FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Europa steht vor der Herausforderung, seine Industrie gegen unfaire Handelspraktiken Chinas zu schützen. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher betont die Notwendigkeit, alternative Lieferquellen für Seltene Erden zu erschließen, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Gleichzeitig warnt er vor einer möglichen De-Industrialisierung Deutschlands, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird.

Europa sieht sich zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, seine Industrie vor den unlauteren Handelspraktiken Chinas zu schützen. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, hebt hervor, dass höhere Zölle eine mögliche Antwort auf Chinas Verhalten sein könnten. Doch die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen, insbesondere von Seltenen Erden, schränkt die Handlungsfreiheit der europäischen Länder ein.
Schumacher betont, dass 17 Prozent der deutschen Wertschöpfung von Seltenen Erden abhängen, die hauptsächlich aus China importiert werden. Diese Abhängigkeit macht es schwierig, sofortige Maßnahmen zu ergreifen. Gleichzeitig hat sich China von einem Abnehmer deutscher Industriegüter zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten auf dem Weltmarkt entwickelt, was die Situation weiter verkompliziert.
Die Ähnlichkeit der chinesischen Industrie mit der deutschen hat in den letzten Jahren zugenommen, während der Annäherungsprozess Chinas an die US-Industrie stagniert. Diese Entwicklung birgt die Gefahr einer De-Industrialisierung in Deutschland, da die heimische Industrie nicht mehr in der Lage ist, so viele Spitzenprodukte wie früher anzubieten. Schumacher warnt vor negativen Skaleneffekten und einer Tendenz zur Abwanderung, insbesondere in der Chemie- und Autoindustrie.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, fordert Schumacher die Politik auf, einen Mittelweg zu finden. Während De-Industrialisierung verhindert werden muss, sollte die Politik nicht versuchen, bestehende Strukturen einzufrieren. Vielmehr müsse schöpferische Zerstörung zugelassen werden, um Platz für Innovationen zu schaffen. Europa müsse zudem alternative Lieferquellen für Seltene Erden erschließen, sei es durch Recycling oder den Einsatz alternativer Materialien.
Ein Beispiel für Innovation ist BMW, das angekündigt hat, dass ihr neuer Elektromotor ohne Seltene Erden auskommt. Solche Entwicklungen könnten nicht nur die Abhängigkeit von China verringern, sondern auch die Energiewende vorantreiben und zu niedrigeren Strompreisen führen. Die Zukunft der europäischen Industrie hängt davon ab, wie schnell und effektiv diese Herausforderungen angegangen werden.
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