LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Research-Notiz von Galaxy Research sieht das Ende des Bitcoin-Bärenmarkts und beschreibt eine beginnende Akkumulationsphase. Als Indiz dient vor allem, dass Bitcoin die 50-Wochen-Linie nach dem Rückfall im November 2025 wieder zurückerobert und mehrere Wochen darüber geschlossen hat. Gleichzeitig verweist die Studie auf sinkende Carry-Kosten im Futures-Bereich sowie auf neue Impulse aus institutionellen Spot-ETF-Zuflüssen seit dem Juni-Tief. Offene Punkte bleiben das Risiko eines neuerlichen Bruchs der 50-Wochen-Marke sowie die makroökonomische Lage rund um US-Defizit und Renditen.

Bitcoin steht laut einer Research-Notiz von Galaxy Research nicht mehr im Modus „Bärenmarkt“, sondern soll in eine Akkumulationsphase übergegangen sein. Zum Zeitpunkt der Einschätzung notierte der Kurs nahe 80.000 US-Dollar – und damit rund 35% unter dem Hoch im Oktober 2025, aber gleichzeitig deutlich über dem Juni-Tief. Diese Einordnung ist weniger eine Stimmungslage als eine Kombination aus technischen Marken, Marktpositionierung und makroökonomischer Herleitung: Galaxy argumentiert, dass mehrere Signale gleichzeitig in Richtung Stabilisierung zeigen, nachdem der Abwärtsschub im zweiten Quartal sichtbar nachgelassen hat.
Technisch stützt sich die Analyse auf zwei wöchentliche gleitende Durchschnitte, die Galaxy speziell zur Identifikation früherer Bärenmarkt-Abschnitte verwendet. Der 200-Wochen-Durchschnitt habe in den zurückliegenden Zyklen als eine Art „Boden“ funktioniert, während der 50-Wochen-Durchschnitt als „Deckel“ gegolten habe. Laut Bericht verlor Bitcoin den 50-Wochen-Durchschnitt im November 2025 und blieb insgesamt 44 Wochen darunter. Der entscheidende Wendepunkt sei dann im Juni gefallen: Das Tief habe den 200-Wochen-Durchschnitt getestet und gehalten, mit dem schlechtesten wöchentlichen Schluss 4,7% unter dieser Linie. Danach folgt die Bestätigung über die Erholung hinaus: Die Kurse schlossen im September wieder über dem 50-Wochen-Durchschnitt, und bis zum Ende der Woche vom 18. Oktober lag bereits der fünfte aufeinanderfolgende wöchentliche Schluss über diesem Niveau vor.
Wichtig ist dabei, wie Galaxy die historischen „Reclaims“ einordnet, also Rückeroberungen nach Phasen unter der Linie. In der Studie werden 13 solcher Rückeroberungen seit 2011 gezählt; der weitere Verlauf hängt demnach stark davon ab, wie lange der Preis zuvor unter dem 50-Wochen-Durchschnitt geblieben war. Galaxy betrachtet insbesondere die vier Fälle, die jeweils mit einer Rückeroberung nach mindestens 20 Wochen unterhalb der Linie endeten: In diesen Szenarien seien die Kursgewinne in den Folgejahren deutlich stärker ausgefallen – von 55% bis zu 1.497% – wobei laut Bericht außerdem keine dieser Entwicklungen innerhalb des folgenden Jahres weiter als 8,4% unter die Reclaim-Höhe zurückgefallen sei. Kurzer gefasste Rückeroberungen nach weniger als 20 Wochen hätten dagegen häufiger zu einem spürbareren Rücksetzer geführt, was die Logik der Tripwires in der Notiz vorbereitet.
