LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Kundendaten zeigen, dass wohlhabende Familien 2026 verstärkt zusätzliche Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsrechte in etablierten Ländern anstreben. Laut Henley & Partners kommen die Anfragen von mehr als 100 Nationalitäten in über 50 Ländern. Besonders ausgeprägt sei der Anstieg aus den USA mit einem Plus von 52 % binnen 18 Monaten. Als Treiber nennt das Unternehmen politische und regulatorische Volatilität sowie den Wunsch nach Stabilität und Handlungsoptionen.

Die Debatte um Mobilität und „zweite Heimat“ bekommt 2026 eine messbare neue Dimension: Laut aktuellen Kundendaten eines auf Residence- und Citizenship-Programme spezialisierten Beratungsunternehmens wächst die Nachfrage nach zusätzlichen Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsrechten überdurchschnittlich stark. Der Bericht beschreibt dabei keine klassische Auswanderungswelle, sondern eher eine strategische Reservebildung für den Fall, dass sich politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern. Genau diese Logik – Stabilität sichern, bevor der nächste Schock eintritt – zieht sich durch die Zahlen und die Einordnung des Unternehmens und macht die Meldung so interessant, auch wenn sie auf den ersten Blick wenig mit Technologie zu tun hat.
Technisch betrachtet steckt hinter der Nachricht auch ein Prozess- und Datenmodell, das in der Praxis häufig unterschätzt wird: Wer verschiedene Rechtsräume kombiniert, braucht eine konsistente Entscheidungslogik über Programme, Jurisdiktionen und Zeitachsen hinweg. Henley & Partners verweist darauf, dass der überwiegende Teil der Antragsteller bereits außerhalb des Herkunftslandes lebt. Das ist für Beratungs- und Antragsstrukturen ein Unterschied wie Tag und Nacht, denn damit steigen Anforderungen an Koordination, Dokumentation und an die Fähigkeit, unterschiedliche Rechts- und Verwaltungskulturen parallel zu managen. Laut Angaben wurden im bisherigen Jahresverlauf Kunden aus über 100 Nationalitäten bei Fragen zu Aufenthaltsoptionen und Staatsbürgerschaftsoptionen in mehr als 50 Ländern beraten; mehr als ein Drittel der Antragsteller lebt bereits außerhalb des Herkunftslandes. Für die operativen Abläufe bedeutet das: Nicht nur die politische Lage beeinflusst die Nachfrage, sondern auch der Grad an Internationalität in der Kundenbasis.
Der Marktteil der Meldung wird besonders greifbar, wenn man die geografische Verteilung der Herkunftsländer betrachtet. Den Angaben zufolge stellen US-Staatsangehörige weiterhin die größte Gruppe der Antragsteller nach Staatsangehörigkeit. Das Vereinigte Königreich liegt auf Platz 6, Deutschland auf Platz 10, während Frankreich im Ranking der Herkunftsländer von Platz 36 auf Platz 14 aufgestiegen ist. Auch Australien und Kanada zählen demnach inzwischen zu den 15 wichtigsten Herkunftsländern. Interessant ist dabei weniger nur das Ranking selbst, sondern die Signatur: Die Nachfrage kommt zunehmend aus hochentwickelten Volkswirtschaften, in denen Mobilität bereits zum Alltag gehört – und damit auch die Bereitschaft, rechtliche Optionen frühzeitig zu prüfen. Gerade diese Kombination aus Wohlstand, internationaler Lebensrealität und dem Wunsch nach Handlungsfähigkeit erklärt, warum sich die Anfragen nicht auf „neue“ Zielregionen beschränken, sondern auch in etablierten Demokratien verstärken.
Beim Blick auf zeitliche Dynamiken werden die Treiber noch konkreter. Laut dem Bericht lagen die Anträge französischer Staatsangehöriger Ende des dritten Quartals bereits nahezu auf dem Gesamtwert des Jahres 2025. Die Zahl der Anträge italienischer Staatsangehöriger habe zu diesem Zeitpunkt sogar über dem Vorjahresniveau gelegen. Besonders deutlich wird die Veränderung zwischen Q2 und Q3: Aus Frankreich wird ein Anstieg um 24 % genannt, aus Italien um 14 %. Für die USA nennt das Unternehmen darüber hinaus einen deutlichen Sprung: Die Zahl der Anträge amerikanischer Staatsangehöriger sei in den vergangenen 18 Monaten gegenüber dem vorangegangenen 18-Monats-Zeitraum um 52 % gestiegen. Gleichzeitig wird betont, dass nur 9 % der US-amerikanischen Antragsteller tatsächlich außerhalb der Vereinigten Staaten leben. Diese Gegenüberstellung – starker Anstieg bei dennoch vergleichsweise geringer Auslandsmigration – stützt die im Text beschriebene Logik der Vorsorge statt des sofortigen Umzugs.
