ROM / LONDON (IT BOLTWISE) – Israelische und libanesische Regierungsvertreter führen erneut direkte Gespräche in der italienischen Hauptstadt Rom. Im Mittelpunkt steht die weitere Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens nach dem Waffenstillstand. Nach Angaben aus dem Umfeld der libanesischen Regierung soll dabei besonders das unterirdische Tunnelsystem der Hisbollah eine Rolle spielen. Parallel gehen die bewaffneten Auseinandersetzungen in Form von fortgesetzten Luftangriffen und wiederholten Einsätzen gegen Tunnel offenbar weiter.

In Rom treffen sich israelische und libanesische Regierungsvertreter zu direkten politischen Gesprächen, erstmals seit Jahrzehnten, und damit auch zu einer der praktischsten Fragen nach einem Waffenstillstand: Wie setzt man ein Sicherheitsabkommen so um, dass die nächste Eskalationsspirale nicht schon an der Umsetzung scheitert. Die Gespräche laufen dabei nicht zwischen den Parteien auf technischer Ebene allein, sondern politisch koordiniert; als Vermittler treten die USA auf. Für die Hisbollah gilt zugleich: Sie nimmt nicht an den Gesprächen teil, während das israelische Militär weiterhin im Süden Libanons stationiert bleibt und nach dem Abkommen weiterhin aus der Luft angreift.
Technisch betrachtet dreht sich ein Großteil der Debatte um Infrastruktur, die nicht nur sichtbar, sondern vor allem schwer lokalisierbar ist: das unterirdische Tunnelsystem der Hisbollah. Über Jahrzehnte habe die Organisation eine militärische Infrastruktur unter Tage aufgebaut, die Israel als wiederkehrende Bedrohung einordnet. Das Tunnelnetzwerk soll nach Einschätzung von Beobachtern und in der Einordnung durch den Libanon-Experten Nicolas Blanford von der Denkfabrik Atlantic Council in Washington unter anderem Kommandozentren, Waffenlager, Abschusspositionen, Versorgungskorridore und geschützte Verbindungen umfassen. Blanford beschreibt diese Infrastruktur als „äußerst wichtigen“ Bestandteil der militärischen Infrastruktur; der Hintergrund ist die zentrale Funktion, Kämpferbewegungen unbemerkt unter der Erde zu ermöglichen.
Damit wird das Schlachtfeld in einem Teil der Grenzregionen zu einem Systemproblem: Wer Tunnel nicht nur lokal findet, sondern auch deren Logistik, Reichweite und Betriebsfähigkeit versteht, kann die Wirkung von Angriffen besser abschätzen. In der vorliegenden Darstellung erstreckt sich das Tunnelnetzwerk über mehrere Landesteile bis in den nördlichen Teil der Bekaa-Ebene; gleichzeitig wird betont, dass es nicht landesweit miteinander verbunden ist. Genau diese Struktur beeinflusst, wie israelische Einsätze wirken können: Wenn Knotenpunkte und Verbindungsachsen getrennt sind, können zerstörerische Operationen zwar Teile der Infrastruktur treffen, aber dennoch den Gesamtnutzen nicht vollständig eliminieren. Für Israel ist die Stoßrichtung klar: Wiederholt wird vor einer Gefahr gewarnt, wonach Hisbollah-Kämpfer den Tunnelzugang auch für einen großangelegten Angriff auf den Norden Israels nutzen könnten.
Die wiederkehrenden Hinweise auf Tunnelzerstörungen unterstreichen zugleich, wie widersprüchlich der Zeitraum zwischen politischem Stillstandsmanagement und militärischem Alltag wirken kann. Laut libanesischen Berichten und Augenzeugenangaben habe das israelische Militär erst am Wochenende eine besonders schwere Zerstörungswelle seit Beginn der Waffenruhe im Juni durchgeführt. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtet dabei von Sprengungen und gezielter Zerstörung in mehreren Orten. Auf der Argumentationsseite der Hisbollah-Sicherheitslogik steht derweil die langfristige Investition in unterirdische Kriegsführung: Der libanesische Militär-Experte Munir Schehadeh erklärt, die Verlagerung militärischer Infrastruktur unter die Erde habe das Schlachtfeld grundlegend verändert, weil Israel in seinen Augen der Hisbollah zwar überlegen sei, aber unterirdische Anlagen anders angreifbar werden.
Aus der Perspektive der Umsetzung des Abkommens wird diese technische Gemengelage besonders heikel, weil beide Seiten mit Bedingungen arbeiten. Das jüngste Rahmenabkommen sieht sowohl den Rückzug israelischer Truppen aus dem Süden Libanons als auch eine Entwaffnung der Hisbollah durch die libanesische Armee vor; beide Punkte seien bislang jedoch nicht umgesetzt. Israel macht demnach seine verbliebene Militärpräsenz von Fortschritten bei der Entwaffnung abhängig, während die Hisbollah eine Kooperation an einen israelischen Abzug knüpft. Zusätzlich werden die Handlungsspielräume der libanesischen Streitkräfte eingeschränkt beschrieben: Sie gelten im Vergleich deutlich schwächer als die Hisbollah, und die libanesische Regierung will zudem innenpolitische Spannungen vermeiden, falls sie gegen die Miliz mit Gewalt vorgehen müsste.
Dass der militärische Konflikt nicht an Tunnelgrenzen endet, wird in den Angaben zu bisherigen Einsätzen deutlich. Israel zerstöre seit einigen Jahren wiederholt Tunnel der Hisbollah, darunter auch solche, die nach libanesischen Darstellungen bis nach Israel reichten; wiederholt seien dabei Wohngebäude beschädigt worden. Auch UN-Friedenstruppen im Libanon hätten eigenen Angaben zufolge im Sommer 2025 ein umfangreiches Tunnelnetzwerk im Süden entdeckt. Zuletzt wird ein Einsatz im Gebiet der historisch und strategisch wichtigen Burg Beaufort genannt: Rund 700 Tonnen Sprengstoff sollen eingesetzt worden sein, wobei israelische und libanesische Angaben zufolge die Burg keinen Schaden genommen haben sollen. Libanesischen Angaben zufolge wurde ein 1.200 Meter langes Gebiet am südlichen Ende der Burg „vollständig verwüstet“ – ein Hinweis darauf, wie eng militärische Zielsuche und lokale Zerstörung in solchen Operationen miteinander verknüpft sind.
In diesem Umfeld bekommen die Gespräche in Rom eine eher nüchterne als symbolische Bedeutung. Sie entscheiden nicht über eine abstrakte politische Linie, sondern müssen klären, wie man Sicherheit operationalisiert, wenn unterirdische Infrastruktur den größten Teil des Risikos verschiebt. Für Unternehmen und Technologiedienstleister, die in Sicherheit, Lagebilderstellung oder Infrastruktur-Überprüfung tätig sind, ergibt sich daraus ein klarer Bedarf an robusten Methoden zur Detektion, Bewertung und Verifikation von Anlagen unter realen Bedingungen. Denn selbst wenn politische Mechanismen die nächsten Schritte definieren, zeigt die fortgesetzte stationäre Präsenz und das weitere Vorgehen aus der Luft, dass die technische Lageprüfung und die tatsächliche Umsetzung im Gelände schnell zum Engpass werden.
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