PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) zeigt sich zuversichtlich, dass im Rahmen von „Artemis“ bald ein deutscher Astronaut zum Mond fliegen wird. Für 2028 plant die NASA zwar zwei Mondmissionen, doch wer von Matthias Maurer oder Alexander Gerst tatsächlich eingesetzt wird, ist noch offen. Gleichzeitig steht fest: Die nächste europäische Mission „Artemis 3“ geht 2027 nicht zum Mond, sondern soll in der Erdumlaufbahn Andockmanöver mit Mondlandefähren erproben. Die Aussage von ESA-Führungsfiguren deutet zudem an, dass die Entscheidung über die Besatzung noch kurz vor den finalen Nasa-Planungen fallen kann.

Esa peilt deutschen Mondflug im Artemis-Programm an
Esa peilt deutschen Mondflug im Artemis-Programm an (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Europäische Raumfahrtagentur ESA setzt im „Artemis“-Programm auf Kontinuität – und auf eine klare Hoffnung: Ein deutscher Astronaut soll den Weg zum Mond bald tatsächlich mitgehen. In den Planungen für die Missionen rund um 2028 ist im Umfeld der NASA-Zeitachse die Teilnahme eines europäischen Raumfahrers vorgesehen, wobei die ESA noch intern klärt, welcher der beiden Kandidaten aus Deutschland zum Zuge kommt. Für die öffentliche Debatte ist dabei vor allem wichtig: Matthias Maurer und Alexander Gerst gelten zwar als erfahrene Optionen, die endgültige Entscheidung wurde aber noch nicht getroffen. Die Tonalität der Aussagen signalisiert zugleich, dass die ESA den Mondflug als strategisch besonders wertvoll betrachtet.

Technisch ordnet sich das Vorhaben in den Kernansatz von „Artemis“ ein: erst erproben, dann landet man. Während für „Artemis 3“ zunächst keine direkte Mondlandung erfolgt, bleibt die Mission nach aktuellen Angaben in der Erdumlaufbahn. Dort geht es um Andockmanöver mit Mondlandefähren – ein entscheidender Schritt, weil sich damit Rendezvous- und Kopplungsprozeduren, Telemetrieflüsse und autonome Fehlerbehandlung im Weltraum real testen lassen. Wenn die ESA dabei als Partner unter anderem Bauteile beisteuert, verschiebt sich der Schwerpunkt der europäischen Beiträge in Richtung Systemintegration und Validierung, bevor später die komplexere Mission zum Mond folgt.

Im Zentrum steht damit auch die Personalplanung: Für „Artemis 4“ oder „Artemis 5“ ist ein deutscher Astronaut vorgesehen, konkret jedoch noch offen. Die ESA betonte, dass frühere Eindrücke, beide Deutschen würden in zwei aufeinanderfolgenden Mondmissionen teilnehmen, so nicht zutreffen. Das ist mehr als nur PR – es zeigt, wie eng die Besatzungszusammenstellung an Nutzlastfenster, Bahnmechanik, Transportkapazitäten und die Abstimmung mit den US-Operations der NASA gekoppelt ist. ESA-Führungskräfte verwiesen darauf, dass der Mondflug „der wirklich interessante Flug“ sei, und dass die Organisation aktuell in sehr guter Diskussion mit der NASA steht.

Markt- und industriepolitisch ist das ein Signal, weil „Artemis“ nicht nur eine Mission, sondern ein Engineering-Ökosystem aufbaut. Europas Raumfahrtindustrie profitiert typischerweise indirekt über langfristige Wertschöpfung: Zulieferketten für Navigation, Kommunikationskomponenten, thermische Systeme und Prüfverfahren werden planbarer, wenn die Raumfahrtagentur ihre Rollen in den Missionen früh festzurrt. Gleichzeitig konkurriert die ESA mit alternativen Beitragsmodellen anderer Raumfahrtakteure, die ebenfalls auf NASA-Schnittstellen einzahlen. Als Vergleich lässt sich gut die dynamische Rolle der NASA nennen: Während sie den Takt vorgibt, arbeiten Partner daran, von „Test- und Demonstrationsmissionen“ hin zu operativen, wiederkehrenden Mondflügen zu gelangen.

