BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Kommission plant, 20 Milliarden Euro in den Bau von KI-Rechenzentren zu investieren, um die digitale Souveränität Europas zu stärken. Doch das Vorhaben stößt auf Kritik von Abgeordneten und Experten, die vor einer Abhängigkeit von einem einzigen Chip-Hersteller warnen und die Umweltverträglichkeit der Projekte in Frage stellen.

Die Europäische Kommission hat ehrgeizige Pläne, 20 Milliarden Euro in den Bau von hochmodernen KI-Rechenzentren zu investieren. Diese sogenannten Gigafabriken sollen Europa helfen, seine digitale Souveränität zu stärken. Doch das Projekt steht unter Beschuss, da sowohl Abgeordnete als auch Branchenexperten erhebliche Bedenken äußern. Ein zentraler Kritikpunkt ist die geplante Hardware-Ausstattung, die eine starke Abhängigkeit von NVIDIA-Chips vorsieht. Dies wirft die Frage auf, wie Europa seine Souveränität wahren kann, wenn es auf einen nicht-europäischen Lieferanten angewiesen ist.
Die Kommission verteidigt ihr Vorhaben mit dem Argument, dass eine souveräne Rechenumgebung geschaffen werden soll, in der Daten vollständig unter europäischem Recht geschützt sind. Dennoch gibt es Bedenken, dass der KI-Markt sich schneller entwickelt, als die Infrastrukturprojekte umgesetzt werden können. Branchenanalysten weisen darauf hin, dass der Fokus zunehmend auf die tägliche Anwendung von KI, das sogenannte Inferencing, verlagert wird. Das zentralisierte Gigafabrik-Modell ist jedoch primär auf das Training großer Modelle ausgelegt.
Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Die Kommission plant, mit ihrer Initiative ‘InvestAI’ insgesamt 200 Milliarden Euro zu mobilisieren, wobei private Investoren 65 Prozent des Kapitals aufbringen sollen. Dies hat in mehreren Mitgliedsstaaten bereits zu Verzögerungen geführt. Zudem bleibt unklar, wer die fertige Rechenleistung tatsächlich nutzen wird. Die Denkfabrik Center for European Policy Analysis warnt vor ‘Kathedralen in der Wüste’ – riesigen Anlagen mit hohem Angebot, aber zu geringer Nachfrage.
Auch Umweltaspekte spielen eine Rolle. Die Eile beim Bau der Gigafabriken kollidiert mit den Umweltzielen der EU. Der Strombedarf der Rechenzentren könnte in Ländern wie Frankreich bis Mitte des nächsten Jahrzehnts um das Vierfache steigen. Die Kommission erwägt, bestimmte Umweltauflagen zu lockern, was auf scharfe Kritik von Umweltverbänden stößt. Die Frage bleibt, ob die Gigafabriken zum Motor einer neuen Industrieära werden oder als teures Denkmal überambitionierter Planwirtschaft enden.
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