MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Google hat angekündigt, seine Quantencomputing-Aktivitäten um die Nutzung von Neutralatomen zu erweitern. Diese Technologie, die in Europa entwickelt wurde, bietet neue Möglichkeiten zur Reduzierung von Fehlerraten bei Quantenberechnungen. Europäische Startups wie Planqc sind bereits führend in diesem Bereich und könnten von Googles Interesse profitieren.

Google hat kürzlich bekannt gegeben, dass es seine Quantencomputing-Strategie um die Nutzung von Neutralatomen erweitern wird. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung von Quantencomputern, da sie eine neue Technologieplattform einführt, die in Europa bereits erhebliche Fortschritte gemacht hat. Während Google bisher auf supraleitende Schaltkreise gesetzt hat, eröffnet die Neutralatom-Technologie neue Möglichkeiten, insbesondere in Bezug auf die Reduzierung von Fehlerraten bei Quantenberechnungen.
Die Neutralatom-Technologie nutzt Atome wie Rubidium, Strontium oder Ytterbium, die im Vakuum mit Lasern auf extrem niedrige Temperaturen heruntergekühlt werden. Diese Atome werden in optischen Fallen fixiert und in einem Gitter angeordnet, um als Qubits zu fungieren. Durch gezielte Laserpulse können die Atome in einen hoch angeregten Zustand versetzt werden, der als Rydberg-Zustand bekannt ist, wodurch sie über größere Distanzen miteinander wechselwirken können.
Ein wesentlicher Vorteil der Neutralatom-Technologie ist, dass sie bei Raumtemperatur arbeitet, im Gegensatz zu supraleitenden Systemen, die extrem tiefe Temperaturen erfordern. Dies macht die Technologie technisch weniger aufwendig und ermöglicht die Bildung großer Gitter, die in Roadmaps bis zu 3000 Atome umfassen können. Allerdings sind die Fehler bei Quantenoperationen derzeit noch vergleichsweise hoch, was die Anzahl der Qubits in realen Systemen auf etwa 100 begrenzt.
Europäische Startups, insbesondere das deutsche Unternehmen Planqc, sind bereits führend in der Entwicklung von Quantencomputern mit Neutralatomen. Planqc, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik, arbeitet an der Installation eines Quantencomputers am Leibniz-Rechenzentrum in Garching. Bis Ende 2026 soll ein System mit 100 Qubits bereitstehen, das auf 1000 Qubits ausgebaut werden soll. Diese Entwicklungen unterstreichen die starke Position Europas in diesem Bereich, insbesondere in der Photonik, Lasertechnologie und Präzisionsoptik.
Googles Entscheidung, in die Neutralatom-Technologie zu investieren, wird als Bestätigung der europäischen Führungsrolle in diesem Bereich gesehen. Es bietet eine historische Chance für Europa, eine eigenständige und wettbewerbsfähige Quantenindustrie aufzubauen. Experten sind der Meinung, dass der Wettbewerb sich hin zu skalierbaren und wirtschaftlichen Plattformen verschiebt, wobei Neutralatome derzeit im Zentrum stehen.
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