MCGREGOR, TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Galaxy Digital hat für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 85 Millionen US-Dollar gemeldet, der den Kurs um rund 8 % drücken ließ. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf den Ausbau seiner KI- und Rechenzentrums-Infrastruktur, unter anderem über den Helios-Vertrag mit CoreWeave. Zusätzlich sichert sich Galaxy über besicherte Anleihen Kapital bis 2031, um die Infrastrukturpipeline weiter zu finanzieren. Parallel kündigt das Unternehmen eine strategische Zusammenarbeit mit BNY an, bei der Staking-Dienste in bestehende Verwahrstellenprozesse integriert werden sollen.

Der Markt bekommt derzeit zwei Signale gleichzeitig zu spüren: Auf der einen Seite steht ein klar ausgewiesenes Ergebnisdefizit, auf der anderen Seite eine Investitions- und Umsetzungsdynamik, die explizit auf Hochleistungsrechnen und KI-Infrastruktur abzielt. Für das am 30. Juni endende Quartal nennt Galaxy Digital einen Nettoverlust von 85 Millionen US-Dollar; das entspricht einem Verlust je Aktie von 0,09 US-Dollar. Auch das bereinigte EBITDA fällt mit minus 77 Millionen US-Dollar negativ aus. An der Börse übersetzt sich diese Belastung in unmittelbare Kursreaktionen: Das Papier wird mit 17,97 Euro geführt, ein Minus von 8,04 % gegenüber dem Vortag.
Technisch und finanziell wirkt der Kontext dazu auf den zweiten Blick stabiler, als es allein die Verlustzahl vermuten lässt. Galaxy verweist ausdrücklich auf eine robuste Liquiditätsbasis: Das Eigenkapital wird mit 2,7 Milliarden US-Dollar beziffert, während der Bestand an Barmitteln und Stablecoins zum Quartalsende bei 2,5 Milliarden US-Dollar liegt. Diese Reserve ist im Krypto-Sektor keine Nebensache, weil sie die Fähigkeit beeinflusst, Projekte durchzufinanzieren, auch wenn operative Erträge zeitlich versetzt eintreffen. Genau dafür hat das Unternehmen zudem im vergangenen Quartal Kapital eingesammelt: Es emittierte besicherte Anleihen mit Laufzeiten bis 2031 im Volumen von 3,5 Milliarden US-Dollar – mit dem Fokus auf den Ausbau von Infrastrukturprojekten, insbesondere Rechenzentren.
Die operative Agenda macht Galaxy dabei an konkreten Kapazitätsverträgen fest. Ein zentraler Bestandteil ist das Helios-Projekt: In der ersten Phase wurden 133 Megawatt IT-Last an den Cloud-Anbieter CoreWeave geliefert. Ab sofort kalkuliert Galaxy mit vierteljährlichen Leasingeinnahmen von rund 80 Millionen US-Dollar aus diesem Vertrag. Darüber hinaus nennt das Unternehmen zugesagte Gesamtkapazitäten von über 500 Megawatt über verschiedene Ausbauphasen; daraus könnten über eine Laufzeit von 15 Jahren durchschnittlich mehr als eine Milliarde US-Dollar jährlich entstehen. Im Rechenzentrumsbetrieb ist diese Art von planbarer Auslastung ein entscheidender Hebel, weil die Strom-, Kühl- und Infrastrukturkosten häufig früher anfallen als die Einnahmen aus der IT-Last.
Die Ausweitung geht dabei nicht nur über Vertragszusagen, sondern auch über Flächen und Strompipeline. Galaxy hat den Angaben zufolge am 28. Juli einen 500 Hektar großen Campus in McGregor, Texas erworben. Dort startet das Projekt zunächst mit einer Kapazität von 74 Megawatt, soll perspektivisch aber bis zu 500 Megawatt erreichen können. Zusammen mit weiteren Akquisitionen in Texas ist die gesamte Stromversorgungspipeline inzwischen auf über 5,7 Gigawatt angewachsen. Für die KI-Entwicklung ist das insofern relevant, als große Trainings- und Inferenzcluster in der Praxis oft nicht primär an Modellgrenzen scheitern, sondern an Energie- und Netzanbindung – also genau an den Engpässen, die ein solcher Ausbau adressiert.
Neben der physischen Infrastruktur stellt Galaxy auch die technische Dienstleistungsschicht für Institutionen in den Mittelpunkt. Parallel zu den Rechenzentrumsplänen kündigt das Unternehmen eine strategische Zusammenarbeit mit BNY an: Galaxy Digital soll als Designpartner die Integration von Staking-Diensten in die Plattform für digitale Vermögenswerte der Traditionsbank übernehmen. Ziel ist es, institutionellen Kunden die Teilnahme an Blockchain-Netzwerken direkt über ihre bestehende Verwahrstellenstruktur zu ermöglichen – also einen Brückenschlag zwischen klassischer Verwahrlogik und on-chain Validierung. Für das Zusammenspiel nennt Galaxy außerdem ein Datum und einen Fortschrittswert: Die Staking-Infrastruktur habe Ende März bereits ein Volumen von 3,2 Milliarden US-Dollar erreicht. Solche Kennzahlen sind zwar nicht identisch mit Umsätzen, signalisieren aber, dass der Funktionsnachweis für Integrationen bereits in Gang ist.
Gleichzeitig bleibt die Kooperation an einen wichtigen Punkt geknüpft: Sie steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Für den Unternehmenserfolg bedeutet das, dass sich Nutzen und mögliche Skalierung zeitlich verschieben können, bis die rechtliche Prüfung abgeschlossen ist. Trotzdem ordnet Galaxy die Partnerschaft als Zugang zu einem großen Vermögensverwalter ein: BNY verwaltet zum 30. Juni 2026 ein Vermögen von 62,6 Billionen US-Dollar unter Verwahrung oder Administration. Aus Marktsicht verschiebt das die Perspektive weg von „nur“ KI-Infrastruktur hin zu einem hybriden Ansatz aus Rechenleistung und Finanzdienstleistungsintegration – genau dort, wo sich bei KI-getriebenen Produktzyklen häufig neue Zahlungs-, Verwahr- und Datenflüsse ergeben.
Auch die Erwartungen am Aktienmarkt bleiben nicht rein pessimistisch. Das Unternehmen betont zwar das operative Defizit, doch Analysten sehen den Konsens weiterhin als positiv bewertet: Der durchschnittliche Konsens für das Kursziel liegt bei 39,25 US-Dollar. Gleichzeitig wächst der Abstand zum 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober vergangenen Jahres auf minus 54,40 % – ein Hinweis darauf, wie stark die Verluste und die damit verbundenen Erwartungen das Bewertungsniveau kurzfristig beeinflussen. Für Anleger und Verantwortliche in Unternehmen dürfte vor allem entscheidend sein, ob die angekündigten Leasing- und Ausbaupfade die Bilanz über die nächsten Quartale in Richtung nachhaltiger Cashflows verschieben. Das Risiko bleibt parallel bestehen, weil die Finanzierung und Skalierung in beiden Geschäftssäulen – Rechenzentren wie auch Staking-Integration – zeitkritisch und abhängig von Akzeptanz, Genehmigungen und Auslastung ist.
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