BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Seit heute dürfen in der EU keine fettabweisenden Burger-Boxen und Gebäckpapiere mit bestimmten PFAS-Stoffen mehr neu auf den Markt kommen. Die Verordnung setzt neue Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen in Lebensmittelverpackungen. Hintergrund sind Hinweise, dass diese „Ewigkeitschemikalien“ gesundheitlich problematisch sein könnten. Gleichzeitig verschärft die Regelung ab den nächsten Jahren Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz und Einwegplastik.

Seit heute gilt in der EU ein klarer Schnitt bei Verpackungen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen: Bestimmte fettabweisende Burger-Boxen und Gebäckpapiere dürfen nicht mehr neu in den Markt gebracht werden, wenn sie die festgelegten PFAS-Grenzwerte nicht einhalten. Konkret adressiert die EU-Verpackungsverordnung „per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“ (PFAS) in Lebensmittelverpackungen. PFAS werden umgangssprachlich auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet, weil sie sich offenbar nur sehr langsam abbauen. Im Alltag geht es dabei vor allem um die Frage, ob Pommeskartons oder Dönertüten dauerhaft gegen Durchweichen geschützt werden können.
Technisch betrachtet wirkt der Fett- und Feuchtigkeitsschutz meist über eine Beschichtung oder Materialausrüstung, die Wasser und Öl abweist. Genau diesen Zweck adressiert die Neuregelung: PFAS sollen künftig so reguliert werden, dass die typische Funktion für Fast-Food-Verpackungen in der bisherigen Form eingeschränkt wird. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wird in dem Text so zitiert, dass die Grenzwerte sehr niedrig ausfallen, sodass PFAS praktisch nicht mehr als fettabweisende Schicht genutzt werden können. Gleichzeitig wird die Übergangslogik genannt: Was bereits in Lagern liegt, darf noch verwendet werden. Damit wird die Umsetzung für den Handel und die Gastronomie entkoppelt von einem abrupten Stopp in der Produktion, aber die Neuinverkehrbringung neuer Ware beginnt ab dem Stichtag.
Die gesundheitliche Dimension bleibt dabei ein wesentlicher Treiber der Regulierung. In der Meldung heißt es, die Stoffe stünden im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Für Unternehmen bedeutet das nicht nur einen regulatorischen Anpassungsdruck, sondern auch eine Risikoanalyse entlang der gesamten Lieferkette: Welche Rohstoffe, Additive und Beschichtungen verwenden Hersteller von Karton, Papier oder Folien? Welche Nachweise zur Einhaltung der Grenzwerte lassen sich gegenüber Abnehmern und Behörden dokumentieren? Besonders relevant ist, dass es sich um Lebensmittelverpackungen handelt, also um Kontaktmaterialien, bei denen die Barrierefunktion gegenüber Fett nicht „irgendein Komfortdetail“, sondern ein integraler Bestandteil der Produkt-Performance ist.
Neben PFAS stellt die Verordnung weitere weitreichende Anforderungen in Aussicht, die für viele Verbraucher erst ab 2030 spürbar werden. Dann sollen Verpackungen recyclingfähig sein und so klein wie möglich ausfallen. Ein konkreter Messpunkt wird genannt: Der erlaubte Leerraum in Kartons bei Online-Bestellungen wird auf 50 Prozent begrenzt; als Leerraum gilt auch der Platz, der mit Papier, Luftpolsterfolie oder Styropor-Chips gefüllt wird. Dazu kommt, dass bestimmte Einwegplastikverpackungen für unverarbeitetes frisches Obst und Gemüse untersagt werden. Auch sehr leichte Plastiktüten sind dann verboten, allerdings mit Ausnahmen, etwa aus Hygienegründen oder für lose Lebensmittel, wenn das der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken soll.
Der Hintergrund für diese Stufenpläne ist der hohe Abfallumfang im Verpackungsbereich. Im Jahr 2023 fielen laut Eurostat 177,8 Kilogramm Verpackungsabfälle pro Einwohner an. Die neuen Regeln sollen darauf abzielen, Verpackungsmüll in der EU bis 2040 schrittweise um mindestens 15 Prozent im Vergleich zu 2018 zu reduzieren. Zusätzlich werden Zwischenmarken genannt: Bis 2030 sollen es 5 Prozent weniger sein, bis 2035 dann 10 Prozent. Für Lieferketten und Logistik bedeutet das, dass Verpackungsdesign, Verpackungsbeschaffung und Versandprozesse über Jahre hinweg kontinuierlich optimiert werden müssen, statt nur „einmal pro Produktlinie“ umzusteigen.
Für die Praxis ergibt sich daraus ein zweischichtiges Umsetzungsprojekt. Kurzfristig steht die Materialfrage im Vordergrund: Anbieter von Fast-Food-Verpackungen und Abpackbetriebe müssen ihre Beschichtungen, Laminierungen und Barrierekonzepte so umstellen, dass die PFAS-Grenzwerte eingehalten werden. Gleichzeitig dürfen sich Unternehmen nicht nur auf die Ware konzentrieren, die sie selbst verkaufen: Auch Zulieferer wie Papier- und Kartonhersteller werden entlang der Anforderungen nachziehen müssen, weil Gastronomie und Handel die Dokumentations- und Compliance-Anforderungen zunehmend in Spezifikationen übersetzen. Langfristig wird dann die zweite Achse wichtig, nämlich Einsparung von Verpackungsvolumen, Recyclingfähigkeit und weniger Kunststoffe im Versand und bei Frischeprodukten.
Interessant ist dabei auch die Implikation für Innovationen im Packaging: Wenn eine bestimmte Chemikaliengruppe für den Fett- und Feuchtigkeitsschutz praktisch ausfällt, verlagert sich die Entwicklung typischerweise in Richtung alternativer Beschichtungsmaterialien, mechanischer Barrieren oder neuer Verbundkonzepte. Das braucht Zeit, weil jede Änderung am Material nicht nur die Funktion testen muss, sondern auch Stabilität im Alltag, Kostenstruktur und Recyclingverhalten. Der EU-Zeitplan lässt deshalb wenig Raum für „Trial-and-Error“ ohne Pipeline: Schon heute lohnt es sich, die Umstellung so zu planen, dass Produktionschargen, Lagerbestände und Neuaufträge sauber auseinandergehalten werden. Denn auch wenn die Übergangsregel für bereits vorhandene Ware gilt, beginnt der Wettbewerb um neue, regelkonforme Verpackungsvarianten ab sofort.
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