LONDON (IT BOLTWISE) – Ab dem 27. September 2026 müssen Unternehmen in der EU ihre Umweltaussagen für Werbung und externe Kommunikation deutlich stärker absichern. Die EmpCo-Richtlinie 2024/825 schränkt vage Begriffe wie „grün“ oder „nachhaltig“ ein, wenn keine belastbaren Nachweise vorliegen. Ein Workshop des Instituts für Umweltkompetenz (IZU) und der Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) widmet sich am 16. September 2026 konkreten Umsetzungsschritten, auch für Produktverpackungen und digitale Inhalte. Besonders relevant ist dabei, wie Firmen Zertifizierungen, Belege und Prozesse zur Verifizierung im Alltag aufsetzen können.

EmpCo-Richtlinie: Ab 27. September strengere Regeln für Green Claims in der EU
EmpCo-Richtlinie: Ab 27. September strengere Regeln für Green Claims in der EU (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Stichtag rückt näher, und mit ihm verschiebt sich der Maßstab, an dem Umweltwerbung gemessen wird: Ab dem 27. September 2026 entfaltet die EU-Verbraucherschutzrichtlinie 2024/825 (EmpCo) ihre volle Wirkung. Für Unternehmen bedeutet das, dass Umweltaussagen nicht mehr als „Breitband-Versprechen“ funktionieren dürfen, sondern innerhalb von Marketing, Kennzeichnung und externer Kommunikation nachprüfbar sein müssen. Der praktische Druck entsteht dabei nicht erst durch neue Werbespots, sondern durch alles, was Kunden heute sehen: von physischen Produktverpackungen bis zu Landingpages und digitalen Produktbeschreibungen. Wer hier bisher mit allgemeinen Formulierungen gearbeitet hat, muss die Begründung seiner Claims frühzeitig neu aufsetzen.

Im Kern zielt die Neuregelung auf die Vermeidung von Greenwashing. Konkret wird der Spielraum für pauschale Prädikate enger: Allgemeine und vage Begriffe sollen künftig nur dann zulässig sein, wenn sie durch anerkannte Zertifizierungen oder durch detaillierte wissenschaftliche Belege untermauert werden können. Attribute wie „grün“ oder „nachhaltig“ dürfen damit nicht mehr „automatisch“ als Qualitätsversprechen gelesen werden, ohne dass die Aussage in eine belastbare Nachweiskette eingebettet ist. Technisch und organisatorisch ist das die eigentliche Zäsur, denn es reicht nicht, eine Aussage einmal zu prüfen; Unternehmen brauchen eine Wiederholbarkeit, die sich über Kampagnen, Produktlinien und Updates in digitalen Kanälen hinweg durchhalten lässt.

Damit steht auch der administrative Teil der Umsetzung im Vordergrund. Laut der im Artikel beschriebenen Einordnung steigt für viele Betriebe der Aufwand vor allem durch zwei Arbeitspakete: die Überprüfung bestehender Werbematerialien und der Aufbau interner Verifizierungsprozesse. Das betrifft häufig mehrere Rollen gleichzeitig – Marketing, Recht/Compliance sowie je nach Produktbereich auch Einkauf und Qualitätsmanagement. Wo die bisherigen Freigaben eher „inhaltlich plausibel“ waren, wird es künftig stärker um „nachweisfähig“ gehen. An dieser Stelle können technische Werkzeuge helfen, weil sich Belegstände, Versionen von Produkttexten und die Zuordnung von Zertifikaten oder Studien systematisch dokumentieren lassen. Gerade bei häufig aktualisierten Onlineshops ist diese Nachverfolgung sonst kaum zuverlässig genug, um im Audit-Modus bestehen zu können.

Wie schnell sich Unternehmen auf die neue Rechtslage einstellen, lässt sich bereits an Marktbewegungen erkennen. Der Schokoladenhersteller Ritter Sport hat nach Angaben der Quelle begonnen, Hinweise auf „zertifizierten Kakao“ auf Verpackungen zu überarbeiten. Statt der bisherigen Verweise auf die Zertifizierung setzt das Unternehmen zunächst andere Informationen, etwa zur Grammatur, in den Fokus. Auch wenn das einzelne Beispiel die rechtliche Bewertung im Detail offen lässt, zeigt es doch das Muster: Bei Unsicherheit über die belastbare Grundlage eines Umweltclaims wird die Aussagekategorie reduziert oder umgestellt, um die erwartete Nachweislogik der neuen Anforderungen vorwegzunehmen. Für andere Branchen heißt das: Nicht nur die Wortwahl ist entscheidend, sondern auch die zugrunde lieferbare Belegbarkeit entlang der gesamten Kommunikation.

Der Workshop am 16. September 2026 von IZU und BIHK greift genau diese Umsetzungsfragen auf. Er ist als spezialisierter Austausch im Zeitraum von 09:00 bis 14:00 Uhr angelegt und soll laut Quelle Orientierungshilfen für die finale Phase der Umstellung liefern. Auffällig ist dabei die Breite der betroffenen Touchpoints: Neben Werbeversprechen rücken auch Lieferketten stärker in den Fokus – denn wer Umweltwirkungen behauptet, muss im Zweifel erklären können, wie diese Aussage entlang der Herkunft, Verarbeitung und Beschaffung zustande kommt. Das wird insbesondere dann anspruchsvoll, wenn die verwendeten Begriffe nicht nur einzelne Produkte betreffen, sondern ganze Produktversprechen über mehrere Chargen oder Länder hinweg tragen.

Für die Unternehmenspraxis entsteht daraus ein klares Umsetzungsziel: Wer ab September wirbt, muss bereits vorher ein System aus Nachweisen, Freigaben und Dokumentation etabliert haben. Die Quelle nennt als übergeordnetes Ziel das Stärken des Vertrauens in ökologische Aussagen und das Fördern eines fairen Wettbewerbs. Praktisch bedeutet das, dass Wettbewerbsfähigkeit künftig stärker mit der Qualität der Claims zusammenhängt – nicht nur mit kreativer Sprache. Hinzu kommt, dass der Weg zur Rechtssicherheit oft parallel laufen muss: Während Marketing und Produktmanagement Aussagen finalisieren, müssen Einkauf und Lieferkettenpartner Informationen liefern können, die eine belastbare Begründung ermöglichen. Für IT- und Prozessverantwortliche heißt das ebenfalls: Datenflüsse, Metadaten zu Zertifikaten und eine saubere Versionierung von Textbausteinen werden zur Infrastruktur für „rechtssichere Kommunikation“.


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