SAARBRÜCKEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Eigentümerverband Haus und Grund drängt die Bundesregierung zu einer Neubauoffensive für bezahlbaren Wohnraum und verknüpft das mit konkreten Steuererleichterungen. Im Fokus stehen Entlastungen für Erstkäufer und Vermieter, etwa bei der Grunderwerbsteuer sowie durch Steuerfreibeträge für die erste vermietete Immobilie. Zudem kritisiert der Verband Konzepte, Neubauvorhaben primär über Institutionen umzusetzen, und fordert stattdessen Anreize für eine wachsende Zahl privater Immobilieneigentümer. Damit will er sowohl den Wohnungsmarkt entlasten als auch Wohneigentum als Baustein der Altersvorsorge stärken.

Haus und Grund fordert Neubauoffensive: Steuerentlastungen für Käufer und Vermieter
Haus und Grund fordert Neubauoffensive: Steuerentlastungen für Käufer und Vermieter (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Eigentümerverband Haus und Grund setzt die Bundesregierung unter Zugzwang: Wer in Deutschland nachhaltig mehr Wohnungen schaffen will, muss aus seiner Sicht die Rahmenbedingungen für privaten Neubau deutlich verbessern. Anlass ist der Zentralverbandstag in Saarbrücken, bei dem Verbandspräsident Kai Warnecke ein Umdenken beim Wohnungsbau verlangte. Im Kern argumentiert er, dass staatliche Lasten nicht weiter wachsen dürften, während gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger in die Lage versetzt werden müssten, dringend benötigten Wohnraum selbst zu schaffen. Damit verbindet der Verband wohnungspolitische Ziele direkt mit fiskalischen Anreizen und der langfristigen Sicherung von Vermögen.

Technisch betrachtet folgt der Vorschlag einer klassischen Logik aus Immobilienfinanzierung: Steuerliche Kostentreiber am Anfang der Kette wirken unmittelbar auf die Gesamtkapitalrendite, die Finanzierungshöhe und damit auf die Zahl realisierbarer Bau- und Kaufentscheidungen. Besonders relevant ist die Grunderwerbsteuer, weil sie beim Erwerb fällig wird, noch bevor Mieteinnahmen oder Wertsteigerungen die Liquidität verbessern können. Haus und Grund fordert daher eine Befreiung für Käufer, die nach dem Erwerb selbst einziehen. Da die Grunderwerbsteuer je Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises liegt, kann sie – gerade bei steigenden Zinsen und Baukosten – den Unterschied zwischen Kauf und Aufschub ausmachen.

Für Vermieter zielt der Verband auf einen zweiten Hebel: die frühe Phase nach dem Erwerb, in der Investitionen, Instandhaltung und gegebenenfalls Sanierungen häufig höhere Kosten verursachen, während steuerliche Entlastungen bisher begrenzt wirken. Konkret verlangt Haus und Grund Freibeträge für die erste vermietete Immobilie: Zum einen soll ein Teil der Grunderwerbsteuer erlassen werden, zum anderen sollen die ersten 6.000 Euro an Mieteinnahmen pro Jahr steuerfrei gestellt werden. Das würde die Einstiegshürde senken und die Vermietung als Einkommens- und Investitionsoption attraktiver machen. Experten aus dem Umfeld der Immobilienwirtschaft sehen darin vor allem einen Impuls für mehr private Angebote auf dem Markt.

Marktpolitisch setzt der Verband damit auch eine klare Gegenposition zu Vorstellungen, den Neubau stärker über staatlich oder staatsnah organisierte Akteure zu beschleunigen. Warnecke äußerte Bedenken, dass eine geplante Bundesbaugesellschaft nicht die gewünschten Ergebnisse liefern werde. Hinter der Kritik steht eine Wettbewerbsfrage: Während private Eigentümer ihre Investitions- und Sanierungszyklen typischerweise schneller ausrichten und lokale Projektstrukturen kennen, können großformatige Institutionen stärker an Vergabeverfahren, Budgetzyklen und Abstimmungsprozesse gebunden sein. Als Referenzrahmen werden in der Branche häufig Modelle anderer Akteure diskutiert, etwa Programme von Banken oder Förderbanken, die zwar Skalierung ermöglichen, aber ebenfalls durch Prozesszeiten begrenzt sind.

