LONDON (IT BOLTWISE) – GreenBuild360 geht mit NiTO Holzstein eine strategische Partnerschaft ein, um CO2-negative Bauweisen in die digitale Planung zu integrieren. Kern ist ein DIBt-zertifiziertes, leimfreies Vollholz-Bausteinsystem, das als seriell fertigbare Lösung für mehrgeschossige Wohn- und Gewerbebauten ausgerollt werden soll. Die Kooperation verbindet die Materialkompetenz aus dem Holzbau mit BIM- und BIM-basierten Ausführungsprozessen, um Montagezeiten vor Ort zu verkürzen. Im Fokus steht außerdem eine höhere Primärenergie-Effizienz bei gleichzeitig besserer Wiederverwendbarkeit der Bauteile.

Die neue Partnerschaft zwischen der GreenBuild360 GmbH und der NiTO Holzstein GmbH zielt weniger auf eine einzelne Bauformel als auf die Entkopplung von Baugeschwindigkeit und Nachhaltigkeitsversprechen. Während der konventionelle Hochbau vielerorts unter Stagnation leidet, soll eine standardisierte, seriell fertigbare Bauweise für mehrgeschossigen Wohn- und Gewerbebau einen praktischen Ausweg eröffnen. Die Grundidee: CO2-negatives Bauen wird nicht als Zusatzoption verstanden, sondern als Teil eines durchgängigen Bau- und Planungsprozesses. Genau an dieser Schnittstelle setzen die beiden Unternehmen an, indem sie ein leimfreies Holz-Bausteinsystem in die digitalen Planungsabläufe integrieren.
Technisch betrachtet basiert das NiTO-System auf modularen Voll- und Halbbausteinen aus zertifiziertem C24-Holz. Das Grundraster wird mit 40x40x15 cm beschrieben, wodurch sich die Bauteile strukturell in wiederholbare Rasterlogiken bringen lassen. Für die mechanische Verbindung sind Holznägel vorgesehen; zusätzlich kommt ein 5-cm-Nut-Feder-Stecksystem zum Einsatz, das die Verzahnung der Bauteile bereits auf der Baustelle vorbereitet. In der Praxis ist entscheidend, dass sich damit eine definierte Montageabfolge abbilden lässt, statt jedes Bauteil konstruktiv „nach Gefühl“ anzupassen. GreenBuild360 koppelt diese Bausteinstruktur wiederum an digitale Zwillinge sowie BIM-basierte Ausführungsplanung, sodass die Fertigungs- und Montageparameter plausibel durchgerechnet und mit den Bauunterlagen zusammengeführt werden.
Die Kommunikation der Partner folgt dabei einem klaren Leistungsargument: Neben der Wiederverwendbarkeit der Elemente wird die Effizienz der Rohbaumontage hervorgehoben. Zum einen wird eine 100 % Zirkularität adressiert, bei der Wandelemente nach einem Rückbau ohne Sortieraufwand direkt wiederverwendet oder in Kreisläufen geführt werden können. Zum anderen soll die Steckmontage die Montagezeiten vor Ort gegenüber klassischem Mauerwerksbau reduzieren; das ist insbesondere dann relevant, wenn Bauzeiten die Gesamtemissionen und die Kostenstruktur stark beeinflussen. Für den CO2-Fokus nennen die Angaben zudem eine maximale CO2-Senkenleistung: Jeder Kubikmeter verbautes Holz soll Kohlenstoff binden und die Kriterien des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) erfüllen. Ergänzt wird das Paket durch eine DIBt-Zulassung, die Bauvorhaben bis zu zwei Vollgeschossen plus Dachgeschoss abdecken soll, was für Nachverdichtung und Siedlungsbau einen engeren, aber realistischen Anwendungsrahmen definiert.
