LONDON (IT BOLTWISE) – Google bringt mehrere neue Anti-Scam-Funktionen auf Android. In Google Messages aktiviert ein neuer Enhanced-Protection-Modus eine Analyse verdächtiger Inhalte in der Cloud und ergänzt Warnungen bei Links aus unbekannten Nummern. Zusätzlich erweitert Google Scam Detection für Chat-Benachrichtigungen auf viele weitere Android-Geräte weltweit. Weitere Neuerungen schützen beim Screen Sharing und verhindern, dass Apps Call Forwarding im Hintergrund stillschweigend einschalten.

Google nutzt den Start des Cybersecurity Awareness Month, um den Scam-Schutz auf Android-Geräten deutlich zu erweitern. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf einer einzelnen “Super-Funktion”, sondern auf einem Bündel aus Warnmechanismen an typischen Angriffspunkten: beim Messaging, bei problematischen Links, beim Teilen des Bildschirms sowie bei der Rufumleitung. Damit reagiert Google auf ein Muster, das in der Praxis immer wieder auftaucht: Scammer versuchen erst über Trust-Trigger (z. B. Chat-Nachrichten oder Links), dann über die Umleitung von Verifizierungsschritten und schließlich über soziale Ablenkung erfolgreich zu sein.
Konkreter wird das bei Google Messages. Später in diesem Monat können Nutzerinnen und Nutzer in den Google-Messages-Einstellungen den Modus „Enhanced Protection“ aktivieren. Laut Google schaltet dieser Modus Scam Detection in Verbindung mit einer „secure“ Cloud-Analyse ein. Er ergänzt Warnhinweise für Links, die aus Nachrichten unbekannter Nummern stammen, und liefert zudem einen Schutz vor schädlichen Links, der durch „Gemini Nano“ unterstützt wird. Google macht dabei auch klar, dass die neue Link-Schutzlösung über die bisherige Stufe hinausgeht: Sie soll auch ganz neue Domains adressieren, die noch nicht in einer vorhandenen Katalogliste enthalten sind. Für diese Funktion nennt Google als Voraussetzung allerdings neuere Hardware, unter anderem ein Pixel 10 oder neuer, eine Galaxy S26-Serie, Galaxy Z8-Foldables sowie weitere „select“-Geräte.
Ein zweiter Block betrifft Benachrichtigungen aus Chats. Google erweitert „Scam Detection“ so, dass eine Warnung („likely scam“) künftig global über viele Android-OEMs verfügbar sein soll. Namentlich nennt Google unter anderem HONOR, Infinix, Motorola, OnePlus, OPPO, TECNO, vivo und Xiaomi. Technisch ist das für den Nutzer vor allem im Alltag relevant: Die Warnung erscheint direkt in der Chat-Benachrichtigung, bevor der Inhalt im Detail geöffnet wird. Ein Tipp zum Verhalten folgt dann per Klick, etwa keine persönlichen Informationen zu teilen und keine Links oder Anhänge zu öffnen. Google verweist außerdem darauf, dass die Funktion zuvor exklusiv für Pixel-Geräte verfügbar war und nun breiter ausgerollt wird.
Auch außerhalb von Messaging setzt Google an einem häufig unterschätzten Angriffsweg an: dem Screen Sharing. Mit einer neuen „automatic screen-share privacy“-Funktion blendet das System beim Teilen des Bildschirms in Chrome oder über die Android System WebView automatisch sensible Bereiche aus. Dazu gehören Login-Felder sowie Zahlungsbildschirme. Google ordnet die Maßnahme ein, indem es betont, dass dieser Schutz bereits in nativen Apps existierte; neu ist hier die übergreifende Ebene über den Browser bzw. WebView. Für die Aktivierung nennt Google Android 15 als Voraussetzung oder eine neuere Version. Für Unternehmen und Power User ist das vor allem dann relevant, wenn es häufig zu Remote-Sessions kommt oder Nutzer in der Routine Bildschirme für Support, Schulungen oder Problemlösung freigeben.
Die vierte Änderung adressiert eine Angriffslogik, die sich direkt gegen die Authentifizierung richtet. Google verhindert demnach, dass Apps im Hintergrund still und heimlich Call Forwarding aktivieren. Stattdessen soll das Telefon künftig warnen, wenn ein potenzieller Scam versucht, die Rufumleitung durch eine technische oder manipulative Aktion zu setzen. Google verknüpft die Funktion ausdrücklich mit dem Schutz vor dem Diebstahl von Einmalpasswörtern (One-Time Passwords): Die Warnung soll Scammer daran hindern, Verifizierungsanrufe umzuleiten und so Zugriffsdaten zu erbeuten. Das Rollout-Fenster nennt Google für „early December“; verfügbar sein sollen zunächst Pixel-Geräte sowie weitere „select“-Telefone.
Was diese Neuerungen aus Sicht der KI- und Sicherheitsarchitektur besonders macht, ist die Kombination aus verschiedenen Abwehrzonen. In Messages und bei Link-Warnungen läuft erkennbar ein Hybrid-Ansatz: Lokale Signale plus „secure“ Cloud-Analyse und dabei eine Unterstützung durch Gemini Nano. Bei Chat-Benachrichtigungen zählt dagegen die frühe Interventionsstelle, weil der Nutzer nicht erst nach dem Öffnen von Inhalt reagieren muss. Der Screen-Share-Schutz arbeitet hingegen präventiv auf der UI-Ebene, also dort, wo Scam-Angriffe häufig auf Sichtbarkeit und Moment der Unachtsamkeit zielen. Und beim Call Forwarding ergänzt Google eine systemnahe Kontrollschicht, die nicht auf die Güte einzelner Apps vertraut, sondern unerwünschte Telefon-Weiterleitungen zentral überwacht.
Für den Markt bedeutet das: Android wird beim Scam-Schutz stärker zu einer Plattformfunktion statt zu einer reinen Geräte- oder App-Option. Besonders die globale Ausweitung der Chat-Warnungen über verschiedene OEMs reduziert die Hürde für Nutzer, die nicht auf Pixel-Geräte setzen. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von „select“-Hardware relevant, etwa beim verbesserten Link-Schutz, der neue Domains einbeziehen soll. In der Praxis dürfte das für IT-Verantwortliche vor allem eine Rolle spielen, wenn Mitarbeitende mit gemischten Android-Flotten arbeiten: Android 15 für Screen Sharing Privacy kann dabei zur Planungsgröße werden, während die Call-Forwarding-Prävention und die Enhanced-Protection-Optionen die Sicherheitsstrategie stärker an das OS und die Standard-Apps binden.
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