DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Galeria sichert sich eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Der Betrag ist an einen drei Jahre dauernden Sanierungsplan gekoppelt, der das Filialnetz neu bewertet. Gleichzeitig werden weitere Schließungen als möglich beschrieben, während Vermieter über offene Mietzahlungen berichten. Die kurzfristige Liquidität ist damit zwar gesichert, doch das Unternehmen betont die angespannte Lage.

Galeria erhält bis zu 160 Millionen Euro Kredit – Sanierung mit Schließungsrisiko
Galeria erhält bis zu 160 Millionen Euro Kredit – Sanierung mit Schließungsrisiko (Foto: IT BOLTWISE)
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Galeria startet nach einer weiteren Phase finanzieller Turbulenzen mit einem neuen Rettungsanker: Das Warenhausunternehmen erhält eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro. Die Finanzierung soll nach Angaben gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf die Umsetzung eines auf drei Jahre angelegten Sanierungsplans ermöglichen. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass zusätzlich zu den bereits angekündigten Anpassungen weitere Filialschließungen folgen könnten. Im Kern geht es um die Frage, welche Standorte die hohen Fixkosten im stationären Handel künftig tragen können – und welche Märkte dauerhaft unter Druck bleiben.

Die neue Kreditlinie wird von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereitgestellt. Entscheidend ist dabei die Besicherung: Die Finanzierung ist über die Ware von Galeria abgesichert, also über einen Teil des laufenden Bestands, der im Vollzug kurzfristig liquidierbar bleibt. Laut Bericht dauerten die Verhandlungen mehrere Wochen, und die Entscheidung hing an einem Gutachten zur wirtschaftlichen Lage, das von AlixPartners erstellt wurde. Solche strukturierten Zugänge sind im Handelssektor typisch, wenn die klassische Refinanzierung über die Kapitalmärkte versperrt ist. Anders als bei rein ungesicherten Überbrückungskrediten reduziert die Warenbesicherung das Risiko für den Geldgeber – verschiebt aber den Druck auf das operative Geschäft.

Der Sanierungsplan soll unter anderem eine Rentabilitätsprüfung des Filialnetzes auslösen. Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock kündigt an, das gesamte Hausnetz „durchzuleuchten“, damit künftig jedes Gebäude wirtschaftlich tragfähig ist. Das läuft praktisch auf ein Portfolio-Management hinaus: Standortbewertungen, Auswertung von Umsatz und Rohertrag, Prüfung der Kostenstruktur sowie Verhandlungen über Mietkonditionen. Dabei ist die Logik im stationären Handel seit Jahren bekannt, doch die Intensität steigt, wenn externe Finanzierungslinien an messbare Schritte gebunden werden. Im Vergleich dazu verfolgen viele Wettbewerber stärker Modelle mit verkürzten Laufzeiten, Pop-up-Formaten oder stärkerer Ladenanpassung über die gesamte Saison.

Ob die 160 Millionen Euro in voller Höhe in Investitionen fließen, bleibt zunächst offen. Ein Teil der Liquidität dient dazu, einen bestehenden Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital abzulösen; nach Berichten dürfte es sich dabei um rund 80 Millionen Euro handeln. Zusätzlich kommen ausstehende Mietzahlungen als weiterer Belastungsfaktor ins Spiel: Mehrere Vermieter beklagten zuletzt, dass Mieten gar nicht oder nur teilweise gezahlt wurden. Zwar habe ein Eigentümer die offenen Positionen inzwischen beglichen, anderswo seien jedoch noch zwei Monatsmieten offen. In solchen Phasen entscheidet die Cash-Disziplin nicht nur über die Weiterführung, sondern auch darüber, wie viel Verhandlungsspielraum bei Mietsenkungen entsteht.

Auch die Warenfinanzierung ist ein Engpass: Galeria benötigt Mittel, um Bestellungen für die Herbst- und Wintersaison zu bezahlen. Das Unternehmen hatte zuletzt mit großen Rabattaktionen gearbeitet, um kurzfristig Umsatz zu erzeugen – ein Ansatz, der kurzfristig Liquidität bringen kann, aber mittelfristig die Margen unter Druck setzt. Genau hier treffen sich technische und kaufmännische Steuerung: Einkauf, Lagerumschlag und Finanzierung müssen zusammenspielen, weil eine längere Kapitalbindung die Sanierung ausbremst. In früheren Krisenjahren sah man ähnliche Muster bei großen Department-Store-Ketten: Wenn Bestände zu teuer finanziert werden, wird „Schnellverkauf“ zum Überlebensinstrument, und jede Schließungswelle verschärft die Kostenlage zusätzlich.

Die möglichen Schließungen sind dabei nicht nur eine Frage der Umsatzrückgänge, sondern auch der Transaktions- und Folgekosten. Weitere Filialanpassungen können Kosten für Sozialpläne, Abfindungen und Entschädigungszahlungen an Vermieter nach sich ziehen. Bereits im März hatte Galeria angekündigt, die Mietverträge von acht Filialen neu verhandeln zu wollen; Schließungen wurden dabei nicht ausgeschlossen. Galeria beschäftigt rund 12.000 Menschen, und etwa 30 der derzeit 83 Warenhäuser gelten als „Wackelkandidaten“. Im Unternehmenskontext bedeutet das: In drei Jahren könnte das Filialnetz deutlich kleiner sein, wobei teils auch frühere Standorte wieder eine Rolle spielen könnten.

Historisch ist die aktuelle Lage Teil einer längeren Insolvenz- und Sanierungswelle. Galeria meldete Anfang 2024 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz an, als Hauptgrund wurde unter anderem die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa genannt. Im Sommer 2024 wurden neun Standorte geschlossen. Seitdem gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC sowie einer Beteiligungsgesellschaft, die mit dem Unternehmer Bernd Beetz verbunden ist. Beetz sagt, Galeria könne „nach der Kreditzusage zunächst einmal weitergehen, doch die Lage bleibt weiter angespannt“. Seine Einschätzung passt zu einem Muster, das in der Branche seit Kaufhof- und Karstadt-Abverkäufen bekannt ist: Investoren sichern operativen Bestand, aber die strukturelle Frage bleibt – ob der stationäre Einkauf langfristig die Kostenbasis tragen kann.

Für den Markt sind solche Zusagen zugleich Signal und Warnung. Gordon Brothers ist im Retail-Umfeld kein Neuling: Die Investorengruppe habe vor Jahren den Abverkauf in Kaufhof- und Karstadt-Filialen organisiert, bevor diese geschlossen wurden. Das macht deutlich, wie stark die Finanzierung an harte Restrukturierungslogik gekoppelt ist. Aus Sicht von Branchenbeobachtern dürfte die nächste Phase weniger von Schlagzeilen über Kredite geprägt sein als von messbaren Meilensteinen im Betrieb: Mietverhandlungen, Abbau von unrentablen Flächen, bessere Einkaufskonditionen und ein stabileres Bestandsmanagement. Regulatorisch und organisatorisch kommt hinzu, dass bei Standortwechseln betriebliche Mitbestimmung, arbeitsrechtliche Prozesse und Datenschutz in der Kommunikation mit Beschäftigten und Vermietern strikt eingehalten werden müssen. Die nächsten Monate werden deshalb zeigen, ob die Sanierung in eine belastbare Zukunftsperspektive mündet – oder ob das Risiko weiterer Schließungen die Wachstums- und Beschäftigungsziele weiterhin begrenzt.


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