Auch die Frage, wie das Holzbausteinsystem in ein energetisches Gesamtkonzept eingebettet wird, spielt bei der Kooperation eine zentrale Rolle. Dafür ist laut Beschreibung die Kombination mit rein biobasierten Dämmstoffen aus Stroh, Hanf und Lehm vorgesehen. Solche Materialkombinationen sind in der Praxis oft mehr als nur Wärmeschutz: Sie beeinflussen Feuchteverhalten, Verarbeitungstoleranzen und damit indirekt auch die Bauabläufe. Hinzu kommen proprietäre Schnittstellen, die die Bauzeit weiter verkürzen sollen, sowie die konkrete Demonstration in ausgewählten Pilotprojekten. Damit wird aus einer reinen Bauteilinnovation eine Prozessinnovation: Nicht nur das Material, sondern auch der Datentransfer zwischen Planung, Ausführung und Montage soll wiederholbar funktionieren.
Auf der Marktseite ist die Partnerschaft zugleich eine Antwort auf zwei typische Engpässe im Bauwesen: steigende Materialkosten und lange Genehmigungsverfahren im traditionellen Hochbau. Wenn sich ein System standardisieren lässt und gleichzeitig im Rahmen einer Zulassung abbildbar ist, sinkt zumindest theoretisch der Bedarf an Einzelfallargumentation. Gleichzeitig adressiert das Konzept den Primärenergieverbrauch stärker als viele „isolierte“ Nachhaltigkeitsmaßnahmen, weil es auf ein System aus tragender Struktur, Dämmung und Planungskette abzielt. Genau hier wird es für Projektentwickler, Generalunternehmen und Bauherren interessant: Wer Bauzeiten reduziert und Planungsrisiken verringert, kann Kostenblöcke in frühen Phasen stabilisieren – gerade in Marktphasen, in denen Unsicherheit und Lieferketteneffekte sichtbar werden.
Im Gespräch mit Blick auf die eigene Zielrichtung wird bei GreenBuild360 die Nachhaltigkeit explizit als Effizienzsteigerung beschrieben. Falk Schumacher, Co-Gründer der GreenBuild360 GmbH, ordnet die aktuelle Baukrise dabei so ein, dass ökologische Ziele nur dann skalieren, wenn sie operativ in den Ablauf passen. Gleichzeitig betont die NiTO-Seite den Ansatz der Einfachheit: Thorsten Staritz, Co-Gründer der NiTO Holzstein GmbH, verweist darauf, dass der NiTO-Ansatz mit einer mechanisch durchdachten Logik auskommt. Für Unternehmen bedeutet das in der Folge vor allem eine neue Planbarkeit: Die Integrationsarbeit liegt nicht allein beim Bauunternehmen auf der Baustelle, sondern wird in Richtung BIM-basierter Ausführungsplanung und digitaler Prozessketten verschoben. Unterm Strich könnte die Kooperation damit jene Lücke schließen, die zwischen nachhaltigen Einzelkomponenten und einer tatsächlich serienfähigen Baupraxis entsteht.
Offen bleibt, wie stark sich die versprochenen Effizienzgewinne über Pilotprojekte hinaus in der Breite reproduzieren lassen – etwa in Abhängigkeit von Projektgeometrien, Nachbarschaftsbedingungen und dem Aufwand für Schnittstellen zwischen Planung, Fertigung und Montage. Dennoch zeigt das Setup aus DIBt-zertifiziertem Holzbausteinsystem, konkreten Rastermaßen, definiertem Steck- und Verbindungskonzept sowie BIM-gestützter Ausführungsplanung einen konsistenten Pfad: vom Bauteil bis zur Baustelle. Gerade in Kombination mit biobasierten Dämmstoffen und dem QNG-Bezug entsteht so ein Gesamtsystem, das eher wie ein industriell gedachtes Bauprodukt behandelt werden kann als wie ein Experiment. Für die nächsten Schritte wird entscheidend sein, wie schnell die Partnerschaft skalieren kann und wie reibungslos sich die digitalen Zwillinge im Projektalltag bis zur Montage durchziehen lassen.
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