Auch Brasilien wird als Beispiel für eine beschleunigte Entwicklung angeführt, wenn auch von einem niedrigeren Ausgangsniveau: Im dritten Quartal entspreche die Zahl der Anträge bereits der Gesamtzahl der Anträge der ersten beiden Quartale des Jahres 2026. Henley & Partners ordnet solche Muster nicht als „klassische“ Auswanderung ein, sondern als Diversifizierung über mehrere Rechtsräume hinweg. In der Aussage des CEO Dr. Juerg Steffen wird genau das Prinzip betont: In Phasen hoher Volatilität würden Menschen ihre Prioritäten stärker wahrnehmen; Familien hätten Diversifizierung bei Anlagen seit Langem im Blick und übertrügen dieses Prinzip zunehmend auch auf den Lebensmittelpunkt sowie auf Arbeits- und Zukunftsentscheidungen. Aus Sicht des Technologie- und Prozessmanagements lässt sich daraus eine generelle Konsequenz ableiten: Wenn unterschiedliche Optionen parallel bewertet werden, wächst die Bedeutung von strukturierten Entscheidungsgrundlagen, Dokumentenmanagement und nachvollziehbaren Prüfpfaden – also im Kern „Governance“ in einem besonders komplexen Umfeld.
Dass es dabei zunehmend weniger um ein Entweder-oder zwischen „Bleiben oder Weggehen“ geht, untermauern die Zahlen zu Programmbreite und Zielraum: US-Staatsangehörige sollen 2026 Anträge im Rahmen von 27 verschiedenen Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsprogrammen gestellt haben – in Europa, der Karibik, Lateinamerika und im asiatisch-pazifischen Raum. Zudem wird beschrieben, dass französische und italienische Antragsteller häufiger Optionen in mehreren Ländern sichern, statt sich auf ein einziges alternatives Zielland zu konzentrieren. Bei der Hälfte der italienischen Antragsteller sei man demnach weiterhin in Italien verortet, während die meisten französischen Antragsteller bereits außerhalb Frankreichs leben. Als konkretes Programmbeispiel nennt der Bericht das Italy Investor Visa Program: Ende des dritten Quartals lag die Zahl der Anträge bereits beim Gesamtwert des Jahres 2025; rund ein Drittel der Antragsteller waren US-Staatsangehörige. Der in der Meldung genannte Group Head of Private Clients, Dominic Volek, beschreibt dazu den strategischen Charakter: Familien würden ihre Möglichkeiten in verschiedenen Ländern prüfen und sich Wahloptionen sichern, bevor sie darauf angewiesen sind.
Für Unternehmen, Berater und auch für die digitale Infrastruktur rund um Identitäts- und Compliance-Prozesse ist das Muster deshalb relevant, weil es einen Markt schafft, in dem Geschwindigkeit und Datenqualität zählen. Wenn sich politische und gesellschaftliche Volatilität auf Entscheidungen auswirkt, verschiebt sich auch die Nachfrage nach Services: Nicht nur die Wahl des Programms, sondern die Fähigkeit, Antragsketten effizient vorzubereiten, wird zum Wettbewerbsfaktor. Der Bericht nennt als Hintergrund Proteste und politische Spannungen in ganz Europa sowie eine Häufung richtungsweisender Wahlen in Brasilien, Spanien, Serbien, Israel und den Vereinigten Staaten. In so einem Umfeld wird Planung zu einer variablen Größe; genau deshalb rücken hybride Strategien in den Fokus – mehrere Stationen, mehrere Rechtsräume, mehrere Optionen. Dass das Thema außerdem in den Programmpunkten einer „Global Citizenship Conference“ aufgegriffen wird, zeigt schließlich, dass der Diskurs nicht nur regulatorisch, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich geführt wird: Wie sich Vermögen, Lebensrealität und Mobilitätsrechte zueinander verhalten, beeinflusst zunehmend auch Dienstleistungs-Ökosysteme.
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