ESSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Essen startet mit der Euro Defence Expo (Eudex) eine neue Rüstungsmesse, die über vier Tage 360 Hersteller aus 28 Nationen zusammenbringt. Im Fokus stehen unbemannte Bodenfahrzeuge mit autonomer Navigation, tragbare Drohnensysteme sowie Sensoren, die chemische und nukleare Gefahren erkennen können. Parallel läuft auf dem gleichen Gelände die Security-Fachmesse, flankiert von Begegnungen aus Industrie, Wissenschaft und Politik. Außerdem treffen sich Vertreter des Nato-Kompetenzzentrums JAPCC zu einer dreitägigen Jahreskonferenz.

In Essen ist zum Auftakt der Euro Defence Expo, kurz Eudex, deutlich zu sehen, wie stark sich die Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie derzeit vom reinen Demonstrator hin zu alltagstauglichen Systemen bewegt. Die Messe dauert vier Tage und bringt nach Angaben der Messe Essen 360 Hersteller aus 28 Nationen zusammen. Der Ansatz ist dabei nicht auf Technik im Labor beschränkt, sondern zielt auf den Austausch mit Streitkräften, Forschungseinrichtungen und Politik. Damit wird die „Produktionsseite“ sichtbar: Unternehmen können konkrete Systeme und Dienstleistungen vorstellen und gleichzeitig das Umfeld diskutieren, in dem diese Fähigkeiten später betrieben werden.
Technisch greift Eudex mehrere Trendlinien auf, die in Projekten zur Fähigkeitenentwicklung immer häufiger gemeinsam auftauchen. Genannt werden unbemannte Bodenfahrzeuge, die nicht nur ferngesteuert werden, sondern auch selbstständig navigieren können. Dazu kommen tragbare Drohnensysteme, also Pakete, die sich auf der Ebene der Truppe einsetzen lassen, statt erst in großen Verbänden zu funktionieren. Ergänzt wird das Bild durch Sensorgeräte, die chemische Kampfstoffe oder nukleare Gefahren erkennen können. Für die Praxis ist dabei weniger die einzelne Komponente entscheidend als die Frage, wie Sensorik, Funk und Auswertung so zusammenspielen, dass Informationen schnell in Lagebilder überführt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt nach Messe-Angaben auf der Stärkung der zivil-militärischen Zusammenarbeit. Diese Ausrichtung wird zusätzlich durch die parallel stattfindende Security-Fachmesse untermauert, die sich an der Sicherheitswirtschaft orientiert. Damit treffen zwei Ökosysteme aufeinander, die in der Beschaffung oft getrennt arbeiten: auf der einen Seite Verteidigung und Fähigkeitenentwicklung, auf der anderen Seite Sicherheitslösungen für kritische Infrastruktur, öffentliche Sicherheit und industrielle Resilienz. Dass in diesem Rahmen Synergien entstehen sollen, ist naheliegend, weil viele Technologien übergreifend funktionieren, etwa bei Sensorik, Erkennungsketten und vernetzten Betriebsprozessen.
Die Eudex findet zeitlich mit internationalen Fachbegegnungen zusammen, was den politischen und strategischen Layer ergänzt. Unweit des Messegeländes läuft derzeit die Jahreskonferenz des Nato-Kompetenzzentrums Joint Air Power Competence Centre (JAPCC), an der mehr als 400 Menschen teilnehmen. JAPCC sitzt in Kalkar am Niederrhein und unterstützt Nato-Staaten bei der Weiterentwicklung der Luft- und Weltraumstreitkräfte. Der JAPCC-Exekutivdirektor, Generalleutnant Thorsten Poschwatta, betonte dabei die wachsende Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Streitkräften, Industrie, Wissenschaft und Politik. Inhaltlich passt das zur Linie „Strategie trifft Technik“: Poschwatta ordnete die Aufgabe so ein, dass Trendanalyse, Konzeptentwicklung und Impulse für die Weiterentwicklung von Fähigkeiten zusammengehören.
Auch aus Landespolitik kommt in der Messekommunikation ein klares Signal, wie stark die Industrieperspektive in Europa inzwischen in Förderinstrumente eingebettet ist. Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur verwies auf das NRW-Förderprogramm „Defence.Tech.NRW“. Ziel sind 24 Projekte, die mit EU-Geldern unterstützt werden sollen und an Technologien für die zivile und militärische Verteidigung arbeiten. Die Bandbreite reicht von Drohnenabwehr und KI bis zu Satellitenkommunikation und mobiler Produktion. Genau diese Mischung ist bemerkenswert, weil sie unterschiedliche Reifegrade abdeckt: KI-gestützte Ansätze sowie Satellitenkommunikation liegen näher an der „Verkettung“ über Systeme hinweg, mobile Produktion adressiert dagegen die Fähigkeit, Ressourcen und Komponenten schneller verfügbar zu machen.
Damit wird Eudex nicht nur zur Bühne für einzelne Prototypen, sondern zu einem Ort, an dem Skalierung und Einbettung diskutiert werden. Bei der Security sind in diesem Jahr 520 Firmen aus 41 Ländern präsent; die Security-Projektleiterin Julia Jacob stellte heraus, dass die Sicherheitswirtschaft heute stärker zusammenwachse als zuvor. Inhaltlich wird dabei besonders betont, dass Künstliche Intelligenz, digitale Vernetzung und innovative Technologien zu ganzheitlichen Sicherheitslösungen führen sollen. Für Unternehmen bedeutet das: Wer im Markt gewinnen will, muss zunehmend zeigen, wie sich Sensorik, Datenverarbeitung und operative Abläufe in bestehende Strukturen integrieren lassen – und wie solche Lösungen mit den Erwartungen aus Streitkräften und öffentlichen Sicherheitsanwendungen zusammenspielen.
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