht werden. Serielles Vorgehen oder Vorfertigung können dabei helfen, Bauzeiten und Koordinationsaufwand zu reduzieren, während Photovoltaik und Mieterstrom den lokalen Betrieb stärker in den Blick rücken.

Die Kostendebatte war anschließend ein wiederkehrender Spannungsbogen. Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen, knüpfte an die Frage an, wie Baustandards weiterentwickelt werden sollten, ohne die Wohnqualität zu verlieren. Nach einem Treffen mit Bundesbauministerin Verena Hubertz verwies er auf niederländische Modelle, bei denen trotz einfacher Bauweisen die Wohnqualität erhalten bleibt und serielle Bauweisen erfolgreich eingesetzt werden. Besonders wichtig war zudem das Prinzip „Efficiency first“: gezielte Sanierung statt der vollständigen Umsetzung des technisch Machbaren. Genau hier prallen die Erwartungen vieler Mieter mit den Anforderungen der Wohnungsunternehmen aufeinander – nicht nur beim CAPEX, sondern vor allem beim Blick darauf, ob Investitionen in niedrigere Emissionen und stabilere Betriebskosten münden, ohne die Miete kurzfristig stark zu belasten.

In der Podiumsdiskussion „Bezahlbar Wohnen – Klima schonen!“ wurden diese Zielkonflikte mit mehreren Perspektiven beleuchtet. Unter Moderation von Prof. Dr.-Ing. Philip Engelhardt diskutierten Dr. Kathrin Manthei von der GEBAG, Dr. Hans-Jochem Witzke vom Deutschen Mieterbund NRW, Sascha Rodenberg von der NRW.BANK, Fabian Kohlmann von der hwg eG sowie Leonie Gröning vom Forschungsinstitut InWIS. Im Kern ging es um Modernisierung im Bestand, soziale Verträglichkeit, Energieversorgung und Mieterstrom. Ein zentraler Punkt war die Abwägung zwischen wirtschaftlich machbarer Sanierung und der Tragbarkeit für Mieter; außerdem herrschte Konsens, dass man primär beim Energieträger ansetzen sollte, um CO₂-Emissionen zu reduzieren, weil umfassende energetische Renovierungen die Wohnkosten deutlich steigen lassen können. Abgerundet wurde das Format schließlich durch digitale Anwendungen zum Energiesparen, vorgestellt von Prof. Dr.-Ing. Heiko Gsell von der EBZ Business School; Marco Pitzer, Organisationsleiter des EBZ, zog eine positive Bilanz und würdigte die Workshopleitung.

Für die Branche bleibt nach dem KlimaCamp vor allem eine Botschaft: Die Transformation des Wohnungsbestands gelingt nicht als Einzelleistung, sondern als Zusammenspiel aus Planungslogik, Finanzierbarkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz. Wenn Bestandsmodernisierung weiterhin priorisiert wird, werden Fähigkeiten im Quartiermanagement, in der Projektabfolge und in der Kombination aus Energie- und Anpassungsmaßnahmen entscheidend. Genau dafür wirkt ein Ausbildungsformat wie das KlimaCamp als Motor: Es verbindet technische Themen wie serielle Sanierung, Holzbau oder Photovoltaik mit der praktischen Frage, welche Wirkungen sich unter realen Budget- und Mietbedingungen erzielen lassen. Und weil Energieeinsparung heute zunehmend auch digital unterstützt wird, wächst parallel die Bedeutung von KI-gestützten Ansätzen zur Nutzung von Messdaten und zur Optimierung von Betriebsprozessen – nicht als Selbstzweck, sondern als Hebel, der die Wirtschaftlichkeit im Alltag stützen kann.


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