LONDON (IT BOLTWISE) – Laut UBS spitzt sich die HBM-Knappheit so stark zu, dass selbst Nvidia die Speichermenge pro KI-GPU reduziert. Beim VR300 sinkt der geplante HBM4E-Gehalt je Chip von 768GB auf 512GB. Dadurch kann Nvidia trotz knapper Liefermengen mehr GPUs bauen, was die erwarteten VR300-Absatzmengen und die HBM-Nachfrage 2027 deutlich nach oben zieht. Für Micron veranlasst das eine über dem Konsens liegende EPS-Neubewertung bis 2028.

Die Diskussion um High Bandwidth Memory (HBM) bekommt einen spürbaren Realitätscheck: Wenn der Speicher zum Engpass wird, verschieben sich nicht nur Margen, sondern auch Hardware-Designentscheidungen. UBS beschreibt, dass die Lieferlage bei HBM so angespannt sei, dass Nvidia bei der geplanten GPU VR300 den Speicher pro Chip reduzieren musste. Im Kern geht es dabei um eine Art „strukturellen Reset“ der Ertragskraft, weil sich die KI-Beschleuniger-Hardware kurzfristig nach dem verfügbaren Speicherbudget richten muss – nicht umgekehrt.
Im UBS-Szenario wird der VR300 konkret: Aus dem ursprünglichen Plan mit 768GB HBM4E pro Chip wird offenbar eine Konfiguration mit 512GB. Diese Anpassung ist für die Systemarchitektur wichtig, weil HBM nicht nur Kapazität liefert, sondern auch die Datenanbindung zwischen Recheneinheiten und speicherintensiven Workloads. Gleichzeitig bleibt VR300 Teil der kommenden Rubin-Ultra-Linie von Nvidia, also jener Generation, die auf KI-Lasten und skalierende Trainings- sowie Inferenzpipelines optimiert ist. UBS argumentiert, dass die geringere HBM-Menge pro GPU Nvidia erlaubt, mehr GPUs aus derselben knappen HBM-Liefermenge zu fertigen – und damit die effektive Stückzahl bei gleichbleibender Lieferbegrenzung zu erhöhen.
Daraus leitet sich die mengen- und marktseitige Wirkung ab, die UBS in Zahlen übersetzt: Für 2027 hebt die Bank die Schätzung des weltweiten HBM-Verbrauchs auf 61,5 Milliarden Gigabits an, nachdem zuvor 58,7 Milliarden Gigabits genannt wurden. Noch relevanter ist dabei die Preisdimension. UBS verweist auf eine erneute Ausweitung des Preisaufschlags zwischen HBM und dem stärker verbreiteten DDR DRAM. Solange HBM knapp bleibt, wirkt sich das direkt auf die durchschnittlichen Verkaufspreise aus: Die Bank modelliert für 2027 einen Anstieg des industriellen, gewichteten HBM-Durchschnittspreises um ungefähr 79% gegenüber dem Vorjahr, zuvor waren es etwa 67%.
Die Preisannahmen kulminieren in einer konkreten Erwartung für HBM4E: UBS rechnet damit, dass der Speichermix in Richtung eines Preispunkts von „mehr als 30 US-Dollar pro Gigabyte“ driften könnte. Für die HBM-Ökonomie bedeutet das: Selbst wenn die Hardware pro GPU weniger Speicher enthält, kann der Wert pro eingesetzter Speicher-Ressource stark steigen. Damit verschiebt sich das Ertragsprofil der beteiligten Speicherhersteller gegenüber einem Normalfall, in dem Kapazitätserweiterung automatisch mit stabileren oder sinkenden Unit-Prices einhergeht. Gleichzeitig erklärt die Bank die Logik der Mengensteigerung: Weil die Speicherbeschränkung den Flaschenhals bildet, entsteht eine Art Mengenhebel über zusätzliche GPU-Stückzahlen.
Neben HBM schaut UBS auch auf NAND – und ordnet hier zumindest teilweise Entspannung durch den Markt für Server und Speicher-SSD ein. Laut UBS bewegen sich die Kontraktpreise im dritten Quartal weiterhin positiv, während die Schwäche aus Smartphones und PCs den Effekt nicht vollständig ausgleicht, aber der Preistrend insgesamt stabiler wirkt als in den zuletzt schwierigen Segmenten. Allerdings fallen die Quartalssteigerungen bei der Bankaussage „moderat“ kleiner aus als noch zuvor erwartet. Auf dieser Basis passt UBS die Nachfrageprognosen an: Für 2026 und 2027 wird das Wachstum der NAND-Bitnachfrage auf 23% bzw. 26% angehoben.
Für den Gesamtmarkt leitet UBS daraus eine NAND-Umsatzgröße ab, die 2026 bei rund 300 Milliarden US-Dollar und 2027 bei etwa 495 Milliarden US-Dollar liegen soll. Überträgt man das auf Micron, nutzt UBS die Speicherpreis- und Nachfrageannahmen, um das Zahlenwerk für das Unternehmen zu aktualisieren: Die Earnings-per-Share-Schätzungen für das Geschäftsjahr 2026 bis 2028 werden auf 74,13 US-Dollar, 184,89 US-Dollar und 265,65 US-Dollar korrigiert. UBS betont dabei, dass diese Werte deutlich über dem Konsens liegen, und verknüpft die These mit einer anhaltend starken Ertragsentwicklung; zudem seien die Erwartungen so modelliert, dass Micron EPS im Jahr 2029 weiter über 160 US-Dollar bleibt und das Unternehmen bis 2028 kumuliert mehr als 450 Milliarden US-Dollar freien Cashflow erwirtschaften könne. Auf dieser Basis hält die Bank das Kursziel von 1.625 US-Dollar – abgeleitet aus ungefähr dem 11-fachen des erwarteten EPS 2029 (rund 165 US-Dollar), diskontiert um ein Jahr zurück.
Für die Praxis bei KI- und Hardware-Teams liegt die zentrale Lehre weniger in der Frage, ob HBM „knapp“ oder „reichlich“ ist, sondern in der operativen Konsequenz: Sobald Lieferfähigkeit und Speicher-Budget dominieren, werden Produkt-Spezifikationen innerhalb einer Generation pragmatisch angepasst. Die HBM-Reduktion im VR300 ist dabei zugleich ein Hinweis auf die reale Durchsatzlogik in Rechenzentren: Hersteller optimieren nicht nur Modelltraining und Inferenz, sondern auch Ausbringung unter Komponentenrestriktionen. Genau diese Kopplung aus Supply-Side-Engpass, Preisaufschlag und Stückzahlhebel dürfte die nächsten Quartale prägen – mit direkten Auswirkungen auf Investitionszyklen in Speicher- und KI-Infrastruktur.
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