LONDON (IT BOLTWISE) – Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) meldet für 2025 deutlich weniger versicherte Blitzschäden als im Vorjahr. Insgesamt wurden 180.000 Schäden gezählt, 40.000 weniger als 2024. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Schadenskostenlast je Fall auf rund 1.760 Euro, damit um rund elf Prozent. Als Ursache nennt der Verband den blitzarmen Wetterverlauf 2025 – für 2026 wird dagegen wieder mehr Aktivität erwartet.

GDV meldet weniger Blitzschäden 2025 – aber höhere Kosten je Fall
GDV meldet weniger Blitzschäden 2025 – aber höhere Kosten je Fall (Foto: IT BOLTWISE)
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Für Versicherer ist Blitzwetter selten ein reines Naturthema: Es landet fast unmittelbar in den Schadenakten, in der Rückversicherungsplanung und in der Kalkulation der Risikoprämien. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert den Effekt für 2025 mit klaren Kennzahlen. So zählen die Versicherer im vergangenen Jahr 180.000 versicherte Schäden durch Blitze – 40.000 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang zeigt sich nicht nur bei der Fallzahl, sondern auch in der Gesamtsumme: Insgesamt zahlten die Versicherer 310 Millionen Euro, also 30 Millionen Euro weniger als 2024.

Damit ist die erste Seite der Meldung bereits doppelt wichtig: Die absolute Belastung sinkt, aber die Struktur des Problems verschiebt sich. Laut GDV lagen die durchschnittlichen Kosten je Schaden bei rund 1.760 Euro – das sind rund elf Prozent mehr als im Vorjahr. Dass dies als „erneut ein Höchstwert“ eingeordnet wird, verweist auf einen Trend, der die Branche seit einigen Jahren beschäftigt: weniger Ereignisse können zwar die Anzahl der Fälle reduzieren, die Kosten pro Fall werden jedoch durch veränderte Schadensmuster und die technische Ausstattung der Gebäude nach oben gezogen. Genau diesen Hintergrund ordnet GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen ein und nennt als Hauptgrund die immer hochwertigere und technisch modernere Gebäudeeinrichtung.

Technisch betrachtet entstehen Blitzschäden in zwei Hauptpfaden, und beide schlagen in anderen Bereichen zu. Direkte Einschlüsse führen häufig zu klassischen sichtbaren Schäden wie zerstörten Dachflächen oder Rissen im Mauerwerk sowie am Schornstein. Daneben spielen Überspannungen eine große Rolle: Auch ohne direkten Einschlag können kurzzeitige Spannungsspitzen im Stromnetz elektronische Verbraucher und die Gebäudetechnik erreichen. In der Praxis zeigen sich solche Effekte oft als verschmorte Steckdosen, beschädigte Elektrogeräte etwa Computer und Telefonanlagen oder Störungen in der Haustechnik. Wenn Gebäude zudem stärker automatisiert und digitalisiert sind, treffen Überspannungen folglich mehr Komponenten gleichzeitig – das kann die durchschnittlichen Kosten je Schaden plausibel erhöhen, selbst wenn die Zahl der Ereignisse sinkt.

Der Wetterverlauf liefert hier die Erklärung für die geringeren Schadenzahlen. 2025 war in Deutschland „extrem blitzarm“: Ein in Österreich ansässiger Informationsdienst, der Erddonner und Blitzaktivität erfasst, zählte für ganz Deutschland lediglich 99.930 Erdblitze. Das waren nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr. Der GDV knüpft den Rückgang dabei an Bedingungen, die Gewitter begünstigen: Gewitter entstehen besonders häufig, wenn es warm und feucht ist. Im vergangenen Jahr war es dagegen laut den genannten Daten häufig zu trocken, zwischendurch tendenziell auch eher kalt – diese Kombination bremst die Entstehung von Gewitterzellen.

Für das laufende Jahr kippt das Bild allerdings teilweise: Die Aldis/Blids-Zahlen, auf die sich der GDV bezieht, zeigen bereits 2026 mehr Einschläge als im gesamten Jahr 2025. Bis dato wurden gut 101.000-mal Blitze gezählt – öfter als 2025 insgesamt. Die Gewittersaison zieht sich typischerweise bis in den September hinein, daher ist der Trend noch nicht „eingefroren“. Für Versicherer bedeutet das vor allem eins: Solange die Zahl der Erdblitze wieder höher ausfällt, kann sich die Schadenentwicklung auch ohne erneute Extremereignisse entlang der Saisonräume aufsummieren. In der Bilanzlogik heißt das weniger „nur“ mehr Fälle, sondern häufig auch einen erneuten Druck auf Teile der Kostenkurve, sobald mehr Schadensereignisse in Gebäudebestände mit komplexer Elektronik treffen.

Branchenintern wird die Meldung zudem in einen breiteren Kontext eingeordnet: Rückgänge bei wettergetriebenen Schäden sind nicht automatisch gleichbedeutend mit dauerhaft sinkenden Kosten. Wenn technisch modernere Gebäude die Schadensfolgen bei Überspannungen verstärken, kann sich die Kostenverteilung von „wenige, dafür sehr hohe“ hin zu „mehr technisch komplexe Einzelschäden“ verschieben – und dadurch die Durchschnittswerte erhöhen. Für das Risikomanagement ist deshalb weniger die reine Häufigkeit entscheidend als die Kombination aus Wetterdaten, Gebäudestruktur und Schutzmaßnahmen, etwa Überspannungsschutzkonzepte und deren Qualität in der Praxis. Auch wenn der GDV in der Meldung vor allem das Wetter und die Gebäudetechnik als Treiber nennt, lässt sich daraus für die Planung ableiten, dass Prävention entlang der technischen Infrastruktur einen direkten finanziellen Effekt haben kann.

Für Unternehmen und Hausverwaltungen ist die Konsequenz konkret: Wer heute in Blitz- und Überspannungsschutz investiert, kann im Schadensfall die Eintrittswahrscheinlichkeit von Folgeschäden verringern und damit die individuellen Schadenkostenpotenziale senken. Das gilt besonders, weil die GDV-Kennzahlen zeigen, dass selbst bei weniger Blitzereignissen die Kosten je Schaden steigen können. Gleichzeitig bleibt für das laufende Jahr die Wetterlage der dominierende Faktor – mit den bisher höheren Blitzzählungen 2026 steigt das Risiko, dass die Saison erneut mehr Schadenmeldungen erzeugt. Unterm Strich verbindet die GDV-Meldung eine saisonale Wetterbeobachtung mit einer langfristigen Technikverschiebung: Moderne Gebäude senken nicht automatisch die Folgen, sie verlagern sie nur in Richtung komplexerer elektrischer Komponenten.


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