KYIV / LONDON (IT BOLTWISE) – Tausende europäische Soldaten sollen in Polen ab nächster Woche die erste große Übung der „Coalition of the Willing“ absolvieren, als Auftakt für einen multinationalen Verband nach dem Kriegsende in der Ukraine. Großbritannien und Frankreich führen KOALICJA 26.2 mit 2.800 Kräften aus 11 Nationen; der Fokus liegt auf Marsch, Schutz und Versorgung. Die Planung zielt nicht auf NATO-Kommando und keine klassische Friedensmission ab, sondern auf die Vorbereitung konkreter Folgeaufgaben wie Minenräumung und Ausbildung. Offiziell werden die Termine zudem mit laufenden Friedensgesprächen und dem Zeitdruck auf die Infrastruktur der Ukraine verknüpft.

Schon die Ankündigung klingt wie eine Brücke zwischen dem militärischen Alltag und dem organisatorischen „Danach“: Für die kommende Woche planen europäische Staaten in Polen eine groß angelegte Übung als erste relevante Probe für die spätere Stationierung eines multinationalen Einsatzverbands in der Ukraine. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Koordination unterschiedlicher Waffengattungen, sondern auch der gesamte logistischer Ablauf – vom Verschieben von Kräften bis zur Versorgung und zum Schutz der Truppe. Die Übung wird als realistischer Schritt beschrieben, um nach einem möglichen Ende der Kampfhandlungen handlungsfähig zu sein und nicht erst dann mit der Koordination anzufangen.
Technisch betrachtet verbindet das Konzept mehrere Ebenen der Einsatzvorbereitung, die sonst oft getrennt trainiert werden: Luft-, Land- und Seeanteile sollen gemeinsam Abläufe durchspielen, die später für „moving, protect and supply“ entscheidend sind. Genau diese Kette ist in multinationalen Operationen besonders anfällig, weil unterschiedliche Planungslogiken, Kommunikationswege und Sicherheitsstandards erst in der Praxis „übereinander gelegt“ werden müssen. Für das Training spielt außerdem die Frage eine Rolle, wie Befehlsstrukturen und Lageführung ineinandergreifen, also wie verschiedene Komponenten als ein abgestimmter Verbund operieren. Gleichzeitig wird betont, dass das Vorhaben keine klassische Friedensmission oder ein Mandat zur Überwachung eines Waffenstillstands ersetzt.
Unter dem Dach der „Multinational Force-Ukraine“ (MNF-U) wird KOALICJA 26.2 als koordinierte Aktivität beschrieben, die zwischen dem 9. und 22. November stattfinden soll. Großbritannien und Frankreich übernehmen dabei die gemeinsame Führung; sie bündeln Kräfte aus insgesamt 11 Staaten und setzen nach Angaben aus den beteiligten Strukturen auf ein Kontingent von 2.800 Soldaten für die Übungsphase. Für die Rollenverteilung ist zudem wichtig, dass amerikanische Truppen nicht teilnehmen. Deutschland, Polen, Frankreich, das Vereinigte Königreich, ebenso Estland, Litauen, die Niederlande, Spanien, Schweden und Belgien werden als weitere Teilnehmer genannt, was die Bandbreite zwischen west- und baltisch geprägten Einsatzkulturen widerspiegelt.
Auch in der konkreten Ausgestaltung der Übung zeigen sich die Schwerpunkte des späteren Aufgabenspektrums. Laut einer britischen Verteidigungsdarstellung soll das Training Fähigkeiten abbilden, die nach einem möglichen Kriegsende gebraucht werden: Dazu zählen das Sichern kritischer Infrastruktur, die Unterstützung beim Aufbau und bei der Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte sowie der Schutz des Luftraums. Ergänzend ist ausdrücklich die Minenräumung im Schwarzen Meer Bestandteil der Überlegungen; hier treffen militärische Sicherungslogik und der Wunsch nach einer sicheren Rückkehr von Handelsschifffahrt aufeinander. Frankreich kündigt darüber hinaus den Einsatz von Einheiten mit rund 50 „Contact Drones“ an, während Polen die Bewegung der MNF-U-Truppen nach dem Krieg organisatorisch steuern soll, ohne eigene Soldaten in die spätere Mission in der Ukraine zu entsenden.
Die Staffelung der Kräfte macht das Unterfangen zudem politisch und militärisch anspruchsvoll: Selbst eine vergleichsweise „minimale“ Präsenz als „tripwire“ würde nach Einschätzung von sicherheitspolitischen Forschungsgruppen schnell im Bereich von 10.000 bis 25.000 Soldaten landen, weil die Einsatzbereitschaft nicht bei allen Kontingenten gleichzeitig maximal ist. Entsprechend verschieben Rotationen den realen Personalbedarf nach oben. Gleichzeitig wird das Mandat so beschrieben, dass es nicht unter NATO-Kommando laufen und erst nach einem möglichen Waffenstillstand sowie auf Anfrage aus Kiew in die Ukraine wechseln soll. Russland wiederum lehnt aus eigener Sicht eine ausländische Truppenpräsenz ab und hat in der Vergangenheit vor möglichen Zielwirkungen für westliche Kräfte gewarnt; zudem wird in den Planungen der zeitliche Zusammenhang zur laufenden diplomatischen Phase deutlich.
Im politischen Gesamtkontext fallen die Übungsankündigungen in eine Phase, in der Friedensverhandlungen nach Angaben aus dem Umfeld der Kontaktaufnahmen stockten und später wieder Fahrt aufgenommen haben. Parallel dazu rückt in der Kommunikation der ukrainischen Führung der operative Druck auf die Infrastruktur in den Fokus: Berichten zufolge wird weiterhin in die Stromversorgung und andere kritische Systeme eingewirkt, während das Land auf den fünften Winter des großflächigen Krieges zusteuert. Vor diesem Hintergrund wird auch aus Kiew betont, dass Sicherheitszusagen nach Kriegsende belastbar, nicht nur „theoretisch“ sein müssen. Für europäische Entscheider bedeutet das: Die Übung in Polen ist weniger ein Symbolakt als eine konkrete organisatorische Vorbereitung, um Übergangsphasen zu überbrücken, in denen politische Aussagen, Truppenbewegungen und technische Einsatzplanung gleichzeitig synchronisiert werden müssen.
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