LONDON (IT BOLTWISE) – In Forminator Forms wurde eine kritisch bewertete Lücke (CVE-2026-15748, CVSS 9,8/10) entdeckt, die unauthentifizierten Angreifern das Hochladen von Dateien bis hin zu ausführbarem PHP ermöglichen kann. Die Schwachstelle betrifft alle Versionen bis einschließlich 1.56.1 und ist mit 1.56.2 seit dem 31. Juli 2026 geschlossen. Zusätzlich zeigt ein zweites Problem (CVE-2026-15826, CVSS 9,8/10) im Plugin User Profile Builder, wie sich die automatische Anmeldung für User-ID 1 missbrauchen lässt. Betroffene sollten beide Plugins zeitnah aktualisieren und die Einstellungen ihrer Formulare sowie Login-Optionen prüfen.

Für Betreiber von WordPress-Seiten wird es in diesen Tagen besonders ungemütlich: Gleich zwei kritische Schwachstellen in beliebten Plugins zielen auf Grundfesten moderner Webanwendungen—Datei-Handling und Authentifizierung. Den Ausgangspunkt bildet Forminator Forms, ein Plugin mit mehr als 600.000 aktiven Installationen, für das eine Sicherheitslücke mit der Kennung CVE-2026-15748 veröffentlicht wurde. Laut CVSS-Bewertung erreicht das Problem 9,8 von 10,0 und kann auf anfälligen Systemen zu arbiträrer Dateiupload-Logik führen, inklusive der Möglichkeit, schädliche PHP-Dateien nachzuladen und damit eine vollständige Übernahme der betroffenen Site zu ermöglichen.
Technisch sitzt der Kernfehler in der Upload-Routine handle_file_upload(). Der entscheidende Punkt ist nicht nur, dass es um die Validierung von Dateitypen geht, sondern wie diese Validierung implementiert wurde: Die blocklist für gefährliche Dateiendungen arbeitet mit einem exakten Schlüsselvergleich, der sich durch alternative MIME-Typ-„Schlüssel“ umgehen lässt. Gleichzeitig wird ein öffentlicher Submit-Handler ausgenutzt, der Upload-Felder so behandelt, als käme die Konfiguration vertrauenswürdig vom System – tatsächlich kann sie jedoch über einen gefälschten Select-Wert so manipuliert werden, dass das Plugin den Upload in einer gefährlichen Konfiguration akzeptiert.
Damit ein Angriff wirklich gelingt, braucht es mehr als nur „das Plugin ist installiert“. Nach den vorliegenden Angaben ist eine Form erforderlich, die sowohl ein File Upload-Feld als auch ein Select-Feld enthält. Erst diese Kombination ermöglicht es, die für die Umgehung relevante Logik so anzusteuern, dass der Upload-Workflow in eine Ausführung mündet, die die beabsichtigten Schutzmechanismen aushebelt. Die Auswirkung ist dann nicht hypothetisch: Ein unauthentifizierter Angreifer soll in der Lage sein, eine speziell präparierte PHP-Datei hochzuladen, remote Code auf dem Server auszuführen und anschließend die Kontrolle über die Seite zu übernehmen.
In der Praxis lohnt sich für Administratoren zudem der Blick auf eine zweite, oft unterschätzte Schutzschicht: In der Standardkonfiguration werden hochgeladene Dateien in ein Verzeichnis geschrieben, das durch eine .htaccess-Datei so abgesichert wird, dass PHP-Ausführung verhindert wird. Diese Absicherung greift jedoch nicht immer – insbesondere dann, wenn ein Administrator einen Custom File Upload Storage root eingerichtet hat. Laut Beschreibung entsteht die entscheidende.htaccess-Datei in diesem Fall erst „bei Bedarf“ im Rahmen einer Frontend-Anfrage, wobei der WordPress-Helfer, der das.htaccess-Handling übernimmt, in diesem Pfad offenbar nicht geladen wird. Das Ergebnis: Bereits das Anfordern der hochgeladenen Datei kann ausreichen, damit der Webserver den eingeschleusten PHP-Code ausführt.
Nur wenige Tage nach dieser Veröffentlichung kommt ein weiteres Alarmzeichen aus dem Bereich Authentifizierung: Im Plugin User Profile Builder wurde eine Authentifizierungsumgehung identifiziert, referenziert als CVE-2026-15826 (ebenfalls CVSS 9,8). Das Problem betrifft mehr als 40.000 aktive Installationen und erlaubt unauthentifizierten Angreifern, sich als Benutzer mit der ID 1 anzumelden – typischerweise das Administrator-Konto. Entscheidend ist dabei die Voraussetzung, dass in den Plugin-Einstellungen die Option Automatically Log In aktiviert ist; ohne diese konkrete Konfiguration soll die Lücke nicht ausnutzbar sein.
Die Ursache wird in einer spezifischen Reihenfolge von Typumwandlung und Fehlerprüfung beschrieben. Konkret ruft die Funktion wppb_log_in_user() zunächst absint() auf dem Rückgabewert von wp_insert_user() auf, bevor geprüft wird, ob der Wert ein WP_Error-Objekt ist. WordPress lehnt eine Registrierung mit einem 61- bis 70-Zeichen-Username ab und liefert dabei ein WP_Error zurück. Durch das vorzeitige coercionen wird das Fehlerobjekt jedoch zu der Ganzzahl 1 „umgebogen“, sodass der anschließende is_wp_error()-Check nicht mehr korrekt abbrechen kann. In der Folge soll das Plugin einen Autologin-Nonce zurückgeben, der mit User-ID 1 verknüpft ist – mit der Konsequenz, dass der Angreifer sich als Administrator anmelden und den kompletten Administrationszugriff erlangen kann.
Für die operative Sicherheit ergibt sich eine klare Priorisierung: Betreiber sollten Forminator Forms und User Profile Builder so schnell wie möglich aktualisieren. In den vorliegenden Angaben ist Forminator Forms mit Version 1.56.2 am 31. Juli 2026 gepatcht, während User Profile Builder mit Version 3.16.5 seit dem 16. Juli 2026 Abhilfe schafft. Daneben reicht „Update installiert“ allein oft nicht – die beschriebenen Voraussetzungen machen eine kurzfristige Verifikation sinnvoll: Existieren Formulare mit File Upload- und Select-Feldkombinationen? Ist die automatische Anmeldung im User Profile Builder aktiv? Gerade bei Webshops, Redaktionssystemen und internen Portalen, die häufig aus funktionalen Gründen genau solche Formular- und Login-Mechanismen nutzen, kann eine schnelle Prüfung die Zeit bis zur vollständigen Risikominderung deutlich verkürzen.
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