Historisch ist der Zeitplan von „Artemis“ immer wieder unter Druck geraten. Verzögerungen gehörten bereits in der Vergangenheit zum Programm, weil die technische Komplexität – von Start- und Landeketten bis hin zu Sicherheitsnachweisen – nur stufenweise beherrscht werden kann. Gerade vor diesem Hintergrund wirkt die jetzige Aussage, dass sich an den Planungen für die Missionen 4 und 5 zuletzt nichts geändert habe, wie ein Versuch, Stabilität in die Erwartungshaltung zu bringen. Experten aus der Branche betonen in solchen Phasen häufig, dass nicht die Vision allein zählt, sondern die belastbare Abfolge von Tests, Trainings- und Zulassungszyklen – und dass die Verantwortung für einzelne Missionsteile bei der NASA liegt, während die ESA mit Komponenten unterstützt.

Für die konkrete Besatzung bedeutet das: Maurer und Gerst sind nicht nur bekannte Namen, sondern bringen unterschiedliche Erfahrungsprofile aus früheren Expeditionen mit. Gerst war unter anderem 2014 und 2018 an Bord der Internationalen Raumstation (ISS), Maurer 2021. Diese ISS-Erfahrung ist für „Artemis“ vor allem deshalb relevant, weil Langzeitumgebungen, Lebenszyklus- und Wartungsroutinen im Orbit sowie Sicherheitsprozesse auf zukünftige Mondoperationen übertragen werden können. Gleichzeitig bleibt die Entscheidung für die Missionen 4/5 offen, bis die ESA und die NASA die finalen Crew- und Integrationspläne synchronisieren. Damit wird auch klar: Der Weg zum Mond ist nicht nur Geopolitik, sondern ein streng koordinierter Betriebsplan.

Aus regulatorischer und sicherheitstechnischer Perspektive sollten Unternehmen und Behörden in Europa das nicht als „rein akademisches“ Thema abtun. Beim Betrieb solcher Systeme spielen Exportkontrollen, Schnittstellen-Sicherheitsmodelle, Integritätsnachweise für Hardware sowie die Absicherung von Kommunikationswegen eine große Rolle. Auch wenn die Mission selbst in erster Linie von Raumfahrtakteuren getragen wird, entstehen industrielle Anforderungen an Dokumentation, Nachverfolgbarkeit und Qualitätsmanagement in der Lieferkette. In frühen Projektphasen müssen zudem Datenschutz- und Informationsschutzprinzipien im Umgang mit Missionsdaten, Logs und Telemetrie berücksichtigt werden – nicht, weil „Regulierung“ den Start verzögert, sondern weil sie später für Auditierbarkeit und Betriebssicherheit entscheidend ist.

Der Ausblick hängt damit an zwei Hebeln: erst die erfolgreiche Verifikation der Andockmanöver, dann die Skalierung in Richtung Mondoberfläche. Wenn „Artemis 3“ als europäischer Trainings- und Testfall 2027 in der Erdumlaufbahn abläuft, kann das die Planungsannahmen für spätere Mondmissionen empirisch untermauern. Gleichzeitig deutet die Aussage, man plane langfristig auf dem Mond zu forschen, darauf hin, dass in den kommenden Jahren regelmäßig weitere Möglichkeiten für internationale Astronauten entstehen sollen – und nicht nur „ein“ Symbolflug. Für die Entwicklerseite heißt das: Die Chancen für europäische Teams steigen, sobald wiederkehrende Missionen feste Schnittstellen und standardisierte Betriebsabläufe erzeugen. Unter dem Strich wird „Artemis“ damit vom einmaligen Projekt zur Plattform, in der Planungssicherheit, technische Validierung und internationale Abstimmung den Unterschied machen.


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