SAN DIEGO / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Gründer der US-amerikanischen Spyware-Firma pcTattletale, Bryan Fleming, hat sich vor einem Bundesgericht in San Diego schuldig bekannt. Dies markiert den ersten erfolgreichen US-amerikanischen Bundesprozess gegen einen Stalkerware-Betreiber seit über einem Jahrzehnt. Die Verurteilung könnte den Weg für weitere Ermittlungen gegen Betreiber von Überwachungssoftware ebnen.

In einer wegweisenden Entscheidung hat Bryan Fleming, der Gründer der umstrittenen Spyware-Firma pcTattletale, vor einem Bundesgericht in San Diego seine Schuld eingestanden. Die Anklagepunkte umfassen Computerhacking, den Verkauf und die Werbung für Überwachungssoftware zu illegalen Zwecken sowie Verschwörung. Diese Verurteilung könnte als Präzedenzfall für zukünftige Ermittlungen gegen Betreiber von Stalkerware dienen.
Die Ermittlungen gegen pcTattletale begannen im Jahr 2021 durch die Homeland Security Investigations (HSI), eine Einheit des US-amerikanischen Einwanderungs- und Zollbehörde. pcTattletale war eine von mehreren Stalkerware-Websites, die im Rahmen einer umfassenderen Untersuchung des Marktes für Verbraucherspionagesoftware ins Visier genommen wurden. Diese Software ermöglicht es Nutzern, ohne das Wissen der Opfer deren Telefone und Computer auszuspionieren.
Fleming betrieb pcTattletale von seinem Wohnsitz in Bruce Township, Michigan, aus, was den US-Behörden den Zugriff erleichterte. Im Gegensatz zu vielen anderen Stalkerware-Betreibern, die ihre Identität verschleiern, trat Fleming offen als Gründer und Promoter seiner Software auf. In Videos auf YouTube warb er für pcTattletale und hob die Möglichkeit hervor, damit Ehepartner und Partner heimlich auszuspionieren.
Im Jahr 2024 wurde pcTattletale nach einem Datenleck geschlossen, bei dem ein Hacker die Website der Firma manipulierte und große Mengen an Daten stahl. Diese Daten, die sowohl Kunden als auch deren Opfer betrafen, wurden auf der Website Have I Been Pwned veröffentlicht. Trotz der Schließung war die Untersuchung gegen Fleming bereits weit fortgeschritten, was letztlich zu seiner Verurteilung führte.
Die Verurteilung von Fleming wird von Datenschützern und Aktivisten als bedeutender Sieg angesehen. Eva Galperin von der Electronic Frontier Foundation äußerte die Hoffnung, dass dieser Fall die Risikoberechnung für Hersteller von Stalkerware verändern könnte. Die Verurteilung zeigt, dass die Betreiber solcher Software nicht länger ungestraft davonkommen können.
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