DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das Unternehmen will den Geschäftsbetrieb in seinen 83 Filialen vorerst weiterlaufen lassen. Hintergrund ist eine erneute Zuspitzung der Liquidität, während zugleich eine Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro jüngst neue Spielräume schaffen sollte. Für rund 12.000 Beschäftigte ist nun entscheidend, ob und wie es mit den Standorten weitergeht.

Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 12.000 Beschäftigte bangen um Jobs
Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 12.000 Beschäftigte bangen um Jobs (Foto: IT BOLTWISE)
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Galeria zieht erneut vor Gericht nach und schafft damit einen formalen Rahmen, um den eigenen Sanierungskurs zu ordnen. Das Amtsgericht Düsseldorf soll die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens prüfen, während der Geschäftsbetrieb zunächst in den 83 Filialen weiterlaufen soll. Für die rund 12.000 Beschäftigten bedeutet das: Die Arbeitsplätze bleiben vorerst im Betriebsschutz, gleichzeitig wächst die Unsicherheit, weil selbst ohne sofortige Schließwellen die nächsten Entscheidungen über Standorte und Kostenstrukturen absehbar werden.

Technisch betrachtet liegt der Kern des Vorgangs weniger in einer einzelnen Maßnahme als in der Systematik der Insolvenzprozesse: Mit dem Antrag wird die rechtliche Grundlage geschaffen, um Forderungen zu bündeln, Zahlungsströme zu strukturieren und den Betrieb in geordneten Bahnen fortzuführen. Im Hintergrund spielt dabei auch die Vorgeschichte eine Rolle. Denn das Amtsgericht Essen hatte die Planüberwachung nach dem bislang letzten Insolvenzverfahren offenbar noch nicht aufgehoben. Gerade diese Planüberwachung kann nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit dazu führen, dass bei neuer Zahlungsunfähigkeit voraussichtlich kein erneutes Insolvenzgeld gezahlt werden kann; zugleich ist laut den zugrunde liegenden Hinweisen aber stets die konkrete Einzelfallprüfung entscheidend.

Für die Unternehmenslage ist außerdem relevant, dass Galeria bereits mehrfach in sehr kurzen Abständen wieder in eine Krise geraten ist. Seit dem letzten Antrag vor gut zweieinhalb Jahren, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, folgten Schließungen und Eigentümerwechsel: Galeria gehört seit Sommer 2024 der US-Investmentgesellschaft NRDC sowie einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Parallel verschwanden die Marken Kaufhof und Karstadt aus dem Firmennamen, und der Sitz wechselte von Essen nach Düsseldorf. Diese Wechsel sind typischerweise Teil eines Sanierungskonzepts, zeigen aber auch, wie stark der Wandel in der Warenhauswelt vom Kapitalzugang, von Mietkonditionen und von der Fähigkeit abhängt, Filialen wieder nachhaltig profitabel zu betreiben.

Konkrete Taktung liefert dabei die jüngste Finanzierungs- und Verhandlungsphase: Im Juni erhielt Galeria eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro, unter anderem zur Ablösung eines laufenden Kredits und zur Begleichung offener Mietzahlungen. Die Kreditlinie kommt von Gordon Brothers und ist durch die Ware abgesichert; sie ist zudem an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Genau diese Kombination aus Finanzierung, Sanierungsplan und Standortgesprächen erklärt, warum ein Insolvenzantrag trotz bestehender Kreditlinie nicht automatisch im Widerspruch zur Stabilisierung steht, aber dennoch deutlich macht, wie fragil die Lage bleibt.

Dass der Druck im Einzelhandel seit Jahren zunimmt, spiegelt auch die Marktdatenlage. Laut dem Handelsforschungsinstitut EHI sind die Erlöse zurückgegangen: 2019 erwirtschaftete Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro; sechs Jahre später setzte Galeria demnach mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch 2 Milliarden Euro um. Noch deutlicher wird der Bedeutungsverlust klassischer Kauf- und Warenhäuser: Die Marktanteile seien laut EHI seit 2000 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent gefallen. In diesen Zahlen sind neben Galeria auch Müller und Woolworth enthalten, während kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe oder das Kaufhaus Stolz weiter existieren. Ein mögliches Aus für Galeria würde damit zugleich ein weiteres Stück der Warenhaus-Ära markieren, die ohnehin unter dem Strukturwandel von stationärem Handel hin zum Onlinegeschäft leidet.

Der Blick auf die Branche zeigt zudem, dass Galerias Einzelschicksal in einen größeren Trend eingebettet ist: Der Kreditversicherer Allianz Trade meldet für den Zeitraum zwischen Juni 2025 und Mai 2026 gut 2.600 Insolvenzen im Einzelhandel und damit ein Zehnjahreshoch. Weitere bekannte Fälle kommen hinzu, etwa die Non-Food-Discounter Kodi und MÄC Geiz, die zahlreiche Filialen schlossen, sowie die Deko-Kette Depot und die Baumarktkette Hellweg, die abgewickelt bzw. umstrukturiert wird. Gleichzeitig schließen nicht nur Insolvenzen Läden: In den vergangenen Jahren gingen bundesweit zehntausende Geschäfte für immer zu. Für die Zukunft prognostiziert der Handelsverband Deutschland, dass die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken könnte, nach etwa 372.000 Ende 2015. In einem solchen Umfeld wird klar, warum Insolvenzen in kurzen Abständen nicht allein Managementfehlern geschuldet sind, sondern auch strukturelle Faktoren wie Konsumzurückhaltung, sinkende Flächenproduktivität und Mietmodelle mittragen.

Für Unternehmen und Entscheider sind die nächsten Schritte vor allem aus drei Blickwinkeln wichtig: erstens aus der Perspektive der Arbeitsplatzsicherheit, weil der Fortbetrieb in den Filialen derzeit zwar fortgeschrieben wird, Standortentscheidungen aber zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt werden; zweitens aus dem Blick auf Finanzierungspartner und Lieferketten, weil gesicherte Kreditlinien an Sanierungspläne gebunden sind und damit Tempo und Richtung der Restrukturierung vorgeben; und drittens aus der Marktbeobachtung, weil sich ein mögliches weiteres Kapitel der Warenhauskonsolidierung oft auf Lieferbedingungen, Flächenstrategien und Mietforderungen im gesamten Segment auswirkt. Galerias Antrag eröffnet nun die juristische Bühne dafür, wie das Unternehmen die Situation ordnen, stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltigere Zukunft konkretisieren kann.


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