Auch im internationalen und historischen Kontext ist der Zusammenhang plausibel: In Deutschland wurde Wohneigentum über Jahrzehnte hinweg wiederholt als Stabilitätsanker verstanden, während in Bau- und Mietphasen oft steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen nachjustiert wurden. In der aktuellen Phase verschärfen jedoch mehrere Faktoren das Bild, darunter veränderte Zinsniveaus, gestiegene Bau- und Energiekosten sowie ein hoher Modernisierungsdruck. Haus und Grund verweist außerdem auf einen demografischen Trend: Besonders bei 25- bis 45-Jährigen sinkt der Anteil derjenigen, die in einer eigenen Immobilie leben. Wenn diese Generation dauerhaft stärker vom Mietmarkt abhängig bleibt, kann das langfristig die finanzielle Sicherheit beeinträchtigen – und damit auch die Bereitschaft, für den Ruhestand vorzusorgen.

Damit verknüpft der Verband seine wohnungspolitische Forderung explizit mit Altersvorsorge. Der Gedanke ist nicht nur moralisch oder sozial, sondern wirtschaftlich: Wohneigentum reduziert die Risiken, die aus dauerhaft steigenden Mieten entstehen können, und kann – abhängig von Finanzierung und Objektzustand – Vermögen aufbauen. Für jüngere Käufer unter 35 Jahren schlägt Haus und Grund deshalb einen zweckgebundenen Bonus vor, der helfen soll, Erwerbsnebenkosten zu stemmen. Parallel fordert der Verband steuerliche Erleichterungen für Sanierungsmaßnahmen, um Bestandsimmobilien attraktiver zu machen. Das ist zugleich eine Strategie gegen den Neubau-Stau, weil Modernisierung kurzfristig Wohnraumqualität erhöht, ohne auf den vollständigen Bauzyklus zu warten.

Wenn man die Vorschläge in eine systematische Vergleichsperspektive stellt, zeigt sich: Künftiger Erfolg hängt davon ab, welche Anreize stärker wirken – Kaufanreize, Vermietungsanreize oder Sanierungsanreize. Kauf- und Grunderwerbsteuerentlastungen verbessern unmittelbar die Eintrittsfähigkeit, wirken aber nur dort, wo die Käuferfinanzierung auch tatsächlich tragfähig ist. Sanierungs-Entlastungen erhöhen die Renditeerwartung über Energieeffizienz und Betriebskosten, benötigen jedoch eine Pipeline an geeigneten Projekten und Planungsressourcen. Vermieter-Freibeträge adressieren das Angebotsverhalten, riskieren aber, dass sie ohne flankierende Regeln nicht automatisch zu mehr Wohnraum führen. Als ergänzende Best Practice aus der Praxis gelten deshalb meist klar definierte Förderkriterien, Nachweispflichten und eine saubere Abstimmung mit Bau- und Energiepolitik.

Aus Regulierungs- und Sicherheitsaspekten ergeben sich zudem Anforderungen, die in solchen Debatten oft unterschätzt werden. Wenn Steuervergünstigungen oder zweckgebundene Boni digital beantragt und überprüft werden, müssen Datenflüsse datenschutzkonform gestaltet werden – etwa bei Nachweisen über Einzug, Sanierungsumfang oder Mietverhältnisse. Hier spielt die DSGVO eine Rolle, weil sensible personenbezogene Informationen entstehen können (z. B. Haushaltszusammensetzung, Vertragsdaten, Energie- und Baubeschreibungen). Auch aus Compliance-Sicht ist wichtig, dass Missbrauch durch klare Prüfpfade und revisionsfähige Dokumentation verhindert wird. Für Unternehmen in der Immobilienwirtschaft bedeutet das: Wer Prozesse für Anträge, Nachweise und Modellberechnungen anbietet, gewinnt an Relevanz.

Der Verband formuliert schließlich eine Roadmap als politisches Signal: Es brauche nicht nur neue Wohnungen, sondern eine neue Generation von Immobilieneigentümern. Für die Umsetzung würde das bedeuten, Hürden abzubauen, die heute Kauf und Vermietung ausbremsen, und Anreize so zu gestalten, dass sie Investitionsentscheidungen im richtigen Moment unterstützen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie die Bundesregierung die Vorschläge in ein Gesamtkonzept einbettet, das auch Baurecht, Energieanforderungen und Kapazitäten in Bauwirtschaft und Finanzierung berücksichtigt. Wenn Haus und Grunds Ansatz aufgegriffen wird, könnten sich für den Markt mittelfristig mehr Sanierungs- und Erstvermietungsprojekte ergeben – und damit eine spürbarere Entlastung für den Wohnungsmarkt, bevor der nächste Neubauzyklus voll durchschlägt.


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