LONDON (IT BOLTWISE) – Die EU-Gebäuderichtlinie EPBD macht Licht in Bürogebäuden ab 2028 stärker regulierungs- und sensorgetrieben. Mit der Pflicht für Beleuchtungssteuerungssysteme ab einer bestimmten Anlagenleistung verschiebt sich der Fokus von reiner Helligkeit hin zu bedarfsgerechter Steuerung. Parallel rücken Erkenntnisse aus der Chronobiologie in den Mittelpunkt, weil Licht den Biorhythmus und damit Arbeitsleistung beeinflusst. Unternehmen und Kommunen müssen deshalb sowohl technische Umrüstung als auch Prozess- und Dokumentationsarbeit neu planen.

EPBD ab 2028: Pflicht für Lichtsteuersysteme verändert Büros und Investitionen
EPBD ab 2028: Pflicht für Lichtsteuersysteme verändert Büros und Investitionen (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit der EPBD geraten Bürobeleuchtung und Gebäudetechnik gleichzeitig unter Druck – nicht nur aus Energiegründen, sondern auch, weil Licht heute als Teil eines ganzheitlichen Arbeitsplatz- und Gesundheitskonzepts verstanden wird. Der Ausgangspunkt ist simpel: Gebäude verbrauchen rund 40 Prozent der gesamten EU-Energie. Wenn Lichtsysteme weiterhin „dauerhaft an“ betrieben werden, bleibt Potenzial liegen – und genau hier setzt die neue EU-Logik an: Beleuchtung soll sich stärker am Bedarf ausrichten, statt pauschal zu laufen. Damit verändert sich das Verhältnis von Infrastruktur und Büroalltag: Licht wird zur Steuerungsgröße, die technische Parameter wie Leistung, Lastprofile und Sensorik mit menschlichen Faktoren wie Wachheit und Konzentrationsfähigkeit koppelt.

Der zweite Treiber kommt aus der Chronobiologie. In dem bereitgestellten Text wird darauf hingewiesen, dass nur etwa 20 Prozent der Menschen klassische „Lerchen“ sind, also morgens besonders leistungsfähig. Wer den eigenen Biorhythmus dauerhaft „gegen den Takt“ zwingt, riskiert nicht nur Müdigkeit, sondern langfristig auch ungünstige Stoffwechsel- und Kreislaufwirkungen – genannt werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht. Für Arbeitgeber übersetzt sich das in die Notwendigkeit, Arbeitsabläufe und Raumzyklen mit der Lichtplanung abzustimmen. Meetings etwa sollen – so die im Text referenzierten Empfehlungen – am besten zwischen 10:00 und 15:00 Uhr liegen, weil dann der natürliche Tagesverlauf bei vielen Menschen am ehesten in Richtung Leistungsfähigkeit zeigt.

Technisch wird die Umsetzung damit konkreter, denn die EPBD zielt auf Gebäude mit Heizungs- oder Klimaanlagen und knüpft die Pflicht an eine Leistungs-Schwelle. Laut den Angaben in der Quelle müssen Beleuchtungssteuerungssysteme bis 2028 in Gebäuden mit mehr als 290 kW installiert sein; ab 2030 sinkt die Schwelle auf 70 kW. Entscheidender Punkt für Projektplaner: Die Umsetzungsfrist Ende Mai 2026 ist bereits abgelaufen, und die EU-Kommission hat Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. In Deutschland wirkt das als zusätzlicher Beschleuniger: Das Bundeskabinett verabschiedete Ende Juni 2026 den Entwurf für ein Energieeffizienzgesetz mit ambitionierten Zielen bis 2030, zudem trat Ende Juli das Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft. Für IT- und Gebäudetechnikteams heißt das, dass Lichtsteuerung nicht mehr als „nice to have“, sondern als Teil eines regulatorisch getriebenen Modernisierungsprogramms behandelt werden sollte.

Aus Sicht der Umsetzung führt an smarten Steuerungsarchitekturen kaum ein Weg vorbei. In der Quelle werden intelligente Systeme genannt, die über Sensoren und Cloud-Schnittstellen Licht bedarfsgerecht regeln sollen – als Beispiel wird Signify Interact erwähnt. Der praktische Nutzen liegt dabei weniger in Marketingbegriffen als in der Regeltechnik: Präsenz, Tageslichtanteil, Auslastung und oft auch Zeitprofile fließen in die Entscheidung ein, ob und wie stark Beleuchtung aktiviert wird. Dadurch lassen sich Energieeinsparungen erzielen und zugleich die Betriebskosten stabilisieren. Parallel wird die Hardware-Ebene weiterentwickelt: Ende Juli 2026 erhielt eine Serie von Office-Stehleuchten der Performance in Lighting GmbH die ENEC-VDE-Zertifizierung; besonders hervorgehoben wird, dass integrierte USB-Netzteile die Leuchten für flexible Arbeitsplatzkonzepte rüsten. Das ist insofern relevant, als „flexibel“ in der Praxis oft bedeutet, dass sich Nutzung und Strom-/Datenbedarfe im Tagesverlauf verändern – und Beleuchtungssysteme darauf reagieren müssen.

