LONDON (IT BOLTWISE) – Energie wird für Haushalte in Deutschland spürbar teurer: Laut Destatis stiegen die Energiekosten im August um 10,5 Prozent. Gas und Strom haben sich am Großhandelsmarkt zuletzt deutlich bewegt, unter anderem getrieben durch Unsicherheiten rund um den Nahen Osten. Für Verbraucher heißt das vor allem in der Heizperiode mehr Budgetdruck und höhere Schwankungen bei dynamischen Stromtarifen. Gleichzeitig bleibt unklar, ob und wann sich die Einkaufspreise am Markt wieder entspannen.

Der Herbst trifft Deutschlands Haushalte nicht nur mit früher Dunkelheit, sondern auch mit steigenden Energiekosten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) verteuerte sich Energie für Privathaushalte im August um 10,5 Prozent. Der Anstieg war damit der stärkste seit mehr als drei Jahren, und er fällt genau in den Zeitraum, in dem viele Entscheidungen für die kommende Heizperiode anstehen. Dass ein Ende der Teuerung nicht in Sicht ist, liegt dabei weniger an einem einzelnen Produkt als an einem Bündel aus Energiepreissprüngen im Großhandel und der üblichen Verzögerung, mit der sich diese Kosten in Endkundenverträgen widerspiegeln.
Besonders deutlich zeigt sich die Lage beim Gas. Der Großhandelspreis für europäisches Erdgas stieg zu Wochenbeginn spürbar an, nachdem Lieferausfälle aus Förderregionen im Nahen Osten die Versorgungslage verunsichert hatten. Zusätzlich spielte die Terminverschiebung eines geplanten Treffens zwischen Iran und mehreren Golfstaaten eine Rolle, weil die blockierte und für den Energietransport wichtige Straße von Hormus in der Preiskalkulation weiter als Risiko erscheint. Der TTF-Terminkontrakt zur Lieferung in einem Monat sprang zeitweise über fünf Prozent nach oben, während die Börse in Amsterdam mit 83,75 Euro je Megawattstunde (MWh) den höchsten Stand seit Ende 2022 markierte.
Für Haushalte ist dabei weniger der Börsenkurs selbst entscheidend als die Frage, wie schnell daraus neue Tarife werden. Im Text wird ein Vergleich für das Niveau geliefert: Mitte September 2025 lag der Gaspreis an der Börse noch unter 32 Euro, seither beträgt der Anstieg mehr als 160 Prozent. Für den durchschnittlichen Haushaltspreis nennt das Vergleichsportal Verviox 11,14 Cent pro Kilowattstunde (kWh) im Vorjahr und rund 12,52 Cent aktuell – das entspricht etwa +12 Prozent. Gleichzeitig weisen die genannten Einordnungen darauf hin, dass Neukundenpreise die Großhandelsschwankungen oft schneller abbilden: Verivox zufolge sind die Tarife seit Februar um über ein Drittel gestiegen, während Bestandskunden mit zeitlicher Verzögerung rechnen müssen.
Beim Strom verstärkt sich das Bild aus dem Gasmarkt mit einem zweiten Übertragungsweg: Elektrizität ist zwar anders gehandelt, reagiert aber indirekt auf den Einsatz von Gaskraftwerken. Laut Bundesnetzagentur lag der Strompreis im Großhandel zu Wochenbeginn in Deutschland bei mehr als 256 Euro je MWh. In einer Spitze am Montagabend wurden sogar rund 740 Euro genannt, knapp unter dem bisherigen Jahresrekord von 747 Euro Ende Juni. Als weiterer Referenzpunkt wird der Septemberwert 2026 mit 147 Euro je MWh angegeben – rund 75 Prozent höher als im Vorjahr. Der Grundmechanismus: Steigende Nachfrage und abnehmende Photovoltaik-Generation am Abend erhöhen den Bedarf an steuerbaren Kraftwerken; wenn Gas im selben Zeitraum teurer ist, steigt damit auch der Strompreis.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher kommt zudem die Frage hinzu, welchen Tarif sie nutzen. Bei dynamischen Stromtarifen, die sich an die Großhandelspreise anpassen, kann der Abend zur Kostenspitze werden, weil dann häufig weniger Solarstrom verfügbar ist. Im Bericht wird als praktischer Hinweis genannt, abends den Verbrauch zu prüfen und etwa das E-Auto vom Netz zu trennen, sofern keine intelligente Steuerung vorhanden ist. Feste Stromtarife sind dagegen bislang stabiler: Verivox schreibt, höhere Kosten für Öl und Gas wirkten indirekt zwar auf Strompreise, hätten aber die Haushalte noch nicht vollständig erreicht. Konkret heißt es, dass der durchschnittliche Haushaltspreis im September 2025 bei 34,63 Cent pro kWh lag und aktuell mit durchschnittlich 32,29 Cent sogar rund zwei Cent niedriger sei.
Heizöl und Kraftstoffe zeigen derweil, dass sich Energiepreissprünge auch direkt über Import- und Rohstoffmärkte durchschlagen. Für Brent wird zu Wochenbeginn rund 108 Dollar pro Barrel für Novemberlieferung genannt, etwa 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Entsprechend verteuerte sich Heizöl nach Angaben des Portals Heizöl24 auf 1,66 Euro pro Liter – mehr als 30 Cent über dem Stand Ende August. Auch hier fällt der Blick ins Vorjahr deutlich aus: Verivox zufolge lag der Heizölpreis im September 2025 bei rund 93 Euro pro 100 Liter, aktuell sind es im Schnitt 156 Euro, also rund +68 Prozent. Die Kosten treffen Haushalte dabei nicht einheitlich, weil Bestellzeitpunkt und Abnahmemenge eine Rolle spielen; dennoch wird exemplarisch ein Vierpersonenhaushalt genannt, der bei 2.000 Litern Jahresverbrauch im September 3.120 Euro statt 1.860 Euro im Vorjahr zahlte.
Am stärksten im Alltag spürbar ist der Effekt schließlich an der Tankstelle. Laut Destatis verteuerten sich Kraftstoffe im August gegenüber dem Vorjahresmonat um fast 28 Prozent. Für Benzin und Diesel wurden in dieser Woche neue Höchststände gemeldet, und die Tankstellen erwarten sogar Preise um die drei Euro. Der ADAC empfiehlt, Preisschwankungen möglichst auszunutzen: Er nennt als Orientierung, dass die Spritpreise nur einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöht werden dürften und häufig der späte Vormittag kurz vor den neuen Preisen am günstigsten ist. Zusätzlich rät der Verband, abseits der Autobahnen zu tanken, weil dort das Tanken laut ADAC teils um über 30 Cent teurer sein kann.
Damit bleibt den Haushalten kurzfristig vor allem eines: Kostenmanagement unter Unsicherheit. Der Text ordnet ein, dass die Bundesregierung angesichts der hohen Spritpreise kurzfristige finanzielle Entlastungen plant, deren genaue Ausgestaltung aber noch offen ist. Gleichzeitig machen die genannten Mechanismen deutlich, warum Versprechen über schnelle Entlastung schwer sind: Selbst wenn Großhandelspreise später sinken, wirkt die Preisbildung in Endkundenverträgen zeitversetzt, und während sich Gas und Strom über Produktions- und Netzlogiken übertragen, hängt Heizöl zusätzlich am Rohölmarkt. Wer kalkulieren muss, sollte daher weniger auf einen einzelnen „Beruhigungsmonat“ setzen, sondern Szenarien für steigende oder zumindest volatilen Einkaufspreise einplanen.
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