SYRACUSE / LONDON (IT BOLTWISE) – In Syracuse wird das Erbe von Maria Calabrese Murray sichtbar gemacht: Ihre Uniform der Navy WAVES sowie ein von ihr handgezeichneter Entwurf der Insel Iwo Jima sind im National Veterans Resource Center ausgestellt. Mit der neuen Galerie erhält eine der ersten WAVES-Karrieren der Universität einen festen Ort im öffentlichen Gedächtnis. Besonders der Iwo-Jima-Plan wird derzeit konservatorisch vorbereitet, um die Bedeutung topografischen Zeichnens vor Satellitenaufnahmen zu erklären. Auslöser ist eine Spende ihrer Tochter Susan Cooper, die die Stücke zuvor über Jahre privat verwahrte.

Wenn Museen Biografien erzählen, passiert das meist über Fotos, Dokumente und kurze Lebensdaten. In Syracuse bekommt diese Erzählform gerade eine zusätzliche Ebene: Das National Veterans Resource Center (NVRC) zeigt die Uniform der Navy WAVES von Maria Calabrese Murray samt Belegen aus ihrer Zeit an der Universität. Der Kern der Ausstellung liegt dabei nicht nur im historischen Kontext der Zweiten Weltkriegsjahre, sondern in den konkreten Objekten, die eine Dienstlaufbahn greifbar machen, die damals für viele Frauen erst neu und zugleich überraschend klar umrissen war.
Murray war 17, als sie 1940 nach Syracuse kam. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie musikalisch bereits Erfahrung gesammelt, unter anderem mit der Columbia University Symphonic Band, bevor sie in Syracuse ihr Studium aufnahm. Als sie ihr Bachelor-Studium im Bereich Fine Arts mit Schwerpunkt Art Education abschloss, hatte der Krieg in den USA schon seit fast drei Jahren an Intensität gewonnen; parallel dazu öffneten sich militärische Rollen Frauen zum ersten Mal in einem breiten Umfang. Genau in diese Schnittstelle fällt ihre Auswahl: Sie gehörte zu fünf Frauen aus Syracuse, die das Naval Midshipman School-Training am Smith College in Northampton absolvierten und damit Teil jener Kohorte wurden, die das Verständnis von militärischem Dienst langfristig prägte.
Nach dem erfolgreichen Programm wurde Murray als Ensign in die U.S. Navy WAVES aufgenommen, also in die Women Accepted for Volunteer Emergency Service. Der Weg dorthin war zugleich von Aktivitäten auf dem Campus begleitet: Murray war Mitglied der Sigma Kappa sowie in der Fine-Arts-Ehrengesellschaft Sigma Chi Alpha, außerdem führte sie Aufgaben im Umfeld des Hochschulsports aus und übernahm Funktionen wie die Leitung der Women’s Varsity Rifle Team Management und den Vorsitz der Women’s Athletic Association. Dazu kommt ein persönliches Kapitel, das den akademischen und den militärischen Lebensbereich später miteinander verknüpft: Kurz nach dem Abschluss heiratete sie William Ellsworth Murray, ebenfalls Absolvent und als medizinischer Offizier in der U.S. Navy eingesetzt. Später kehrte sie nach ihrem eigenen Dienst erneut nach Syracuse zurück und wurde als erste zurückkehrende Service-Angehörige zur Kunstlehrkraft im College of Human Development.
Den heutigen Ausstellungsimpuls liefert eine konkrete Familienleistung: Dank einer Spende ihrer Tochter Susan Cooper sind Uniformbestandteile und Begleitmaterial nun prominent in der Galerie des NVRC im Daniel and Gayle D’Aniello Building zu sehen. Die Informationspräsentation bündelt Uniformstücke ebenso wie Fotos und Artikel aus Syracuse und aus der Zeit im Dienst. Cooper beschreibt den emotionalen Hintergrund dabei ohne Pathos, aber mit Nachdruck: „My mother always spoke of being a WAVE with great pride. Growing up, I didn’t recognize the significance until I was older, particularly after she passed away in 2012,“ sagt sie. Und weiter: „She had been living with us for eight years, so I had all of her items in my basement, and I knew it had to find a wonderful home.“ Dass der Ort nun öffentlich zugänglich ist, macht aus einer privaten Sammlung eine kuratierte Erinnerungsinfrastruktur für die Uni-Gemeinschaft.
Technisch betrachtet ist ein besonders spannender Teil der Ausstellung bereits vorbereitet, aber noch nicht vollständig im offenen Blickfeld: Neben der Uniform und der WAVES-Erklärung wird auch ein handgezeichneter Entwurf von Iwo Jima gezeigt. Die Inselschlacht, vom 19. Februar bis zum 26. März 1945, gilt als eine der folgenreichsten und zugleich kostspieligsten Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkriegs. Gerade für Planer waren präzise Karten und Küstenzeichnungen kein „Nice to have“, sondern eine operative Grundlage. Das macht Murrays Zeichnung für die heutige Besucherperspektive so interessant: Sie veranschaulicht topografisches Drafting als Handwerk vor der Ära, in der Satellitenbilder die Lagebeurteilung zunehmend automatisieren und standardisieren.
Dass ein solches Artefakt heute konserviert wird, folgt einem anderen als dem damaligen Produktionszweck: Die Ausstellung bereitet Murrays Iwo-Jima-Plan sorgfältig vor, um den historischen Charakter zu erhalten und gleichzeitig die Komplexität des topografischen Zeichnens verständlich zu erklären. Laut Cooper „fühlt“ sich für sie der NVRC wie ein passender Ort an, und sie betont auch die respektvolle Zusammenarbeit mit der Office of Veteran and Military Affairs: „Because of her connection to Syracuse, I started thinking that the NVRC is the right home for this. For me, this place feels like a home for her. The Office of Veteran and Military Affairs treated her with tremendous respect, which I admire.“ Ergänzend ordnet der pensionierte U.S.-Army-Colonel Ron Novack die Wirkung für die Universität ein und hebt die historische Verankerung hervor: „Moments like these are both rare and rewarding… Having a piece of that history to share with the University community in our gallery is a great connection to the University’s historic commitment to those who served.“ Maria Calabrese Murray starb am 7. Juli 2012 im Alter von 89 Jahren in Indianapolis; ihre persönlichen Unterlagen werden zudem separat im Maria Calabrese and William Ellsworth Murray Papers Collection der Syracuse University Libraries aufbewahrt. Für das NVRC bedeutet das: Die Galerie wird damit nicht nur ein Ort der Würdigung, sondern auch ein Einstieg in die Materialität militärhistorischer Arbeit – noch bevor der Iwo-Jima-Plan im Laufe des neuen Semesters öffentlich zu sehen sein wird.
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