FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Schwache US-Konjunkturdaten und die Ausweitung von Rückkäufen langlaufender Staatsanleihen drücken die Renditen und bringen Gold über die Marke der Vorwoche. Der US-Dollar fällt zum Euro auf ein Niveau seit Anfang Mai. Damit steigt Gold zeitweise deutlich, während steigende Ölpreise als Gegenwind für die nächsten Inflations- und Zinsrunden wirken. In den kommenden Wochen rücken besonders die Zinsentscheide der Notenbanken in den Fokus.

Der Goldmarkt hat in der vermeintlich ruhigsten Phase des Sommers eine klare Delle erlebt – und sich dann wieder spürbar zurück ins Plus gearbeitet. Ausgangspunkt waren zunächst eher geldpolitisch gelesene Signale aus den USA: Unterhalb der Erwartungen liegende Konjunkturdaten, zuletzt auch enttäuschende Einzelhandelsumsätze, senkten die am Markt veranschlagte Wahrscheinlichkeit von baldigen Leitzinserhöhungen. Für Gold ist das wichtig, weil geringere Zinserwartungen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls reduzieren und damit die Nachfrage stützen können.
Am Mittwoch kippte die Stimmung zusätzlich, als eine überraschende Ankündigung des US-Finanzministeriums über die Ticker lief: Geplant ist eine Ausweitung der Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen. Solche Maßnahmen wirken in der Regel doppelt – erstens auf die Renditen der betroffenen Laufzeiten, zweitens indirekt über den Wechselkurskanal. In der Folge rutschten die Renditen ab, und auch der US-Dollar gab spürbar nach: Zum Euro fiel er auf das tiefste Niveau seit Anfang Mai. Dass Gold darauf reagierte, zeigte sich schnell: Gegenüber dem Vortag schloss der Preis mit einem Plus von mehr als 4 %.
Damit war jedoch nicht automatisch das endgültige Ende der Volatilität erreicht. Laut der Marktbeobachtung aus der laufenden Woche dürfte als Gegenfaktor vor allem der Ölpreis wirken. Der hatte in den vergangenen Tagen spürbar angezogen, unter anderem weil die Fortschritte im Nahostkonflikt ausblieben. Für Gold und andere risikoorientierte und zinsabhängige Assets ist das deshalb relevant, weil höhere Energiepreise die Inflationsraten mittelfristig hochhalten können. Steigen die Inflationserwartungen, wächst wiederum das Risiko, dass Notenbanken weniger schnell oder sogar erneut restriktiver agieren – und genau dieses Szenario bremst häufig die Goldkursphantasie.
Der konkrete Wochenverlauf zeichnet diesen Wechsel aus Daten- und Renditendruck deutlich nach. Notiert wurde Gold zuletzt bei rund 4.385 US-Dollar je Unze, bevor es am Freitag im Tagestief noch einmal auf 4.312 zurückging. Anschließend stabilisierte sich der Kurs und beendete die Woche bei 4.375. Nachdem Gold seit Wochenbeginn meist seitwärts um die Marke von 4.400 US-Dollar gehandelt hatte, kam die entscheidende Bewegung mit der Kombination aus rückläufigen Renditen und einem nachgebenden Dollar. Das Wochenhoch wurde in der Nacht etwa bei 4.527 markiert; zum Zeitpunkt der Notiz lag der Preis bei 4.485 US-Dollar.
Auch im Euro-Kontext zog der Kurs an. Beim Xetra-Gold zeigte sich die Stärke im direkten Vergleich zur Vorwoche: Während der Preis zunächst von 122,50 Euro pro Gramm am vergangenen Donnerstagmorgen auf 120,20 fiel, setzte ab dem Nachmittag eine Erholung ein. Gestern Nachmittag wurde ein Anstieg bis auf 124,40 Euro beobachtet, und der heutige Handelstag startete bei 123,60 Euro. Diese Parallele zur Dollarbewegung unterstreicht, dass nicht nur der Edelmetallpreis selbst, sondern auch Währungsrelationen die Tagesperformance im Kapitalmarkt-Alltag prägen.
Mit dem Ende des Sommers rückt dann ein zweiter Hebel in den Vordergrund: die geldpolitische Kommunikation der Notenbanken. Besonders im Blick ist dabei das Fed-Symposium in Jackson Hole am letzten August-Wochenende, das traditionell als Bühne gilt, um Zins- und Inflationsnarrative zu schärfen. Für September werden zudem mehrere Zinsentscheide erwartet, wodurch die Datenlage kurzfristig noch stärker als „Entscheidungshilfe“ gelesen wird. Für Gold bedeutet das: In den kommenden Tagen dürften sich die Kurse weiterhin an Konjunkturdaten, an der Entwicklung der Staatsanleiherenditen und an der Risikokompensation durch Energiepreise orientieren.
Für Anleger und Unternehmen mit Goldbezug ist die nächste Phase daher weniger ein „Einmal-Effekt“ aus einer einzelnen Meldung, sondern eher ein fortlaufender Abgleich zwischen drei Variablen: Konjunktur, Renditen und Öl. Wenn schwache US-Daten den Zinsausblick drücken, bietet Gold Rückenwind. Wenn steigende Energiepreise hingegen die Inflationssorgen neu anheizen, kann genau dieser Rückenwind wieder abflachen. Genau in dieser Gemengelage entscheidet sich, ob die zuletzt erreichte Stärke nur eine Zwischenbewegung bleibt oder in Richtung neuer Kurszonen durchhält.
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