LAS VEGAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Blase-Saison bei Getränken scheint sich zu schließen: Statt Seltzer und anderen kohlensäurehaltigen Varianten gewinnen zunehmend stillere Produkte an Aufmerksamkeit. Analysten verorten den Umschwung vor allem bei Generation Z, die eher „throat-friendly“ Alternativen wie Tee-basierte Drinks wählt. Gleichzeitig zeigen Kennzahlen, dass sich Wachstumspfade verschieben – von Hard-Seltzern hin zu Ready-to-Drink-Cocktails und fizzfreien Energydrinks. Für Unternehmen wird damit die Frage nach Verpackung, Rezeptur und Positionierung neu dringlich.

Die Seltzer-Welle verliert spürbar an Dynamik – und genau in dieses Zeitfenster drängen Hersteller mit stillen Getränken, die bewusst ohne Kohlensäure auskommen. Der Wandel ist nicht nur ein Geschmacksphänomen, sondern spiegelt eine breitere Konsumverschiebung wider: Wenn Aufmerksamkeit von „Fizz“ zu „Feel-good“-Erlebnissen wandert, treffen Produktentwicklung, Regalplatzierung und Verpackungslogik aufeinander. Branchenstimmen ordnen den Trend vor allem einer jüngeren Zielgruppe zu, die Getränke heute stärker nach Funktionalität und Verträglichkeit auswählt. Entscheidend ist dabei weniger, dass Sprudel verschwindet, sondern dass die Wachstumsraten zunehmend an fizzfreie Angebote gekoppelt sind.
Technisch betrachtet ist die Herausforderung für „Still im Getränkekarton“ weniger die Rezeptur als die Stabilität im Gebinde. Während kohlensäurehaltige Getränke ihren Druck und die Formstabilität im Wesentlichen über die gelöste Kohlensäure „mitbringen“, benötigen nicht-kohlensäurehaltige Getränke in Dosen eine andere Balance. Stillwasser oder ähnliche Basen können im Getränkedosen-Umfeld ohne Gegenmaßnahme kollabieren, weil kein ausreichender Innendruck die Struktur erhält. Branchenunternehmen setzen hier auf schnelle Gaszugaben und Prozesskontrollen, damit sich der Behälter nicht verformt, bevor das Produkt beim Handel und beim Endkunden ankommt. Genau diese Herstellbarkeit in der Dose hat den Markt überhaupt erst in Richtung fizzfrei skaliert.
Der Markt liefert dafür inzwischen robuste Beispiele. In der Kategorie der alkoholischen Getränke berichten Marktdaten von rückläufigen Mengen bei maltbasierten Hard-Seltzern, während Ready-to-Drink-Cocktails deutlich zulegen. Besonders sichtbar sind Marken, die auf Tee- oder Mix-Profile setzen und damit eine andere Sensorik in den Mittelpunkt rücken. Surfside etwa hat als Hard-Iced-Tea-Produkt in kurzer Zeit eine starke Position aufgebaut, während weitere Akteure wie Cutwater und BeatBox ebenfalls steigenden Zuspruch verzeichnen. Dabei ist nicht nur die Produktidee wichtig, sondern auch die Vertriebskraft: Wenn große Player Reichweite aufbauen, wird die „Alternative“ vom Nischenprodukt schneller zur Routinelösung.
Ein weiterer Treiber liegt in der Art, wie Generation Z Konsumentscheidungen trifft. In Analysen wird beschrieben, dass jüngere Verbraucher deutlich offener für Wechsel sind und nach dem „nächsten“ Getränk greifen, statt langfristig bei einer bestimmten Sorte zu bleiben. Dadurch können neue Profile wie tee- oder sportgetränk-inspirierte Mixer schneller Marktanteile gewinnen. Gleichzeitig wird aus der Branche berichtet, dass Gen Z beim „Happy Hour“-Konzept stärker auf Tee-basierte Getränke setzt und Kohlensäure nicht automatisch als gesünder oder erwünschter bewertet. Experten verweisen zudem auf vermeintliche Unverträglichkeiten: Für manche führt Kohlensäure zu Blähgefühl oder Aufstoßen, und bei häufiger Aufnahme wird außerdem die Belastung von Zahnschmelz als Argument gegen hochfrequenten Sprudel angeführt.
