LONDON (IT BOLTWISE) – In einem aktuellen Fondsrating-Update hat sich die Stimmung an den Kapitalmärkten zwar beruhigt, aber nicht überall ausgezahlt. Während 292 Fonds ihre Bewertung verbessern konnten, rutschten 369 Produkte ab. Besonders auffällig: Ein defensiver globaler Mischfonds erreicht wieder die Top-Note, getragen von starker Performance in den letzten zwölf Monaten. Gleichzeitig zeigt das Ranking bei Aktien- und Renten-Peergroups, wie schnell sich Gewinner- und Verliererrollen im Zuge der Markterholung verschieben.

Fondsrating-Update Mai: Breite Aktienmarkterholung hilft ausgewählten Mischfonds
Fondsrating-Update Mai: Breite Aktienmarkterholung hilft ausgewählten Mischfonds (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Mai bringt im Fondsuniversum eine Botschaft, die Anleger selten gern hören: Selbst wenn sich der Aktienmarkt erholt, bleibt die Wirkung auf einzelne Produkte höchst unterschiedlich. In einem Update wurden die Ratings von fast 7.300 Fonds überarbeitet. 292 Produkte konnten sich verbessern, während 369 Fonds eine abwärtsgerichtete Neubewertung erhielten. Die Daten zeichnen damit weniger ein Bild eines stabilen, gleichmäßig freundlichen Umfelds, sondern eher eine Phase selektiver Anpassungen, in der Risiko- und Ertragsprofile auseinanderlaufen. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Mechanik hinter den Bewertungen – und auf die Marktkräfte, die sie zuletzt verschoben haben.

Technisch betrachtet ist ein Fondsrating selten nur ein “Stimmungsbarometer”. Ratingagenturen gewichten typischerweise Faktoren wie Renditeverlauf, Volatilität, Drawdown-Risiken, sowie die Konsistenz über mehrere Zeitfenster. In der Praxis bedeutet das: Ein Portfolio muss nicht nur in einem bestimmten Monat überzeugen, sondern über rollierende Perioden hinweg eine belastbare Risikoadjustierung liefern. Beim PrivatFonds: Kontrolliert etwa zeigt sich, wie stark das jüngste Performance-Profil in die Bewertung einwirkt. Der konservative globale Mischfonds erhielt im Sommer 2023 noch die Note D, bevor sich die Punktzahl nahezu durchgehend nach oben entwickelte – bis zur Höchstnote. Treiber war vor allem die Entwicklung der letzten zwölf Monate mit +11,9% auf Anteilswertbasis.

Damit verbunden ist die Frage, wie ein defensiver Mischfonds diese Rendite liefern kann, ohne seine Risikostruktur zu vernachlässigen. Laut Darstellung steckt im Fondsvermögen eine breite Mischung aus Aktien, Anleihen (einschließlich High Yield), Geldmarktinstrumenten, Rohstoffen und Währungen. Der Aktienanteil liegt im Regelfall zwischen fünf und 45 Prozent, aktuell jedoch am oberen Ende der Spanne. Das ist bemerkenswert, weil Mischfonds in “Defensiv”-Rollen häufig konservativer gewichtet sind. Die technische Vergleichbarkeit entsteht hier dadurch, dass die Manager nicht ausschließlich von Aktienrenditen abhängen, sondern Ertragsquellen über Zins- und Kreditkomponenten sowie alternative Risikoprämien ergänzen. Für Enterprise-Anleger ist das zugleich ein Hinweis auf die Bedeutung von Mandatsdisziplin: Eine tolerierte Bandbreite kann in günstigen Marktphasen zur Beschleunigung der Ergebnisbeiträge führen.

Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung mehrjähriger Konsistenz liefert der MSIF Global Fixed Income Opps Fund. Seine Rating-Historie ist über fünf Jahre hinweg besonders stabil: Über lange Zeit trug er Top-Ratings in der Bandbreite A oder B. Nach einer Phase, in der er in den letzten zwölf Monaten mit B bewertet wurde, ist er wieder auf Spitzenniveau zurückgekehrt. Der Portfolioaufbau kombiniert Unternehmensanleihen aus Investment Grade und High Yield, forderungsbesicherte Wertpapiere (MBS, ABS) sowie Staatsanleihen. Auffällig ist außerdem der hohe Anteil USD-nominierter Positionen. Das führt in der Realität häufig zu einer zusätzlichen Risikodimension über den Währungshebel: In einem Umfeld, in dem die Refinanzierung und die Renditekurven in USD unterschiedlich reagieren, kann das die Renditelücke zur Peergroup erklären.

Gerade hier zeigt sich der Markt- und Wettbewerbsaspekt: Euro-basierte Anleger mit gemischten globalen Rentenfonds hätten über fünf Jahre im Mittel nahezu keinen Gewinn erzielt, während das Morgan-Stanley-Produkt einen Zuwachs von knapp drei Prozent pro Jahr verzeichnete. Gleichzeitig sei eine höhere Volatilität und Zwischenverluste hinzunehmen gewesen. Das ist ein klassisches Spannungsfeld, das auch in anderen Rating- und Analyseansätzen auftaucht: Neben der Gesamtperformance zählt, wie “ruhig” der Weg dorthin war. Wenn Wettbewerber wie Morningstar ähnliche Datensätze und Risiko-Metriken heranziehen, wird häufig der gleiche Punkt deutlich: Starke absolute Renditen können in schwächeren Phasen zu einem schlechteren risikoadjustierten Profil führen, selbst wenn die Endwerte überzeugen. Für institutionelle Entscheider ist das daher weniger eine Frage von “Top oder Flop”, sondern von Risikobudget und Haltedauer.

