FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Am ETF-Markt nimmt die Skepsis gegenüber KI sichtbar zu: Gewinne aus Tech-Exposures werden zumindest teilweise mitgenommen und in breiter gestreute Indizes verlagert. Gleichzeitig treibt ein erneuter Anstieg beim Ölpreis den Handel mit Öl-ETCs spürbar an, während Gold-ETCs laut Marktberichten im August außergewöhnlich hohe Zuflüsse erhielten. Parallel bleiben US-Aktien-ETFs und Geldmarkt-Tracker bei Anleihenprodukten stark gefragt. Für Anleger wird damit deutlicher, wie schnell sich Kapitalflüsse zwischen Themen, Regionen und Rohstoffwetten drehen.

Der ETF-Handel wirkt derzeit wie ein Stimmungsbarometer für Tech- und Makroerwartungen: Während viele Anleger Gewinne aus KI- und Tech-lastigen Positionen zumindest zeitweise realisieren, verschiebt sich das Portfolio-Setup in Richtung globaler Index-Tracker. In Frankfurt wird diese Bewegung mit einer Kombination aus „KI-Sorgen“ und erneutem Druck durch den Rohstoffkomplex begründet: Laut den vorliegenden Angaben überwiegen zwar die Käufe insgesamt, aber der Ton bei einzelnen Nasdaq-orientierten Produkten ist deutlich verhaltener. Die Aussage „Nasdaq-ETFs werden aber eindeutig verkauft“ steht dabei sinnbildlich für eine Umschichtung, die weniger die Gesamtmarktlage betrifft, sondern vor allem die Zusammensetzung des Risikos: weniger Konzentration auf einen Technologie-Cluster, mehr Streuung über Regionen und Marktkapitalisierungsbereiche.
Technisch betrachtet spielt in dieser Phase vor allem das Zusammenspiel aus Indexnähe, Liquidität und Kosten eine Rolle. Wenn Anleger „von Tech- in die breiter streuenden globalen Indizes“ wechseln, wählen sie häufig ETFs, die einen breiten Aktienkorb abbilden, um das Klumpenrisiko einzelner Sektoren zu reduzieren. Genannt werden hier unter anderem MSCI World-Tracker, etwa von iShares oder Xtrackers, sowie der Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80). Besonders auffällig ist der jüngst genannte Kostenvorteil beim FTSE All-World: Die Gesamtkostenquote sei von 0,19 auf 0,14 Prozent gesenkt worden. Daneben wird der Vanguard FTSE Global All-Cap (IE000VAHT5T0) hervorgehoben, weil er laut Angaben neben großen auch mittlere und kleinere Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern abdeckt und mit einer Gesamtkostenquote von nur 0,07 Prozent kalkuliert.
Marktseitig lässt sich der „Switch“ aus mehreren Blickwinkeln einordnen. Erstens sorgt ein steigender Ölpreis für eine unmittelbare Neuallokation in Rohstoff-ETCs, weil dort die Erwartung an Preisbewegungen schneller in Volumen und Spreads sichtbar wird. Für den europäischen Handel wird ein Barrel Brent von 108 US-Dollar als hoher Stand seit Mai genannt, was die Attraktivität von Öl-bezogenen Produkten weiter erhöht. Zweitens fällt auf, dass der ETF-Markt damit nicht in ein Sommerloch kippt, sondern weiterhin große Summen bewegt: Crossflow wird mit einem Investitionsvolumen von 128,3 Milliarden Euro innerhalb von nur drei Monaten zitiert. Auf Monatsbasis sei das durchschnittliche Aktien-Investitionsvolumen von 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2022 über 16,5 Milliarden Euro (2024) bis auf 29 Milliarden Euro bis August angewachsen – eine Entwicklung, die vor allem für Produktanbieter und Plattformbetreiber relevant ist, weil sie Handels- und Risikokapazitäten kontinuierlich belastet.
