HO-CHI-MINH STADT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Stadt Ho-Chi-Minh-Stadt setzt mit Dekret Nr. 268/2025/ND-CP und einem Regelwerk nach Beschluss 23/2026/NQ-HĐND auf planbare Förderung für innovative Startups. Ab 1. Juli 2026 können Projekte aus der digitalen Technologiebranche je nach Bedarfskategorie Zuschüsse erhalten, etwa bis zu 400 Mio. VND für Technologie- und Softwarelizenzen. Zusätzlich werden KMU gezielt bei digitaler Transformation, Qualitätsstandards und Startup-Entwicklung unterstützt. Vorgesehen sind auch Mittel für das geistige Eigentum, damit Innovationen über die Registrierung hinaus wirtschaftlich verwertet werden können.

Ho-Chi-Minh-Stadt verschiebt die Startup-Förderung spürbar von der bloßen Anerkennung hin zur konkreten Umsetzungsfähigkeit. Ausgangspunkt ist das Dekret Nr. 268/2025/ND-CP, das mehrere Artikel des Gesetzes über Wissenschaft, Technologie und Innovation detailliert ausführt. Im Kern geht es dabei um die Förderung wissenschaftlicher, technologischer und innovativer Aktivitäten in Unternehmen, um die Anerkennung von Innovationszentren sowie um die Ausstattung eines Ökosystems für innovative Startups – inklusive Infrastruktur, Netzwerkbildung und standardisierten Verfahren, wie Organisationen und Personen im Startup-Umfeld anerkannt werden.
Damit nicht nur Fördermittel versprochen werden, knüpft die Akkreditierung an überprüfbare Kriterien an: Die Stadt nennt dafür Personalkapazität, Infrastruktur, Kooperationsnetzwerke, Wachstumspotenzial und die Ergebnisse der Unternehmensförderung. Akkreditierte Einrichtungen sollen dadurch einen besseren Zugang zu Förderprogrammen, Investitionsmitteln, Expertennetzwerken, Networking-Möglichkeiten und Innovationsförderketten erhalten. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil Anerkennung damit stärker an die Ausführbarkeit gekoppelt wird – also daran, dass Personal, Räume, Partner und messbare Outcomes zusammenpassen und nicht nur als Konzept auf dem Papier existieren.
Parallel zur Standardisierung arbeitet die Stadt nach Angaben im Regelwerk auch gezielt an der Förderung von Forschung, Anwendung und Kommerzialisierung von Technologien. Besonders konkret wird das durch Beschluss 23/2026/NQ-HĐND des Stadtvolksrats: Er legt Kriterien, Bedingungen, Verfahren, Inhalte sowie den Umfang der Unterstützung aus dem Stadthaushalt für innovative Startup-Projekte in der Technologiebranche fest. Für digitale Technologieprojekte eröffnet sich die Antragsspur ab dem 1. Juli 2026, und zwar entlang verschiedener Bedarfsgruppen, die sich an typischen Projektphasen orientieren: Kosten für den Erwerb von Technologie und Softwarelizenzen können bis zu 400 Millionen VND erreichen. Für Forschung und Entwicklung sowie Pilotproduktion sind bis zu 150 Millionen VND vorgesehen, für Schulung und Gewinnung von Experten bis zu 100 Millionen VND, während Rechts-, Finanz- und Wirtschaftsprüfungsberatung mit bis zu 50 Millionen VND beziffert ist.
Interessant ist dabei nicht nur die Höhe einzelner Töpfe, sondern auch die Projektlogik, die Förderfähigkeit definiert. Das Programm verlangt, dass digitale Technologien die Grundlage des Projekts bilden, dass es Markt- und sozioökonomische Probleme lösen kann und dass die Teams ausreichende Infrastruktur, personelle Ressourcen und finanzielle Mittel mitbringen – inklusive eines realisierbaren Umsetzungsplans. Außerdem muss das Projekt seine Fähigkeit zur Entwicklung neuer Produkte, zur Verbesserung der technologischen Effizienz und zur Kommerzialisierung nachvollziehbar machen. In der Praxis dürfte das die Qualität der Projektanträge erhöhen: Startups müssen weniger „Vision“ liefern und stärker zeigen, wie sie von der Technologieentwicklung zu Produktreife, Validierung und Marktstart kommen.