Auch die Positionierung am Derivatemarkt wird von Galaxy als Teil der Erklärung genutzt. Als Hauptverkaufskräfte nach dem Hoch identifiziert die Studie „Basis-Trader“ und Makrofonds. Unterfüttert wird das mit Zahlen aus den von der US-Commodity-Futures-Trading-Commission herangezogenen CME-Bitcoin-Futures-Daten: Die Netto-Long-Position von Asset Managern habe sich ab der Woche des Allzeithochs um 57% verringert. Parallel habe sich die Netto-Short-Position von Leveraged Funds – verstanden als Futures-Seite des Cash-and-Carry-Trades gegenüber Spot-ETFs – in ähnlicher Größenordnung reduziert. Dazu kommt die Aussage, dass die Front-Month-Basis in den 30 Tagen vor dem Hoch noch 7,9% annualisiert betragen habe, in den 30 Tagen bis zum 21. Oktober aber auf 4,8% gefallen sei: Damit decke die Basis die Kosten und Risiken des Trades nicht mehr zuverlässig.
Fundamental und im Sentiment-Bereich ergänzt Galaxy das technische Bild um zwei Makro-Argumente. Auf der Fundamentalseite steht die US-Haushaltslage: Galaxy nennt einen US-Bundesschuldenstand von 40,44 Billionen US-Dollar am 20. Oktober, einen Defizitwert von 1,99 Billionen US-Dollar für das Fiskaljahr 2026 sowie eine Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen von 5,31% am 5. Oktober – dem höchsten Stand seit 2007. Die Schlussfolgerung: Wenn der Staat bei gleichzeitig hohen Defiziten nachschieben muss, entsteht Druck, der sich auch über inflationäre Erwartungen materialisieren kann. Die Notiz verweist zudem auf KI-befeuerte Investitionszyklen: Morgan Stanley erwarte, dass KI-assoziierte Kreditnachfrage dieses Jahr 570 Milliarden US-Dollar erreiche; Galaxy ordnet das als Mitfaktor für den allgemeinen Finanzierungsdruck ein, nicht als direkten Konkurrenten zu Bitcoin.
Im Sentiment-Vergleich zieht Galaxy eine historische Parallele zu den Jahren 2015/16 und 2018/19, als „Blockchain“ in der Mainstream-Finanz zeitweise positiv besetzt war, während Bitcoin selbst im öffentlichen Diskurs eher als randständig galt. Beide Phasen fielen laut Studie ebenfalls in Zyklus-Tiefs. Für 2026 sieht Galaxy allerdings einen anderen Fokus: Nicht Bitcoin stehe im Zentrum, sondern „stablecoins und Tokenisierung“. Genannt werden dafür unter anderem Bank-Piloten für tokenisierte Einlagen, das Scheitern eines Senats-Votums zur Clarity Act-Entscheidung am 15. September sowie zurückgehende Google-Suchanfragen nach „bitcoin“ über mehrere Jahre. Als Risikoteil liefert die Notiz dennoch ein klares Szenario-Trigger: Fällt der Bitcoin-Kurs wöchentlich unter den 50-Wochen-Durchschnitt bei etwa 76.540 US-Dollar und schafft innerhalb eines Monats keine Rückeroberung, würde das den bullischen Pfad laut Galaxy unglaubwürdig machen. Die Studie verweist außerdem auf Sicherheitsrisiken durch KI-aktivierte Diebstähle und nennt dabei den Bitget-Exploit in Höhe von 387,5 Millionen US-Dollar, betont aber, dass der Vorfall nicht den Bitcoin-Standard selbst kompromittiert habe.
Für die Praxis ist besonders relevant, wie Galaxy die Risiken technologisch rahmt, denn das betrifft langfristige Annahmen über Kryptografie. Zum Thema Quantencomputing sagt die Notiz, dass 7,1 Millionen BTC in Outputs liegen, deren öffentliche Keys exponiert seien; entscheidend sei aber, dass aktuell kein Quantencomputer existiere, der für kryptografisch relevante Angriffe ausreicht. Als Weiterentwicklung nennt Galaxy zudem die Einbindung von BIP-360 in das BIP-Repository im Februar sowie eine eigene „Quantum Readiness“-Verpflichtung in Höhe von 5 Millionen US-Dollar. Für Unternehmen und Portfoliomanager ergibt sich daraus: Die Kernthese „Akkumulation statt Abwärtstrend“ wird mit mehreren, teilweise gegeneinander validierenden Signalen begründet, doch bleibt an konkrete technische Bedingungen gekoppelt – und die makroökonomische Lage rund um Defizit und Zinsen dürfte kurzfristig stärker als die Charttechnik über Volatilität entscheiden.
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