LONDON (IT BOLTWISE) – Eine internationale retrospektive Studie kommt zu dem Ergebnis, dass FDG-PET einen Knochenmarksbefall bei Rhabdomyosarkom ähnlich zuverlässig erkennt wie die bisherige Knochenmarkpunktion. Aus den ausgewerteten Daten von mehr als 300 Patientinnen und Patienten ergibt sich, dass die schmerzhafte Gewebeentnahme bei vielen Kindern und Jugendlichen künftig entfallen könnte. Gleichzeitig empfehlen die Autorinnen und Autoren bei auffälligen FDG-PET-Befunden eine ergänzende Abklärung, etwa per Knochenmarksprobe oder MRT. Damit rückt eine bildgebungsbasierte Diagnostik stärker in den Mittelpunkt der Therapieplanung.

FDG-PET statt Knochenmarkpunktion: Studie zu Rhabdomyosarkom bei Kindern
FDG-PET statt Knochenmarkpunktion: Studie zu Rhabdomyosarkom bei Kindern (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diagnose beim Rhabdomyosarkom hängt in der frühen Therapiephase oft an einer Frage, die für betroffene Kinder und Familien besonders belastend ist: Befindet sich der Tumor bereits im Knochenmark? Bisher gilt die Knochenmarkpunktion als Referenz, weil sie direkt Gewebe am mutmaßlich relevanten Ort entnimmt. Genau dieser Vorteil wird jedoch durch die Praxis relativiert: Die Probe liefert nur zur Punktionsstelle eine Aussage, außerdem ist der Eingriff schmerzhaft und bringt zusätzliche Belastungen für junge Patientinnen und Patienten mit sich. Die aktuelle Datenlage setzt deshalb an einem zentralen Problem an – dem Bedarf nach einer belastungsärmeren Methode, die den Knochenmarkbefall dennoch zuverlässig erkennt.

Im Kern untersucht die Studie, ob ein Verfahren aus der Nuklearmedizin die bisherige Abfolge verbessern kann. Konkret geht es um die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit 2-[18F]FDG, kurz FDG-PET: Dabei erhalten Patientinnen und Patienten schwach radioaktiv markierte Zuckermoleküle, die Krebszellen aufgrund ihres erhöhten Energiebedarfs stärker anreichern als gesundes Gewebe. Ein PET-Scanner misst dann diese Anreicherung und macht sie bildlich sichtbar. Für die Betroffenen ist dabei laut Bericht die Strahlenbelastung in der Untersuchungskonzeption als sehr gering eingeordnet – im Vergleich zur invasiven Gewebeentnahme geht es also weniger um eine Entweder-oder-Entscheidung als um die Frage, ob Bildgebung den gleichen diagnostischen Nutzen liefern kann.

Für die Auswertung werteten Forschende Daten von mehr als 300 Menschen mit Rhabdomyosarkom aus; die Hälfte war zwischen einem und zehn Jahren alt. Bei allen Teilnehmenden wurde vor Beginn einer Chemotherapie oder eines chirurgischen Eingriffs sowohl die übliche Probenentnahme des Knochenmarks als auch eine FDG-PET-Bildgebung durchgeführt. Die Ergebnisse ordnen das Verhältnis beider Verfahren klar ein: Drei Viertel der untersuchten Patientinnen und Patienten hatten keinen Knochenmarksbefall. Bei dem verbleibenden Viertel stimmten Probenentnahme und FDG-PET-Bildgebung in rund 70 Prozent der Fälle darin überein, dass ein Befall vorlag. In weiteren 30 Prozent zeigten sich positive Befunde nur in der FDG-PET-Bildgebung, während das Standardverfahren allein in genau einem einzigen Fall den korrekten positiven Befund lieferte, der im PET nicht erkannt wurde.

Damit verschiebt sich der klinische Schwerpunkt in Richtung einer stufenweisen Diagnostik. Die Autorinnen und Autoren ziehen aus den Daten den Schluss, dass FDG-PET beim Rhabdomyosarkom einen Knochenmarksbefall genauso gut erkennen könne wie die Probenentnahme. Gleichzeitig bleibt die Empfehlung differenziert: FDG-PET soll künftig als erster Schritt dienen. Wenn die PET-Bildgebung keine Metastasen im Knochenmark zeigt, könne demnach auf die Knochenmarksproben verzichtet werden. Zeigt die PET dagegen einen auffälligen Befund, empfehlen die Forschenden dennoch eine Bestätigung – entweder durch eine erneute Probenentnahme im Knochenmark oder durch eine Magnetresonanztomographie (MRT). Der Grund dafür ist technisch und inhaltlich zugleich: FDG-PET kann zwar einen tatsächlichen Befall sehr wahrscheinlich machen, positive Signale können aber auch durch andere Ursachen entstehen, etwa durch Verletzungen oder Entzündungen.

Aus medizinischer Perspektive ist diese Logik besonders relevant, weil sie die diagnostische Aussagekraft in zwei Ebenen aufteilt: Erstens wird eine möglichst schonende Vorauswahl getroffen, die bei einem großen Teil der Patientinnen und Patienten den invasiven Eingriff erspart. Zweitens wird bei unklar positiven Befunden eine zweite Methode eingesetzt, die die Gewebestrukturen näher charakterisiert und so Fehldiagnosen reduzieren soll. Historisch war der Weg in der Pädiatrie oft von invasiven „Goldstandard“-Verfahren hin zu mehrstufigen Bildgebungs- und Entscheidungsalgorithmen geprägt, weil Bildgebung in den letzten Jahren technologisch präziser wurde und sich in klinische Workflows integrieren ließ. Genau diese Entwicklung spiegelt sich hier wider: PET übernimmt den ersten Filter, MRT oder gezielte Proben sichern die finale Entscheidung ab.

Für den Markt und die Praxis bedeutet das vor allem eines: Diagnostische Pfade werden stärker planbar, und Ressourcen in der Bildgebung gewinnen an strategischer Bedeutung. PET-Scanner und Radiologie-Teams rücken dadurch näher an die onkologische Therapieplanung heran, während die Zahl invasiver Prozeduren sinken kann, zumindest in den Fällen, in denen die FDG-PET negativ ausfällt. Gleichzeitig bleibt die Perspektive für Kliniken anspruchsvoll, weil die Implementierung einer neuen Sequenz nicht bei der Anschaffung endet: Entscheidend sind standardisierte Kriterien für „FDG-avid“/auffällige Muster, definierte Trigger für die nachgelagerte Abklärung und eine saubere Dokumentation, damit die Entscheidungskette im Alltag reproduzierbar bleibt. Die Studie ist in der Fachpublikation Journal of Clinical Oncology veröffentlicht und trägt den Titel „Omitting Bone Marrow Sampling in FDG-Avid Rhabdomyosarcoma With 2-[18F]FDG PET-Negative Marrow: Results From an International Retrospective Study“ (J Clin Oncol. 2026 August; DOI: https: //doi.org/10.1200/JCO-25-03080), wodurch die Ergebnisse für Kliniken in der Regel früh mit Studienprotokollen und Auswertungslogik abgeglichen werden können.


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