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LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Leitzins nach der Septembererhöhung unverändert. Die Spanne liegt weiter bei 3,75 bis 4,00 Prozent, während die Inflation vom Fed-Ziel wegzulaufen scheint. Damit rückt die Entscheidung im Dezember in den Fokus, zumal Warsh die Vorab-Steuerung über Forward Guidance nur eingeschränkt nutzt. Für Märkte und Sparer wird die Datenlage bis zum 9. Dezember zum entscheidenden Taktgeber.

Fed pausiert nach September-Anhebung: Was Anleger im Dezember erwartet
Fed pausiert nach September-Anhebung: Was Anleger im Dezember erwartet (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Federal Reserve bleibt nach ihrer Septembererhöhung vorerst auf Kurs – und setzt damit vor allem auf Zeit, nicht auf einen weiteren Zinsschritt. In der vierten Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh bestätigte der Offenmarktausschuss (FOMC) den Status quo: Der Leitzins steht weiterhin in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Dass dies ausgerechnet im Anschluss an die erste Zinserhöhung seit 2023 geschah, macht den Charakter der Entscheidung deutlich: Die Fed wechselt nicht den Pfad, sondern testet die Wirkung des bisherigen Straffungsniveaus, während sie den Inflationsdaten hinterherläuft. Am Terminmarkt war eine weitere Anhebung am Dienstag zwar noch möglich, sie spielte aber mit nur rund zehn Prozent Wahrscheinlichkeit kaum noch die Hauptrolle.

Technisch und geldpolitisch ist die Pause mehr als ein “Abwarten” im Bauchgefühl. Sie folgt einem Muster, bei dem die Zentralbanker zwar ein Zielbild im Blick haben, aber die Übertragungsmechanismen der Zinsänderungen mit zeitlicher Verzögerung wirken. Im September hatte der FOMC den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben – einstimmig – und damit den Druck Richtung “höher für länger” erhöht. Vor dieser Sitzung galt der Oktober-Schritt jedoch als weitgehend eingepreist; zudem deuteten Stimmen aus der Führungsebene auf weniger Dringlichkeit hin. Die Erwartungen wurden dadurch umso stärker auf den nächsten möglichen Termin verlagert: Konkret auf die Sitzung am 9. Dezember, bei der die Fed auch neue Projektionen vorlegt.

Für die Lagebewertung ist der Inflationsverlauf der harte Gegenpol zur erhofften Beruhigung. Die Verbraucherpreise stiegen im September laut US-Arbeitsministerium im Jahresvergleich um 3,7 Prozent nach 3,4 Prozent im August; im Monatsvergleich legten sie um 0,6 Prozent zu. Besonders wichtig: Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel kletterte von 2,4 auf 2,6 Prozent und damit über die Erwartungen. Damit entfernt sich das Inflationsniveau weiter vom Fed-Ziel von zwei Prozent. Ein wesentlicher Treiber bleibt dabei Energie; Benzin verteuerte sich im September um gut neun Prozent und erklärte damit mehr als die Hälfte des monatlichen Preisanstiegs. Auf Jahresfrist liegt der Benzinpreis rund ein Drittel höher – ein Hintergrund, der unter anderem mit gestiegenen Ölpreisen infolge des Iran-Kriegs zusammenhängt.

Warsh setzt derweil auf eine Messlatte, die weniger Raum für Interpretationsspiele lässt. Beim Notenbanktreffen in Jackson Hole hatte er im August formuliert: „Wir müssen davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit unserem Ziel annähert. Andernfalls haben wir noch einiges zu tun.“ Wenige Wochen später folgte die Septemberanhebung – und dann die Pause im Oktober. Gleichzeitig bricht Warsh mit einer in der US-Zinsdiskussion etablierten Praxis: Er lehnt die sogenannte Forward Guidance, also Vorabsignale zum künftigen Zinspfad, weitgehend ab. Für Anleger bedeutet das eine andere Risikostruktur: Nicht die vorab kommunizierte Richtung ist das zentrale Signal, sondern jede neue Datenrunde und jede Einordnung in der Pressekonferenz, wodurch Überraschungen wahrscheinlicher werden.

