MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Siltronic hebt den Jahresausblick an, weil die Nachfrage nach Halbleiterwafern wieder anzieht. Laut Management hängt der Rückenwind besonders mit dem Ausbau von 300-mm-Kapazitäten in Singapur zusammen, der das Wachstum bei KI-getriebenen Märkten bedienen soll. Während der Server- und Rechenzentrumssektor weiter stark wächst, bleibt der Bedarf aus Smartphone- und klassischer PC-Industrie angesichts des Speicherchip-Mangels gedämpft. Auch das Wechselkursumfeld verbessert die Erwartung für 2026 spürbar.

Siltronic schlägt nach einem schwächeren Umfeld wieder ein schnelleres Tempo an, und der Jahresausblick fällt entsprechend optimistischer aus. Ausgangspunkt sind die Quartalszahlen: Im dritten Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um gut 18 Prozent auf 355,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis legte dabei um fast ein Viertel zu und erreichte 81,3 Millionen Euro. Damit verschiebt sich die Erwartungshaltung an den weiteren Jahresverlauf deutlich, zumal Firmenlenker Michael Heckmeier öffentlich auf eine spürbar bessere Nachfrage nach Wafern verweist.
Technisch und produktspezifisch erklärt sich die Verbesserung vor allem über den Wafer-Mix und die 300-mm-Wafer. Siltronic beschreibt, dass die Nachfrage nach 300-Millimeter-Scheiben derzeit stark ist, während 200-Millimeter-Wafer zwar ebenfalls zulegen, aber noch einen weniger vorteilhaften Produktmix mit sich bringen. Zusätzlich deutet die Entwicklung auf Preissignale hin: Für 300-Millimeter-Wafer nennt das Unternehmen mittlerweile leicht steigende Preise, während bei 200-Millimeter-Siliziumscheiben zumindest eine Stabilisierung erkennbar ist und erste positive Tendenzen sichtbar werden.
Der wichtigste Markttreiber kommt laut Unternehmensdarstellung vor allem aus dem Servergeschäft. Weltweit boomen demnach der Bau und die Modernisierung von KI-Rechenzentren, und genau dieser Investitionszyklus wirkt sich auf den Bedarf an Wafern aus. Der klassische Absatzkanal bleibt jedoch nicht überall gleich stark: Die Nachfrage von Smartphone-Herstellern und aus der traditionellen PC-Industrie schwächelt, was das Unternehmen vor allem auf einen Mangel bei Speicherchips zurückführt. In der Konsequenz priorisieren Speicherchiphersteller offenbar lukrative Breitband-Speicherchips gegenüber Standardware für „normale“ PCs und Smartphones.
Parallel zur Nachfrage skizziert Siltronic aber auch ein Kapazitäts- und Umsetzungsbild, das die Marktmechanik stützen soll. Konkreter Ankerpunkt ist die Erweiterung der 300-mm-Kapazitäten in Singapur, die als Antwort auf das KI-getriebene Marktwachstum genannt wird. Für Anleger ist das relevant, weil Produktionsausbau und Marktabsatz zusammenkommen müssen: Wenn Kapazität hochläuft, steigt die Chance, die Auslastung stabil zu halten, gleichzeitig verschärfen sich aber kurzfristig Investitions- und Abschreibungseffekte in der Ergebnisrechnung.
Diese Spannung zeigt sich in der Ergebnisentwicklung: Unter dem Strich weist Siltronic bei der Beteiligung von WACKER CHEMIE erneut einen Verlust aus. Der Verlust fällt mit 55 Millionen Euro höher aus als die knapp 44 Millionen Euro im Vorjahr. Als Ursache werden hohe Abschreibungen genannt, die auch in Verbindung mit dem Bau einer Fabrik in Singapur stehen, die 2024 eingeweiht wurde. Das bedeutet in der Praxis: Operativ verbessert sich das Geschäft, während das Ergebnisbild „unterhalb“ der operativen Linie durch Investitions- und Bilanzthemen zeitweise belastet wird.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Führung nun mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau von 1,35 Milliarden Euro. Zuvor lag die Erwartung noch unter anderem auf einem möglichen Rückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Auch bei der Profitabilität steigt die Zielrichtung leicht: Vom Umsatz sollen im laufenden Jahr 22 bis 24 Prozent als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) übrig bleiben. Das wäre am unteren Ende der Spanne 2 Prozentpunkte mehr als bisher in Aussicht gestellt. Analystisch wurde die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal als überraschend stark eingeordnet; besonders hervorgehoben wurde dabei der Margenausblick, der auf eine bessere zugrundeliegende Profitabilität hindeuten könnte.
Die Reaktionen am Markt sind entsprechend. Der Aktienkurs von Siltronic stieg nach den Zahlen auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss vom Vorabend um gut 6 Prozent auf 63,20 Euro. Zugleich markiert die Bewegung einen möglichen Erholungsversuch: Nachdem die Aktie seit dem Hoch Ende Mai bis gegen Ende Oktober rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt hatte, könnten die neuen Ergebnisse den Investoren wieder mehr Sicherheit geben. Unterm Strich kombiniert Siltronic damit zwei Hebel—Nachfrageimpulse aus KI-Servern und ein leicht besseres Preis- bzw. Produktmixbild bei 300-mm-Wafern – während das Unternehmen zugleich darauf hinweist, dass Wechselkurseffekte durch den zum US-Dollar schwächeren Euro die Erwartungen zusätzlich stützen.
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