Auch die Bewertungsrotation im Aktienbereich folgt im Mai einem Muster, das man in vielen Marktzyklen wiedererkennt: Erst scharfe Rücksetzer, dann schnelle Erholungen, vor allem dort, wo der Markt zuvor “risk-on” zu schnell abgewertet hat. Nach einem katastrophalen März folgte im April eine rasche Rebound-Phase mit teils zweistelligen Zugewinnen bei den renditestärksten Peergroups. Spitzenreiter waren Fonds für globale Tech-Werte, zudem lief es gut für Aktienfonds mit Fokus auf Asien. Als kontextueller Hintergrund wird genannt, dass der März unter Engpässen bei der Ölversorgung litt, ausgelöst durch den Iran-Krieg. Wenn Energieschocks im März zu Margendruck oder Nachfrageverschiebungen führen, normalisieren sich die Erwartungen in Folgequartalen häufig, was sich dann in Tech- und Wachstumswerten besonders schnell widerspiegelt.

Bemerkenswert ist zudem das gute Abschneiden der Aktien-Kategorien Alternative Energien und Ökologie Welt. Branchenbeobachter führen das plausibel auf eine wiederbelebte Diskussion über den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zurück. Damit wird eine Verbindung zwischen Makroerzählungen und Portfoliopositionierung sichtbar: Fonds, die in diesem Segment stärker investiert sind, profitieren nicht nur von kurzfristigen Zins- oder Wachstumsnarrativen, sondern auch von politischen und technologischen Erwartungskurven. Umgekehrt spiegelt sich die Verliererseite im April im Vergleich zum März: US-Dollar-fokussierte Renten-Peergroups, die im März noch zu den besten Gruppen zählten, tauchten nun unter den schwächsten Performern auf. Das unterstreicht, wie stark Währung und Zinsdynamik die “Rentenillusion” überlagern können.

Bei der Einordnung des konkreten Einzelfalls hilft schließlich der Blick auf den Ninety One GSF Global Franchise. Dessen Rating-Punktzahl war von Anfang 2023 bis März 2025 kontinuierlich gefallen und erhielt im März 2025 ein D-Rating. Auffällig war zunächst, dass die Bewertung anschließend wieder stieg, doch seit drei Monaten ist die Erholung beendet: Nach der jüngsten Aktualisierung trägt der Fonds erneut ein D. Der Ansatz investiert vornehmlich in Aktien von Unternehmen mit hoher Qualitätsversprechen, häufig verbunden mit weltweit vertretenen Marken oder Franchise-Logiken. Inhaltlich ist das ein plausibles Investmentkonzept – die historische Umsetzung brachte jedoch in den vergangenen Jahren nicht die erhofften Zugewinne: Innerhalb von drei Jahren lag das jährliche Plus bei 6,7%, während die Peergroup Aktien Welt auf 12,4% p.a. kam. Für Anleger heißt das: Qualitätsdiskurse ersetzen keine Performance-Daten, und ein Franchise-Ansatz muss sich in der konkreten Marktphase “übersetzen” lassen.

Aus regulatorischer und prozessualer Perspektive bleibt das Thema Fondsrating besonders relevant, weil Bewertungen häufig als Orientierung im Risikomanagement dienen, jedoch nicht die individuelle Geeignetheit ersetzen. In der EU regeln PRIIPs und entsprechende Informationspflichten, wie Fonds dokumentiert werden müssen; in der Praxis werden Kennzahlen und Risikohinweise in den Basisdokumenten (etwa KID bzw. KIID) zusammengeführt. Für Unternehmen und Berater ist entscheidend, dass sie Ratings mit eigener Due-Diligence abgleichen: Welche Benchmark-Risiken bestehen? Wie wird Liquidität gemanagt? Und wie wirkt sich das Währungsprofil auf die Portfoliowirkung aus? Genau hier entstehen Bewertungsunterschiede zwischen reinen Performance-Scorings und ganzheitlichen Risikoprüfungen.

Der Ausblick zeigt deshalb zwei gleichzeitige Lernpunkte: Erstens, die Markterholung ist real, aber sie verteilt sich ungleich auf Sektoren und Strategien. Zweitens, die Bewertungslogik reagiert auf mehrere Zeitachsen – kurzfristige Performance kann ein Rating heben, doch nachhaltige Konsistenz entscheidet, ob der Effekt bleibt. Für Produktteams und Portfolioverwalter bedeutet das, dass sie stärker in die Transparenz der Risikoquellen investieren müssen: Aktienquote im Band, Kreditrisiko in High Yield, Währungsfaktoren bei USD-Dominanz und die Sensitivität gegenüber Energie- und Makroschocks. Wenn im nächsten Quartal weitere Daten zur Wachstums- und Energieentwicklung vorliegen, wird sich erneut zeigen, ob Gewinnergruppen ihre Stellung behaupten oder ob die nächste Rotation den Bewertungsdruck wieder erhöht.


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