GENF / LONDON (IT BOLTWISE) – Givaudan bringt mit TasteSolutions Richness ein Aroma-Modul auf den Markt, das in Reformulierungsprojekten für mehr Mundgefühl und anhaltenden Geschmack sorgen soll, obwohl Hersteller Fett reduzieren. Der Schweizer Spezialist positioniert das Programm im B2B-Geschäft für Suppen, Saucen, Milchprodukte und pflanzliche Alternativen und koppelt es an Co-Creation-Workshops. Spannend ist dabei auch die Ausgestaltung für unterschiedliche Deklarationsanforderungen, die Clean-Label-Strategien unterstützen kann. Branchenbeobachter sehen darin einen weiteren Schritt, Reformulierung stärker in die Produkt- und Entwicklungsroutine zu integrieren.

Wer im Lebensmittelmarkt heute „besser für dich“ sagt, muss es auch sensorisch liefern. Genau hier setzt Givaudan mit TasteSolutions Richness an: Das Aroma-Programm zielt auf vollmundige, cremige Geschmacksprofile, während Produzenten Fett und häufig auch andere Stellschrauben wie Zucker oder Salz senken wollen. Das Problem ist aus der Praxis bekannt: Wenn die Rezeptur schlanker wird, verschwinden oft nicht nur Nährwerteigenschaften, sondern auch das typische Mundgefühl, die Textur-Wahrnehmung und der lang anhaltende Geschmackseindruck. Givaudan adressiert diese Lücke mit einem modularen Ansatz, der sich in bestehende Formulierungen integrieren lassen soll.
Technisch gedacht ist TasteSolutions Richness weniger ein einzelner Rohstoff als vielmehr ein Strang innerhalb der breiteren TasteSolutions-Plattform. Givaudan beschreibt modulare Aroma-Bausteine, die gezielt bestimmte sensorische Eigenschaften verstärken; der „Richness“-Fokus richtet sich dabei auf Mundfülle, Cremigkeit und das Verbleiben des Geschmacks im Gaumen. Als Bestandteil werden laut Produktinformationen sowohl natürliche als auch naturidentische Aromakomponenten eingesetzt, darunter Hefe-Extrakte, die umami-betonte Noten erzeugen können. Diese Noten sollen die Wahrnehmung von „fettähnlicher“ Cremigkeit unterstützen, ohne dass Hersteller die Fettphase in derselben Höhe aufrechterhalten müssen.
Besonders relevant ist, dass das Modul für verschiedene Prozessbedingungen ausgelegt sein soll. In der industriellen Praxis entscheiden Stabilität und Handhabung darüber, ob ein Aromakonzept im Labor schnell funktioniert und in der Produktion zuverlässig bleibt. Givaudan nennt in diesem Zusammenhang Rahmenbedingungen von UHT-Erhitzung bis hin zur Kühlkette, was auf eine Auslegung für unterschiedliche Produktarten hindeutet, etwa für Fertigsuppen, Chilled Convenience oder Milchalternativen. Ein weiterer Praxishebel ist die Anwendungsbreite: Richness soll sowohl in herkömmlichen Kategorien als auch in pflanzenbasierten Rezepturen eingesetzt werden können, wo häufig dünnere Texturen und gelegentlich bittere Nebenwahrnehmungen auftreten.
Im Marktkontext ist dieser Move auch als Antwort auf den wachsenden Reformulierungsdruck zu lesen. Wettbewerber wie Kerry oder Symrise treiben ebenfalls sensorische Lösungen voran, die Verbraucherwünsche nach reduzierten Nährwertprofilen mit akzeptablen Geschmacksergebnissen verbinden sollen. Während einzelne Anbieter stärker auf einzelne Geschmackskomponenten setzen, folgt Givaudans TasteSolutions-Logik einem Baukastenprinzip: Richness wird als Baustein neben anderen Modulen genutzt, etwa für Salz- oder Zuckerreduktion oder Umami- und Maskierungsanwendungen. Branchenanalysten bringen das häufig auf den Punkt: „Reformulierung ist längst keine Sonderaufgabe mehr, sondern Bestandteil der Produkt-Roadmaps“, lautet sinngemäß eine wiederkehrende Einschätzung aus der Aromen- und Food-Tech-Branche.
Für Hersteller spielt zudem die Kennzeichnungsfrage eine immer größere Rolle. Givaudan bietet TasteSolutions-Module in unterschiedlichen Deklarationsoptionen an, etwa als Aroma, als natürliches Aroma oder als Hefe-Extrakt – je nachdem, welche Anforderungen im Zielmarkt gelten. Das kann besonders im deutschen LEH relevant sein, wo Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend Zutatenlisten sowie mögliche Health-Claims lesen und abgleichen. Aus Enterprise-Sicht entspricht das einer „Compliance-by-Design“-Denke: Statt das Ergebnis erst nachträglich durch Etikettierung zu retten, lässt sich die Rezeptur so aussteuern, dass das gewünschte Markt- und Markenbild früh erreicht wird.
Historisch betrachtet ist die Suche nach Geschmack bei reduzierten Fettgehalten nicht neu. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten wurden Emulgatoren, Texturbildner und Aromalösungen kombiniert, um die fehlende Fettdichte zu kompensieren. Neu ist vor allem die Professionalisierung durch modulare Plattformen und die Verknüpfung mit strukturierten Co-Creation-Prozessen. Givaudan verweist darauf, dass TasteSolutions-Ansätze in Workshops mit Kunden getestet und feinjustiert werden; häufig fließen dabei auch Konsumententests in Kernmärkte ein. In der Praxis entsteht so nicht „das eine Rezept“, sondern eine marktspezifische Ausgestaltung, bei der Richness nur ein Element im Gesamtmix bleibt.
Für die nächsten Monate und Jahre dürfte entscheidend sein, wie schnell sich solche Module in wiederkehrende Entwicklungszyklen integrieren lassen. Hersteller gewinnen, wenn Reformulierung planbarer wird: weniger Ausschuss, kürzere Iterationen und eine bessere Vorhersagbarkeit von sensorischen Ergebnissen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an skalierbare Umsetzung, weil Produkte nicht nur im Labor, sondern entlang ganzer Produktionsketten funktionieren müssen. Das schafft Entwicklungsaufgaben auch auf Software- und Prozessseite: Von Qualitätsdaten über Batch-Variabilität bis zur Rezepturpflege über mehrere Standorte hinweg wird die Zusammenarbeit zwischen Food-R&D und angewandter Datenanalyse zunehmend wichtiger.
Ausblickend lässt sich TasteSolutions Richness als Baustein in einer breiteren „Taste & Wellbeing“-Ausrichtung interpretieren. Givaudan will damit nicht nur Aromen liefern, sondern als Entwicklungspartner für Reformulierungs- und Innovationsprojekte auftreten und den Trend zu „besser für dich“-Produkten mitgestalten. Für Unternehmen, die im DACH-Raum auf internationale Aromenpartner setzen, bedeutet das vor allem: schnelleres Time-to-Market bei gleichzeitigem Fokus auf sensorische Leitplanken. Wenn der Ansatz in weiteren Kategorien greift, könnten modulare Geschmackssysteme die bisher stark produkt- und personengebundene Reformulierungsarbeit weiter standardisieren – und damit die Spielräume für nachhaltigere Rezepturentscheidungen vergrößern.
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