FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – In der letzten Oktoberwoche bleibt der ETF-Handel insgesamt gefragt, insbesondere europäische Indexfonds ziehen Kauforders an. Gleichzeitig nimmt der Fokus auf Unternehmensanleihen mit höheren Renditen zu, während Staatsanleihen laut Marktberichten weniger Aufmerksamkeit erhalten. Im Kryptomarkt überwiegt nach dem jüngsten Binance-Hack der Verkaufsdruck bei Bitcoin. Edelmetalle dagegen profitieren mit wieder steigender Nachfrage nach Gold und Silber.

Wer in der letzten Oktoberwoche auf eine klare Börsenrichtung hoffte, bekam eher ein geteiltes Bild: Während europäische Aktien-ETFs weiter Zuflüsse sehen, bleibt die Tech-Ecke im Handel auffällig nervös. Im Kern geht es dabei um die Mischung aus anhaltender ETF-Nachfrage und dem Versuch, kurzfristige Schwankungen über Branchen- und Themenprodukte zu handeln. In der Berichtslage heißt es zudem, dass die Handelsumsätze zwar gegenüber der Woche zuvor etwas ruhiger wurden, der Kaufüberhang aber überwiegt.
Konkreter wird das Muster im Index-ETF-Geschäft: Globale anlegende Indexfonds dominieren den Saldo, genannt werden unter anderem der Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80) und der iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983). In den USA zeichnet sich laut den beschriebenen Aktivitäten ein ausgeglicheneres Bild ab, weil sowohl der iShares Core S& P 500 (IE00B5BMR087) als auch der iShares Nasdaq 100 (IE00B53SZB19) rege gehandelt werden – also nicht nur in eine Richtung. Für Anleger ist das vor allem insofern relevant, als dass sich der Risikoappetit eher über Regionen als über die reine Indexpolitik abbildet: Europa wird gestützt, während in den USA mehr Rotation stattfindet.
Bei der regionalen Aufteilung kommt zusätzlich die Detailtiefe der Produkte ins Spiel. Für europäische Aktien werden Volumina in mehreren Indexfonds als weiterhin hoch eingeordnet, darunter STOXX Europe 600-Produkte von Amundi (LU0908500753) sowie iShares (DE0002635307) und der iShares Core EURO STOXX 50 (DE0005933956). Für deutsche Aktien dagegen fällt das Bild laut ICF Bank-Standpunkt deutlich schwächer aus: Im Deka DAX (DE000ETFL011) werden demnach „fast nur Verkäufe“ sichtbar. Auch der Blick auf Branchen-ETFs liefert eine wichtige Einordnung: Der Technologiesektor führt in der Darstellung mit mehr als 28 Prozent Umsatzanteil, doch eine einheitliche Handelsrichtung ist nicht erkennbar. Genannt werden dabei sowohl Käufe als auch Verkäufe innerhalb der Tech-Welt, etwa beim iShares S& P 500 Information Technology (IE00B3WJKG14) versus dem iShares Digital Security (IE00BG0J4C88), während der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data (IE00BGV5VN51) beidseitig rege gehandelt wird.
Genau diese Gemengelage aus Nachfrage und Gegenpositionen findet sich auch im Zahlungsstrom der KI- und Halbleiter-Narrative wieder: Michael Norizin von Lang & Schwarz bringt den „KI-Sell-off und die kräftigen Schwankungen der Tech-Werte“ auf den Punkt und nennt es „das große Thema der Woche“. Dazu passen die genannten Umsatztreiber im Handel, darunter der VanEck Semiconductor (IE00BMC38736) sowie der zweifach gehebelte Amundi Nasdaq-100 Daily Leveraged (FR0010342592). Für die Praxis bedeutet das: Solche Produkte wirken in Phasen erhöhter Volatilität wie ein Beschleuniger, weil sie tägliche Bewegungen und damit auch Marktschwankungen stärker abbilden. Wer in diesem Umfeld als Fondsmanager oder Trader agiert, muss deshalb neben der Richtung auch das Timing und das Risiko von Rebalancing-Effekten im Blick behalten.
Abseits von Aktien rückt zugleich der Rentenmarkt spürbarer in den Fokus, und hier liefert der Renditepfad die technische Begründung: Höhere Renditen belasteten zuletzt die Kurse, erhöhten aber gleichzeitig das laufende Renditeniveau. In der Folge entsteht ein neuer Attraktivitätsanker für Anleger, die Einkommen statt Kursfantasie suchen. Entsprechend werden größere Käufe beim iShares EUR High Yield Corp Bond (IE00B66F4759) genannt, ergänzt durch Interesse am iShares Core EUR Corp Bond (IE00B3F81R35) und am iShares EUR Corp Bond 1-5yr (IE00B4L60045). Interessant ist auch der beschriebene Vergleich zum Jahresanfang: Seit Jahresbeginn hätten diese Fonds „unter dem Strich kaum Ertrag“ gebracht, doch auf dem höheren Renditeniveau wächst nun wieder das Interesse. Gleichzeitig bleibt der Gegenpol sichtbar: Staatsanleihen werden weniger stark nachgefragt, der iShares Germany Govt Bond (IE00B5V94313) wird überwiegend verkauft.
Am deutlichsten schlägt die Episode im Kryptomarkt durch: Orlemann registriert nach dem jüngsten Hackerangriff auf die Kryptoplattform Binance „deutlichen Verkaufsdruck“ bei Bitcoin. In der Darstellung werden dabei vor allem der WisdomTree Physical Bitcoin (GB00BJYDH287) und der 21Shares Bitcoin Core (CH1199067674) fast ausschließlich verkauft. Das ist weniger eine Debatte über langfristige Thesen als über den kurzfristigen Risikomechanismus nach einem solchen Ereignis: Liquidität und Vertrauen wirken dann oft schneller als fundamentale Bewertungsfragen. Gegenläufig dazu entwickelt sich das Edelmetallsegment. Nach beschriebenen Kursrückgängen greifen Anleger wieder zu, sodass Orlemann „fast nur Käufe“ beim WisdomTree Physical Silver (JE00B1VS3333), beim Invesco Physical Gold EUR Hedged (XS2183935274) und beim WisdomTree Physical Swiss Gold (JE00B588CD74) sieht. Auch Norizin berichtet über gute Umsätze, konkret beim Xetra-Gold (DE000A0S9GB0) sowie beim dreifach gehebelten WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged (XS3306516876).
Aus dem Zusammenspiel dieser Ströme lässt sich für Entscheider vor allem eine Botschaft ableiten: In solchen Phasen verschiebt sich die Nachfrage weniger in „entweder Aktien oder Anleihen“, sondern in Portfoliostrukturen. Europa wird offenbar als stabilerer Baustein gehandelt, während innerhalb der Tech-Segmente Tempo und Volatilität die Richtung kurzfristig überlagern. Gleichzeitig steigen die Chancen für ausgewählte Kreditsegmente, weil das Renditeniveau den Ausschlag gibt, nicht nur die Erwartung an fallende Spreads. Und dort, wo Vertrauensereignisse wie bei Bitcoin spürbar nachwirken, können Edelmetalle als Liquiditäts- und Risikopuffer stärker gefragt werden. Die genannten ETFs und deren beobachtete Kauf- und Verkaufsüberhänge zeigen damit auch, wie schnell Märkte zwischen Risiko, Ertrag und Absicherung umschalten.
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