JAPAN / LONDON (IT BOLTWISE) – GMKtec startet am 17. August mit der Neo-X1-Serie in eine neue Mini-PC-Klasse, die „Mobile on Desktop“ (MoDT) mit Flüssigkühlung kombiniert. Das Topmodell zielt auf bis zu 160 Watt CPU-Leistungsaufnahme und koppelt einen Ryzen 9 9955HX3D mit einer GeForce RTX 5070. Preislich bewegen sich die Varianten zwischen rund 1.800 und 2.500 Euro, während ein weiteres AI-System bereits mit 50 TOPS beworben wird. Parallel zeigt der Start lokaler KI-Modelle wie Qwen3.8-27B, warum mehr Speicher und NPU-Leistung bei kompakten Rechnern stärker nachgefragt werden.

Mini-PCs waren lange vor allem „Desktop-Ersatz“ für leichte Aufgaben: E-Mail, Browser, gelegentliches Coding. Mit der Neo-X1-Serie von GMKtec verschiebt sich der Fokus jedoch spürbar Richtung kompakter Workstation. Der Hersteller setzt dabei auf eine „Mobile on Desktop“-Architektur, kurz MoDT, und nutzt eine Flüssigkühlung, um eine CPU-Leistungsaufnahme von 160 Watt in einem Formfaktor nahe am Mini-PC zu ermöglichen. Damit wird aus dem kleinen Gerät nicht nur ein stromsparender Rechner, sondern auch ein Kandidat für Anwendungen, die sonst eher klassische Tower-Setups verlangen.
Technisch baut das Flaggschiff Neo-X1 Pro auf einem AMD Ryzen 9 9955HX3D auf und kombiniert ihn mit einer NVIDIA GeForce RTX 5070 inklusive 12 GB VRAM. GMKtec positioniert das Modell mit 64 GB RAM und einer 2-TB-SSD für rund 2.500 Euro. Die günstigere Variante Neo-X1 kommt mit Ryzen 9 9955HX und einer RTX 5060 Ti (8 GB VRAM) und kostet laut Angaben etwa 1.800 Euro; beide Systeme erhalten zudem ein 850-Watt-Netzteil, Wi-Fi 7 sowie 2,5-GbE-LAN. Für IT-Entscheider ist dabei weniger die reine Wattzahl entscheidend, sondern die Frage, ob die Plattform in der Praxis dauerhaft thermisch stabil bleibt – und genau dafür ist die Flüssigkühlung ein zentraler Ansatz.
Der zweite Treiber ist die KI-Komponente, weil NPU-Leistung und Speicher direkt darüber entscheiden, ob lokale Inferenz ohne Cloud realistisch bleibt. Im Kontext neuer AMD-Generationen werden insbesondere Strix-Halo- und Strix-Point-Architekturen als Motor genannt, die KI-fähige Mini-Rechner vorantreiben. Als Beispiel wird der MINIX ER939-AI Pro angeführt, der in Japan startet: Er setzt auf „Ryzen AI Max+ 395“, bietet 128 GB LPDDR5X-8000-Speicher und verfügt über zwei 10G-LAN-Ports; der Preis liegt bei umgerechnet rund 3.750 Euro. Gleichzeitig taucht bei GMKtec mit dem EVO-X2 AI ein weiteres Modell auf, ebenfalls mit Ryzen AI Max+ 395, aber mit einer NPU mit 50 TOPS sowie 16 Zen-5-Kernen. Der Listenpreis von 2.079 Euro zeigt: KI-Performance in kompakten Geräten wird zunehmend zum eigenen Kaufargument.