Historisch betrachtet kommt der Trend nicht aus dem Nichts: Vor rund einem Jahrzehnt trieb bereits die Seltzer-Erfolgsgeschichte die ganze Kategorie in den Mainstream, von Kühlregalen bis hin zu Spirituosentheken. Davor hatten ähnliche Wellen in unterschiedlichen Ausprägungen stattgefunden – etwa rund um „bessere“ Wasser- und Teevarianten oder funktionale Drinks mit klarer Benefit-Erzählung. Jetzt wiederholt sich das Prinzip nur in entgegengesetzter Richtung: Nicht die Kohlensäure ist das Versprechen, sondern die Konsumerfahrung ohne „Biss“. Gerade in der funktionalen Getränkewelt wird das sichtbar, weil Marketing und Verpackungsdesign bewusst die fizzfreie Eigenschaft hervorheben, statt sich allein auf Aromatik oder Nährwertversprechen zu stützen.
Dass fizzfrei bei gleichzeitig wachsender Markenkompetenz funktionieren kann, zeigen auch Energydrinks. PepsiCos sowie die Energie-Player-Realität bleibt gemischt: Kohlensäurehaltige Produkte wachsen weiterhin, doch es gibt klar erkennbare Verschiebungen. Celsius hat beispielsweise die non-carbonated Linie erweitert und begründet dies mit dem Wunsch nach „glatterem“ Trinkgefühl und einem besseren Zusammenspiel mit Mahlzeiten. In Gesprächen mit Unternehmensvertretern wird betont, dass Verbraucher bei funktionalen Getränken nicht nur einen Benefit erwarten, sondern vor allem auch eine überzeugende Geschmacks- und Trinkexperience. Wenn nahezu 40% der Konsumentinnen und Konsumenten ihre Energydrinks gemeinsam mit einer Mahlzeit nutzen, ist die Sensorik ohne Kohlensäure strategisch deutlich weniger „Nebenkriegsschauplatz“.
Damit wird auch klar, warum Verpackung aktuell zum Wettbewerbsvorteil wird. Aluminiumdosen waren lange vor allem mit karbonisierten Kategorien assoziiert, doch inzwischen werden sie gezielt genutzt, um fizzfreie Getränke „konsumierbar“ und visuell vertraut zu machen. Ein wichtiger Hebel ist dabei die Akzeptanz am Point of Sale: Wenn Dosen kalt wirken und an vergangene Trendgetränke erinnern, sinkt die psychologische Schwelle beim Probieren. Branchenwissen verweist zudem darauf, dass Dosen in der Herstellung oft günstiger sind als Glasflaschen und gleichzeitig als nachhaltigere Alternative im Plastikvergleich positioniert werden können. Für die Lieferkette bedeutet das: Nicht nur Rezepturen, auch Abfüll- und Logistikprozesse müssen für fizzfreie Varianten effizient skaliert sein.
Wettbewerbsseitig wird der Druck auf etablierte Marken spürbar. Surfside bleibt zwar stark, doch neue Gegenangebote wie Sun Cruiser zeigen, dass auch Big Brands in den Trend investieren und damit die Sichtbarkeit fizzfreier Drinks in den Regalen erhöhen. Ähnlich relevant ist der Zeitpunkt: Wer früh in ein Muster investiert, profitiert von der Lernkurve bei Konsumenten und Händlern. In der Praxis konkurrieren Produkte dabei nicht nur um Geschmack, sondern um „share of throat“, also die gefühlte Portion Komfort bei wiederholtem Konsum. Experten ordnen die Gen-Z-getriebene Dynamik als Wechsel von „Standardisierung über Seltzer“ hin zu „Optionen ohne Blasen“, was wiederum Innovationsthemen wie Mixer, Teeauswahl und funktionale Claims beschleunigt.
Für die Zukunft lässt sich daraus vor allem eine organisatorische Konsequenz ableiten: Produktteams müssen schneller experimentieren, ohne die Qualitäts- und Stabilitätsanforderungen fizzfreier Dosen zu riskieren. Gleichzeitig werden Vermarktungsstrategien stärker entlang von Nutzungsszenarien gebaut, etwa „zum Essen“, „nach dem Sport“ oder „als Alternative im Büroalltag“. Unternehmen, die bereits heute auf schnelle Prozessführungen, klare Ingredient-Storys und konsistente Sensorik setzen, können die nächste Welle besser abfangen. Entwicklerinnen und Entwickler profitieren davon, dass Daten aus Produktion, Haltbarkeit und Verbraucherfeedback künftig engere Schleifen bilden müssen – denn wenn sich die Präferenzbasis verschiebt, entscheidet die Ausführungsqualität über die Skalierung.
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