LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft hat bestätigt, dass die KI-Funktion auf Basis von Phi Silica in Windows 11 auf PCs ohne dedizierte NPU spürbar Ressourcen binden kann und dadurch die Bildrate in Spielen sinken kann. Ein offizieller Benchmark, der den exakten Umfang auf allen Systemen misst, fehlt bislang. In einem Test zeigte sich bei aktivierter Gaming-Copilot-Funktion ein Rückgang von 84–89 auf 70–85 Bilder pro Sekunde. Gleichzeitig betont Microsoft, dass die erzeugten Screenshots nicht dauerhaft gespeichert und nicht für das Training von KI-Modellen genutzt werden.

Gaming Copilot in Windows 11: Microsoft räumt FPS-Einbußen bis 19 Bilder ein
Gaming Copilot in Windows 11: Microsoft räumt FPS-Einbußen bis 19 Bilder ein (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer Windows 11 aktuell auf einem PC ohne dedizierte Neural Processing Unit (NPU) nutzt, bekommt bei KI-Features eine neue Realität vor Augen: Microsoft beschreibt die Leistungswirkung nicht als abstraktes Risiko, sondern als konkret möglichen Konflikt zwischen Grafiklast und KI-Beschleunigung. Im Kern geht es um die auf dem Sprachmodell Phi Silica basierende Funktion, die bei Systemen ohne NPU nicht “ins Leere” laufen soll, sondern offenbar über andere Ressourcen konkurriert. Genau das kann sich in Spielen als messbarer FPS-Verlust niederschlagen, obwohl der genaue Umfang noch nicht systematisch über einen breiten, standardisierten Benchmark quantifiziert wurde.

Der Zeitpunkt der Einordnung ist dabei alles andere als zufällig: Online kursierte ein Screenshot aus den Windows-11-Einstellungen, der die Sektion “Text and image generation” zeigte – inklusive des Hinweises auf null erfasste KI-Anfragen. Daraus leitete eine Nutzergruppe ab, Windows 11 führe im Hintergrund heimlich KI-Prozesse aus und verbrauche dadurch dauerhaft Systemressourcen. Ein veröffentlichter Gegencheck auf einem Rechner ohne NPU widersprach dieser Schlussfolgerung jedoch deutlich: Weder veränderte sich der Arbeitsspeicherverbrauch in der beobachteten Situation, noch ließen sich aktive KI-Anfragen nachweisen; selbst das gezielte Deaktivieren der relevanten Berechtigungen brachte demnach keine messbare Leistungsverbesserung.

Technisch lässt sich die Ursache des unterschiedlichen Verhaltens so einordnen: Die Funktion “Text and image generation” läuft laut Microsoft geräteintern auf der NPU von Copilot+-PCs und setzt dabei mindestens 40 TOPS Rechenleistung voraus. Erst diese Hardware-Grundlage schafft die Möglichkeit, KI-Aufgaben ohne den gleichen Grad an Konkurrenz zur GPU oder zum CPU-Umfeld zu erledigen. Für die Praxis heißt das: Wer die Funktion nutzt, erlebt sie als Bestandteil bestimmter Windows-Apps wie Notepad, Outlook, Photos und dem Snipping Tool. Wer sie nicht verwenden möchte, kann sie in den Windows-Einstellungen unter Datenschutz & Sicherheit > Text- und Bildgenerierung deaktivieren – ein Schalter, der den Eindruck “heimlicher Hintergrundaktivität” zumindest für diesen Teil der KI-Funktion klar adressierbar macht.

Beim Thema Gaming Copilot kippt das Bild allerdings in Richtung “messbar, aber nicht umfassend vermessen”. In einem Test mit aktivierter Gaming-Copilot-Funktion sank die Bildrate von 84–89 auf 70–85 Bilder pro Sekunde. Die Spanne macht dabei deutlich, dass es nicht um einen konstanten Einbruch um exakt eine Zahl geht, sondern um eine Lastverteilung, die je nach Szene und Systemkonfiguration stärker oder schwächer ausfällt. Microsoft bestätigt außerdem den Datenschutz- und Trainingsaspekt: Die erzeugten Screenshots sollen weder dauerhaft gespeichert noch für das Training von KI-Modellen verwendet werden. Für die Sicherheits- und Datenschutzperspektive ist das relevant, weil es die Grundlage der Debatte verschiebt – weg von “dauerhaftes Filtern im Hintergrund” hin zu “kurzzeitiger Zusatzlast während der Spielsession”.

Parallel dazu spielt Microsoft auch an einer anderen Stellschraube: dem Speichermanagement. In diesem Zusammenhang taucht in einer Windows-11-Build im Experimental Channel eine Option namens “Memory for graphics and AI acceleration” auf, eingebettet in ein größeres Vorhaben, das als “IntelligentCarveout” beschrieben wird. Ziel ist es, den gemeinsamen Speicherzugriff von Grafik und KI-Beschleunigung zu regeln, sodass beide Teilbereiche nicht in denselben Engpasszonen um Bandbreite und Arbeitsspeicherzugriffe kämpfen. Nutzer können dabei unter mehreren Stufen wählen – von “Don’t allow” über “Recommended” bis hin zu “High”, “Maximum” und “Custom” –, womit Microsoft die Kontrolle näher an die Hardware-Realität der jeweiligen Plattform rückt.

Dass Microsoft diese Option ausgerechnet auf Systeme mit NVIDIA RTX Spark und AMD Ryzen AI Max fokussieren soll, passt zur Hardware-Logik: Copilot- und KI-Funktionen leben in der Praxis stark davon, wie gut GPU, NPU und System-RAM zusammenarbeiten. Ein offizielles öffentliches Timing nennt Microsoft in der beschriebenen Konstellation zwar nicht, aber die Richtung ist erkennbar: Speicherpolitik wird zum Performance-Hebel. Auch jenseits von NPU-Themen optimiert Microsoft Windows 11 für Ressourcenkonstellationen mit wenig RAM; für 2026 wird die Unterstützung für Geräte mit 8 GB Arbeitsspeicher hervorgehoben. Bei einem Surface Laptop mit 13 Zoll und 16 GB RAM wird in dem Zusammenhang ein Preis von 1.150 US-Dollar genannt, während die 8-GB-Variante mit 950 US-Dollar beziffert wird – das verdeutlicht, dass Performance- und Effizienzfragen zugleich in Richtung Gerätediversität und Marktpositionierung wirken.

Für Anwender ergibt sich damit ein differenziertes Fazit. Die Angst vor einem dauerhaft laufenden KI-Hintergrundbetrieb, wie sie aus dem “null erfasste Anfragen”-Screenshot abgeleitet wurde, wird durch den Gegencheck nicht gestützt. Gleichzeitig bleibt die reale Möglichkeit bestehen, dass KI-Funktionen – je nach Hardware, App-Pfade und konkreter Auslastung – in Zielkonflikte mit der Grafikleistung geraten. In der Ursache werden in diesem Kontext auch Komponenten genannt, die für hohe Speicherlast bekannt sind, etwa die Browser-Engine WebView2, deren Teile Microsoft laut eigenen Angaben teilweise überarbeitet; ebenso werden Funktionen wie Copilot+ und Recall als ressourcenintensiv eingeordnet. Solange standardisierte, allgemein vergleichbare Benchmarks für alle Konfigurationen fehlen, bleibt Gaming-Copilot damit vor allem eine Frage der konkreten System- und Lastmessung – und weniger eine pauschale Aussage “geht immer” oder “geht nie”.


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