Damit rückt auch der „Engineering-Fallstrick“ in den Blick: Nicht jede Konfiguration liefert die versprochene KI-Bandbreite gleichmäßig. Beim EVO-X1 Pro mit Ryzen AI 9 HX 470 (86 TOPS gesamt) bemängeln Tester den eingesetzten LPDDR5-6400-Speicher, weil er gegenüber LPDDR5X-7500 aus günstigeren Varianten spürbar langsamer ausfällt. Das ist mehr als ein Detail für Benchmark-Fans: In lokalen KI-Setups limitiert Speicherbandbreite häufig die Geschwindigkeit, mit der Modelle oder KV-Caches innerhalb der NPU-Workloads nachgeladen werden. Parallel liefert auch Intel-basierte Hardware ein Signal für den Trend zur Mini-NPU: Der GMKtec NucBox K13 mit Core Ultra 7 256V (Lunar Lake) erreicht laut genannten Ergebnissen im PCMark 10 7.695 Punkte und im 3DMark Time Spy 4.006 Punkte; zudem wird eine NPU-Leistung von 47 TOPS genannt, bei 8,3 Watt im Leerlauf und 28 Watt unter Volllast.
Abseits von Gaming rückt außerdem die industrielle Nutzung näher an die „Bürokompakten“ heran. In der Quelle wird die zunehmende Vernetzung von Industrie-Systemen als Risikoquelle für Angreifer beschrieben, weil Einfallstore bei kompakten Geräten oft unbemerkt bleiben. Für Unternehmen heißt das in der Praxis: Wenn NPU- und Netzwerkkapazität in viele Standorte wandert, müssen auch Patch- und Segmentierungsstrategien für diese Geräte mitwachsen. Genau hier spielt die Effizienz-Story der Hardware zusammen, denn Systeme mit niedrigerem Leerlaufverbrauch und passenden Schnittstellen lassen sich leichter in bestehende Anlagenlogiken integrieren. Als Beispiele werden der Geekom IT13 Max mit Intel Core Ultra 9 185H für Schnittstellenmix (RS232/RS485, Dual-2,5GbE, USB4) sowie der Beelink EQI mit Intel Core 3304 (Wildcat Lake) genannt, der im Leerlauf mit 4 Watt und bei 4K-Videowiedergabe mit 7 Watt auskommen soll; zudem verweist ASUS auf das 0,55-Liter-VM31 mit AMD Mendocino (Zen 2) als sehr kleines Bürogerät.
Dass der Markt zusätzlich Software-seitig angeheizt wird, unterstreicht schließlich der Schritt Richtung „lokale KI“. Alibaba habe am 2. August das Open-Weight-Modell Qwen3.8-27B angekündigt: Das Modell mit 27 Milliarden Parametern soll nur 14 bis 16 GB Speicherplatz benötigen und auf Mini-PCs mit 32 GB RAM flüssig laufen. Diese Rahmenbedingungen machen die lokale Nutzung ohne Cloud-Anbindung für mehr Teams plausibel – und erhöhen damit die Nachfrage nach kompakten Rechnern, die nicht nur viel RAM mitbringen, sondern auch eine NPU- oder zumindest zügige Inferenzpipeline bereitstellen. Zusammen mit Flüssigkühlung, schnellen Speicheroptionen und modernen Netzwerkschnittstellen wird die Mini-PC-Kategorie damit mehr und mehr zur echten Hardware-Alternative für KI-Workflows im Unternehmen.
Für den Einkauf bedeutet das: Die Entscheidung fällt weniger nach dem „klein und günstig“-Kriterium, sondern nach der Kombination aus thermischer Auslegung, Speicher- und I/O-Bandbreite sowie NPU-Realismus im jeweiligen Softwarestack. Die Quelle nennt zugleich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und schränkt Angaben zu Preisen und Märkten ein, aber die Richtung ist klar: Hersteller testen die Grenzen dessen, was in einem kompakten System ohne unpraktische Lautstärke oder Instabilität möglich ist. Wenn lokale Modelle tatsächlich mit moderaten RAM-Anforderungen auskommen, werden die nächsten Generationen von Mini-PCs nicht nur für klassische Aufgaben attraktiv, sondern auch für KI-Entwicklung, lokale Dokumentenverarbeitung und andere spezialisierte Workloads, die bisher an größere Setups gebunden waren.
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