Auch die Produktfeinheit zeigt sich in der Themenrotation. Bei ICF Bank wird „Alles, was mit Öl zu tun hat“ als gesucht beschrieben, inklusive WTI-ETCs. Für die Rohstoffseite wird außerdem der WisdomTree Broad Commodities (IE00BKY4W127) genannt, der den Bloomberg Commodity Total Return Index abbildet, und bei Lang & Schwarz wird zudem der WisdomTree Brent Crude Oil 3x Daily Leveraged (IE00BMTM6D55) als Schwerpunkt im kurzfristigen Handel erwähnt. Gleichzeitig berichten Marktbeobachter, dass Gold-ETCs und Goldminen-ETFs in den Vorwochen weniger gut liefen und überwiegend abgegeben wurden – mit einer Ausnahme beim währungsgesicherten Invesco Physical Gold EUR Hedged (XS2183935274). Diese Differenz erklärt sich häufig daraus, dass Währungsabsicherung und Produktstruktur (Physical-Exposure vs. Minenaktien) unterschiedliche Risikotreiber ansprechen: Bei Rohstoffbewegungen dominiert das Spot-Exposure, bei Minenfonds dagegen stärker die Aktienkomponente aus Bewertung und Unternehmensrisiken.
Beim Rohstoff Gold wird die Dynamik besonders deutlich. Laut Crossflow flossen Gold-ETCs im August so viele Mittel zu wie noch nie, mit 5,7 Milliarden Euro an Zuflüssen – der höchste Wert seit Existenz der ETC-Struktur. In der Folge landeten drei Physical Gold-ETCs in den Top 10 der höchsten Mittelzuflüsse, darunter iShares Physical Gold, Invesco Physical Gold und Amundi Physical Gold. Interessant ist dabei die Kombination aus hoher Nachfrage und gleichzeitigem Preisrückfluss: Der Goldpreis habe einen großen Teil seiner Augustgewinne wieder abgegeben, die Unze koste aktuell 4.265 US-Dollar. Das ist für Marktteilnehmer ein Hinweis darauf, dass Portfolioaufbau nicht zwingend an linearem Preisverhalten gekoppelt ist, sondern auch an Erwartungshaltungen zu Volatilität, Absicherung und Timing. Parallel zu Gold bleiben Gesundheit und Energie als Sektorhebel im Blick: Gesundheitsaktien würden meist gekauft, Energie-ETFs eher abgestoßen, was in den Angaben als Gewinnmitnahmen beschrieben wird.
Bei Anleihen-ETFs und Krypto-ETNs verschiebt sich der Fokus zusätzlich vom klassischen „nur Cash“ hin zu differenzierteren Wetten. Geldmarkt-Tracker dominieren laut den vorliegenden Angaben weiterhin, doch auch US-inflationsindexierte Anleihen (TIPS), spanische Staatsanleihen und Covered Bonds finden Beachtung. Auf der Krypto-Seite wird im Handel mit Anleihen-ETNs eine klare Konzentration auf Bitcoin beschrieben: „Da geht es fast nur um Bitcoin, nicht die zweite oder dritte Reihe.“ Der Bitcoin werde zu rund 77.000 US-Dollar gehandelt und bleibe damit noch deutlich unter dem Rekordstand von Oktober bei über 125.000 US-Dollar, obwohl zuletzt ein Anstieg berichtet wird. Für Unternehmen und Plattformanbieter ist diese Themenbreite operativ relevant, weil sie unterschiedliche Liquiditätsprofile und Hedging-Mechaniken erzeugt – von Zinskurven- und Inflationsindexprodukten bis zu kurz getakteten Kryptostrukturen.
Für die nächsten Wochen ergibt sich daraus ein praktischer Handlungsrahmen: Wer heute KI-lastige Exposures reduziert, weicht häufig nicht in „alles abseits von KI“ aus, sondern in breit diversifizierte Aktien- und in Rohstoff- oder Absicherungsbausteine. In den genannten Beispielen wird das Muster sichtbar – Nasdaq-Tracker werden verkauft, während globale Indizes wie MSCI World und All-Cap-Konstruktionen gefragt bleiben. Gleichzeitig ist der Öl-Impuls für ETC-Nachfrage ein Beispiel dafür, wie schnell Makrofaktoren Portfoliorotation auslösen können, selbst wenn die Gesamtbilanz am ETF-Markt weiterhin von Käufen geprägt ist. In der Praxis heißt das für Asset Manager und Berater: Die operative Überwachung sollte stärker auf Produktklassen-Übergänge ausgelegt sein – also genau auf die Stellen, an denen Anleger zwischen Sektorrotation, Indexbreite und Rohstoffwetten umschichten.
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