Damit rückt auch die Frage nach Dokumentation und Betriebssicherheit in den Fokus. Der Text verweist darauf, dass neben Hardware und Steuerung auch gesetzliche Schutzvorgaben einzuhalten sind und dass Pausen- sowie Ruhezeiten rechtssicher dokumentiert werden sollten. Unabhängig davon, ob ein Unternehmen bereits eine etablierte Arbeitsschutz- und Compliance-Struktur hat: Wenn Licht- und Arbeitszeitmodelle künftig enger gekoppelt werden, steigt der Wert sauberer Nachweise. Gerade in Audits zählt nicht nur, dass Systeme „irgendwie“ konfiguriert sind, sondern dass Regeln nachvollziehbar festgelegt und im Betrieb eingehalten werden – inklusive der Unterweisungen und der Einbindung der Mitarbeitenden. Für die IT bedeutet das wiederum: Sensorik, Regelparameter und Betriebsprotokolle sollten so gestaltet sein, dass sie später mit Prozessanforderungen zusammenlaufen, statt in separaten Silos zu enden.

Noch einen Schritt weiter gehen in der Quelle Forschungsansätze der TU Graz. Dort werden gehirninspirierte KI-Modelle entwickelt, die Gebäudesysteme steuern sollen – und zwar mit „kognitiven Karten“ und stochastischen Berechnungen, die sich laut Beschreibung von herkömmlichen neuronalen Netzen deutlich unterscheiden könnten. Der Anspruch dahinter ist nachvollziehbar: Wenn Steuerung nicht nur reaktiv (z. B. auf Präsenz) ist, sondern Raumzustände, Wege, Nutzungsmuster und Unsicherheiten probabilistisch berücksichtigt, lassen sich Zielgrößen wie Energieverbrauch, Komfort und Systemstabilität besser austarieren. Für den Markt ist wichtig, dass solche KI-Ansätze nicht die klassische Regeltechnik „ersetzen“, sondern langfristig in MLOps-ähnliche Pipelines überführt werden könnten: Modelle müssen überwacht, kalibriert und an reale Betriebsdaten angepasst werden, sonst bleiben sie akademisch spannend, aber in der Fläche unhandlich.

Die wirtschaftliche Dimension wird im Text ebenfalls sichtbar – besonders bei öffentlichen Einrichtungen. Als Beispiel nennt er das steirische Energieeffizienz-Umsetzungsgesetz, das von öffentlichen Einrichtungen jährliche Einsparungen von 1,9 Prozent verlangt. Für das Land und die Gemeinden bedeute das Investitionen in Millionenhöhe; für die Sanierung der Landesflächen schätzt der Text Mehrkosten von rund 15 Millionen Euro pro Jahr ein. Auch wenn diese Zahlen regional sind, zeigen sie eine typische Dynamik: Sobald Einsparziele und Investitionspflichten zusammenkommen, werden Sanierungsfahrpläne zu Programmprojekten. Beleuchtungssteuerung wird dabei häufig zum „frühen Hebel“, weil sie relativ schnell nachrüstbar ist und sich die Wirkung über Messwerte im Betrieb belegen lässt. Für Kommunen und Unternehmen gilt damit: Wer jetzt plant, muss nicht nur Leuchten und Steuergeräte kaufen, sondern auch Integrationen mit vorhandenen Gebäudemanagement- und Betriebsprozessen vorsehen – sonst verschiebt sich der Nutzen trotz Technikanschaffung in die Zukunft.

Unterm Strich verbindet die aktuelle Entwicklung drei Ebenen: regulatorische Zeitpläne, technologische Steuerungskompetenz und die Erkenntnisse zur biologischen Wirkung von Licht. Die EPBD setzt einen eindeutigen Rahmen ab 2028 und mit weiterer Verschärfung bis 2030, während Chronobiologie und Arbeitsplatzforschung erklären, warum Beleuchtungserneuerung auch Komfort- und Gesundheitswirkungen haben kann. Wer die kommenden Monate nutzt, um Pilotflächen auszuwählen, Sensor- und Steuerkonzepte zu definieren und die Betriebsdokumentation von Anfang an mitzudenken, reduziert das Risiko von Nacharbeiten in der Umbauphase. In diesem Sinne ist Lichtsteuerung keine reine Elektro-Retrofit-Aufgabe mehr, sondern ein Schnittstellenthema zwischen Gebäudetechnik, Arbeitsplatzstrategie und IT-Betrieb.


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