PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Weltraumorganisation ESA testet ein innovatives System zur Nahrungsmittelproduktion im All, das auf der Fermentation von Mikroorganismen basiert. Dieses System könnte die Notwendigkeit von Nachschubmissionen für Mond- und Marsmissionen drastisch reduzieren und die Autonomie der Raumfahrtcrews erhöhen.

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat ein ehrgeiziges Projekt gestartet, um die Nahrungsmittelproduktion im Weltraum zu revolutionieren. Im Rahmen des HOBI-WAN-Projekts wird auf der Internationalen Raumstation ISS ein achtmonatiger Test durchgeführt, der die Herstellung von Proteinpulver aus Bakterien in der Schwerelosigkeit untersucht. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Nachschubmissionen für Langzeitmissionen zum Mond und Mars zu verringern.
Im Mittelpunkt des Projekts steht Solein, ein proteinreiches Pulver, das von Solar Foods in Finnland entwickelt wurde. Anstatt auf herkömmliche Landwirtschaft zu setzen, nutzt Solein die Fermentation von Xanthobacter-Bakterien, die sich von Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlendioxid ernähren. Diese Methode könnte besonders wertvoll sein, wenn Raumfahrthabitate weit von der Erde entfernt sind und auf begrenzte Ressourcen angewiesen sind.
Die technische Umsetzung des Projekts stellt Ingenieure vor Herausforderungen, da die Mikrogravitation der ISS die Verteilung von Gasen und Flüssigkeiten beeinflusst. Um die Bakterienkulturen optimal zu versorgen, werden spezielle Bioreaktoren eingesetzt, die eine kontrollierte Umgebung schaffen. Diese Reaktoren müssen nicht nur die richtige Temperatur und Gaszufuhr gewährleisten, sondern auch sicherstellen, dass keine gefährlichen Gasgemische entstehen.
Ein weiterer innovativer Aspekt des Projekts ist die Nutzung von Harnstoff, einem stickstoffreichen Abfallprodukt des menschlichen Stoffwechsels, als Stickstoffquelle für die Bakterien. Dies könnte die Integration des Systems in bestehende Lebenserhaltungssysteme der Raumstation erleichtern und die Effizienz der Ressourcennutzung erhöhen.
Die erfolgreiche Umsetzung des HOBI-WAN-Projekts könnte nicht nur die Raumfahrt revolutionieren, sondern auch auf der Erde Anwendung finden. Die Erkenntnisse aus der Weltraumforschung könnten dazu beitragen, nachhaltige Nahrungsmittelproduktionstechnologien zu entwickeln, die weniger Land und Wasser benötigen. Experten sehen hierin eine Möglichkeit, globale Herausforderungen wie den Klimawandel und die Ernährungssicherheit anzugehen.
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