Genau deshalb richten sich die Blicke jetzt auf den Dezemberpfad, und die Erwartungen sind bereits stark verschoben. Am Terminmarkt war eine Anhebung am 9. Dezember mit mehr als 80 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist. Noch deutlicher fällt das Bild in einer Reuters-Umfrage aus: 100 von 100 befragten Ökonomen rechnen mit einem Zinsschritt im Dezember; knapp 60 Prozent sehen den Leitzins im Hochpunkt bei 4,00 bis 4,25 Prozent. Manche Fachleute halten diese Einschätzung jedoch für zu optimistisch; als Risiko wird eine Fed beschrieben, die am Ende stärker anheben müsse als derzeit gedacht. Spannungsfelder entstehen dabei auch aus der Messlogik: In den Umfragewerten zufolge dürfte der von der Fed bevorzugte Preisindex PCE erst 2028 wieder das Inflationsziel erreichen. Entsprechend reagierte der Anleihemarkt bereits empfindlich: Renditen länger laufender US-Staatsanleihen stiegen am 7. Oktober auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten, gaben aber rund 25 Basispunkte nach, als die Wahrscheinlichkeit einer Oktoberanhebung geringer wurde.

Für Sparer und Unternehmen ist die entscheidende Frage weniger “Pause oder nicht”, sondern welche Kette aus Daten, Projektionen und Markterwartungen bis zum Dezember entsteht. Kurzfristig dürften Konditionen für Tagesgeld und Festgeld durch die Zinspause nur begrenzt beeinflusst werden. Wenn die Fed später tatsächlich anhebt, könnten sich Einlagenzinsen allerdings spürbar verändern – allerdings nicht zeitgleich überall, weil Banken ihre Refinanzierung und Risikoaufschläge unterschiedlich kalkulieren. Für deutsche Sparer bleibt zusätzlich die EZB der relevante zweite Taktgeber: Der EZB-Rat hat zuletzt die Zinswende ebenfalls fortgesetzt und am 10. September die drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte erhöht; der Einlagensatz liegt seitdem bei 2,50 Prozent. Die EZB begründete die Schritte unter anderem mit anhaltendem Inflationsdruck im Zuge des Konflikts im Nahen Osten und erwartete für 2026 eine durchschnittliche Inflation von 3,0 Prozent im Euroraum. In den Marktpreisen gilt eine Pause im Oktober als wahrscheinlich, während bei der Fed die Sitzung am 9. Dezember die Zäsur ist.

Brisant ist der Zeitpunkt auch politisch: Am 3. November wählen die USA ihren Kongress neu. In einem Umfeld, in dem US-Präsident Donald Trump seit Langem niedrigere Zinsen fordert, bleibt für die Geldpolitik die institutionelle Trennung zentral – über den geldpolitischen Kurs entscheidet das gesamte FOMC. Für die Wirtschaft ist damit vor allem die Frage relevant, wie stark der Inflationsdruck durch Faktoren wie Zölle, den Bau von Rechenzentren für KI und eine kräftige Nachfrage etwa bei Reisen getragen wird. Höhere Zinsen können die Nachfrage über teurere Kredite dämpfen, sie entfernen aber nicht unmittelbar eine Preisschub-Ursache, die vom Energie- oder Ölmarkt ausgeht. Damit wird der Balanceakt für die Fed konkreter: Preisstabilität sichern, ohne den Arbeitsmarkt unnötig zu belasten. Bis zum nächsten Fed-Schritt liefern deshalb die Inflations- und Arbeitsmarktdaten für Oktober den unmittelbaren Ausschlag, ob Warsh und sein Team in Richtung Dezember-Kommunikation “härter” oder “vorsichtiger” ausrichten.

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