NANTERRE / LONDON (IT BOLTWISE) – Forvia Hella hält in den ersten neun Monaten trotz rückläufiger Autobranche den Umsatz stabil. Operativ sinkt das bereinigte Ergebnis um 13 Prozent, weil höhere Kosten für Elektronikbauteile und Anlaufkosten bei Lichtprojekten belasten. Gleichzeitig wächst das Elektronikgeschäft in Europa, während das Lichtgeschäft wegen der schwachen Entwicklung in China deutlich nachgibt. Für das Gesamtjahr bleibt der Konzern bei der Umsatzprognose, die operative Marge soll aber nur noch am unteren Rand der Zielspanne liegen.

Die Quartalszahlen von Forvia Hella zeigen, wie stark sich die Automobil-Lieferkette derzeit in unterschiedliche Strömungen aufspaltet: Während das Elektronikgeschäft an Fahrt gewinnt, drückt der Mix aus Kosten und Marktvolatilität auf die Gewinnmarge. In Nanterre meldet Forvia für die ersten neun Monate einen Umsatzrückgang um 2,7 Prozent auf 15,6 Milliarden Euro; im dritten Quartal steigt der Erlös dagegen um ein Prozent. Dieses Muster passt zu einem Umfeld, in dem die Produktion in Teilen wächst, insgesamt aber die Nachfrage und Preisgestaltung schwerer kalkulierbar bleiben.
Für die deutsche Tochter Forvia Hella fiel die Einschätzung insgesamt klarer aus. Der Umsatz lag in den ersten neun Monaten bei knapp 5,9 Milliarden Euro und damit nur leicht über dem Vorjahr; währungsbereinigt nahm der Erlös um ein Prozent zu. Operativ sank das bereinigte Ergebnis bis Ende September um 13 Prozent auf 294 Millionen Euro, die operative Marge ging um 0,8 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent zurück. Als Gründe nennt Hella höhere Kosten für elektronische Komponenten sowie höhere Anlaufkosten bei Lichtprojekten – beides Faktoren, die typischerweise in eine Phase fallen, in der neue Programme anlaufen, während gleichzeitig Einkaufspreise noch nicht vollständig im Preis durchschlagen.
Besonders interessant ist dabei die Aufteilung nach Geschäftsbereichen, denn sie erklärt, warum der Umsatz zwar stabil bleibt, die Ergebnisentwicklung aber nicht entsprechend mitzieht. Das Lichtgeschäft verlor spürbar, weil die schwache Entwicklung in China durchschlägt. Gleichzeitig entwickelte sich die Sparte Elektronik besser; Hella verweist auf höhere Produktionsmengen in Europa, Neuanläufe bei Radarsensoren sowie steigende Nachfrage nach Energiemanagement-Komponenten wie Spannungswandlern und Batteriesensoren. Hinzu kommt eine wachsende Bedeutung von Steuerungselektronik. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen, dass Elektronik erstmals den größten Anteil am Umsatz beiträgt.
Diese Verschiebung ist nicht nur ein strategischer Anspruch, sondern wirkt sich in der Kostenstruktur unmittelbar aus: Sensorik, Leistungselektronik und Steuerungsbausteine bringen häufig komplexere Lieferketten und stärker schwankende Material- und Logistikkosten mit sich. Gleichzeitig können neue Serienanläufe kurzfristig Kapital binden und Anlaufaufwendungen erhöhen. Hinzu kommt bei Hella ein Abfluss von Finanzmitteln von 99 Millionen Euro; im Vorjahr war der Cashflow noch positiv. Unter dem Strich profitierte das Unternehmen aber von niedrigeren Umbaukosten und erzielte nach Minderheitsanteilen rund 131 Millionen Euro Gewinn, nach etwa 102 Millionen Euro im Vorjahr.
Forvia hält derweil an der Prognose für das Gesamtjahr fest, wirkt aber beim Blick auf die operative Marge vorsichtiger. Hella peilt für 2024/2025 laut Meldung weiterhin einen währungsbereinigten Umsatz zwischen rund 7,4 und 7,9 Milliarden Euro an, geht jedoch nun von der oberen Hälfte der Bandbreite aus. Für die bereinigte operative Marge wird erwartet, dass sie nur noch das untere Ende der Zielspanne von 5,4 bis 6,0 Prozent erreicht. Der Vorstand ordnet das in einen volatilen Markt ein: „Wir agieren seit Beginn des Geschäftsjahres in einem volatilen, von hohem Wettbewerbsdruck geprägten Markt“, sagte Hella-Chef Peter Laier. „Dass wir trotz eines rückläufigen Branchenumfelds unseren Umsatz stabil halten und die Entwicklung der Fahrzeugproduktion übertreffen konnten, zeigt unsere gute strategische Ausrichtung insbesondere in der Elektronik als unserem wesentlichen Wachstumsfeld.“ Außerdem verwies Laier darauf, dass bereits Maßnahmen laufen, um zusätzliche Kostenbelastungen abzufedämpfen, und dass man eng mit Kunden im Austausch sei, um Preissteigerungen bei Elektronikbauteilen zu kompensieren.
Auch die Marktmechanik spielt in diesem Bild eine Rolle. Hella leidet wie andere Zulieferer unter der schwachen Lage der Autoindustrie; bis September ging die weltweite Pkw- und leichte Nutzfahrzeugproduktion laut Meldung um 0,7 Prozent zurück. Gleichzeitig versucht sich das Unternehmen stärker auszurichten: Elektronik und Ersatzteile sollen zulegen, während im traditionellen Scheinwerfergeschäft gespart wird. Am Börsentag verlor die Hella-Aktie am Vormittag zuletzt 1,9 Prozent; im laufenden Jahr liegt das Papier damit rund 17 Prozent im Minus. Die Beteiligungsstruktur bleibt dabei stabil – etwas mehr als 80 Prozent der Anteile gehören Forvia, der Streubesitz ist gering; dennoch bleibt Hella wegen der Marktkapitalisierung im MDAX notiert. Für Forvia-Aktionäre deutet die Meldung zumindest kurzfristig auf Entlastung im Quartalsverlauf hin: In Paris gewann die Aktie rund 1,8 Prozent.
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