Zusätzliche Hebel zielt Ho-Chi-Minh-Stadt über das geistige Eigentum ab. Das städtische Programm für den Zeitraum 2025 bis 2030 unterstützt und fördert nicht nur die Registrierung von Rechten des geistigen Eigentums, sondern zielt explizit darauf, ihren Wert zu erschließen und sie zu kommerzialisieren. Die Fördersummen sind dafür gestaffelt: bis zu 30 Millionen VND für Patentanmeldungen, Schutz und die Anerkennung von Pflanzensorten, 15 Millionen VND für die Anmeldung von Geschmacksmustern und Marken sowie 60 Millionen VND für Anmeldungen von Schutzrechten im Ausland. Das kann für KI- und digitale Produktteams besonders wichtig sein, weil IP häufig als Brücke zwischen Forschungspartnerschaften und späteren Einnahmequellen dient – etwa über Lizenzierung, Schutz vor Nachahmung oder durch Verwertungsrechte in Kooperationen.
Für den Mittelstand kommt mit der Resolution Nr. 22/2026/NQ-HĐND eine weitere, klar strukturierte Unterstützungsschiene hinzu. Sie legt fest, wie viel finanzielle Hilfe für KMU in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Innovation und digitale Transformation bereitsteht, mit Schwerpunkt auf drei Gruppen: digitale Transformation, Qualitätsstandards und innovative Startups. Unternehmen können demnach 50 % der Kosten für digitale Transformationsmaßnahmen erstattet bekommen – darunter Beratung, Leasing, der Kauf digitaler Lösungen, geistiges Eigentum und Technologietransfer –, gedeckelt bis zu 170 Mio. VND. Für Beratung, Inspektion, Tests und Zertifizierung von Qualitätsstandards gibt es sogar 100%ige Förderung bis zu 90 Mio. VND. Zusätzlich werden 50 % der Kosten für Produktentwicklungsberatung, Schulungen und die Teilnahme an internationalen Wettbewerben für innovative Startups erstattet, ebenfalls bis zu 90 Mio. VND. Das adressiert damit zwei Engpässe zugleich: einmal die Fähigkeit, digitale Lösungen einzuführen, und zum anderen die Standardisierung, die bei Kunden- und Marktintegration oft erst Vertrauen schafft.
Abseits der Zahlen geht es schließlich um die Frage, wie Innovation in der Breite entsteht. Aus der Förderungskorrektur lässt sich ein strukturpolitischer Gedanke herauslesen: Die Effektivität von Innovationen hängt auch daran, Ressourcen zwischen Unternehmen, Universitäten und Startup-Projekten zu vernetzen. In der Debatte um ein Kooperationsmodell wird ein klassisches Muster kritisiert, in dem Unternehmen vor allem finanzieren und Hochschulen oder Studierende Projekte umsetzen. Stattdessen wird die Idee einer Co-Creation-Beziehung beschrieben: Unternehmen liefern reale Problemstellungen, Daten und Marktinformationen, beteiligen sich an Entwicklung und Bewertung, helfen bei Tests und werden zu frühen Kunden oder investieren gemeinsam in Entwicklung und Markteinführung. Genau an dieser Stelle wird die Wissensentwicklung praktisch: Ein konkretes Geschäftsproblem kann in Lerninhalte, studentische Projekte, angewandte Forschung, Startup-Projekte oder Kooperationen zwischen Hochschule und Unternehmen übersetzt werden, wodurch Universitäten zu offenen Innovationsquellen werden und nicht nur zu Lieferanten von Fachkräften.
Für die nächste Phase in Ho-Chi-Minh-Stadt bedeutet das: Die Fördermechanik zielt auf Nachweise von Umsetzung, auf IP-Verwertung und auf Vernetzung entlang echter Marktanforderungen. Startups in der digitalen Technologiebranche erhalten damit weniger „Starthilfe ohne Fahrplan“, sondern einen Rahmen, der Forschung, Pilotierung, Expertenteam-Aufbau, Prüf- und Beratungsleistungen sowie die anschließende Kommerzialisierung miteinander verzahnt. Gleichzeitig profitieren KMU, weil digitale Transformation und Qualitätszertifizierung nicht als isolierte Projekte laufen müssen, sondern direkt mit Innovations- und Startup-Aktivitäten gekoppelt werden können. Entscheidend bleibt, wie gut die Institutionen, die akkreditiert werden, diese Kette in der Praxis bedienen – denn erst wenn Personal, Infrastruktur, Partnernetzwerke und messbare Ergebnisse zusammenwirken, wird aus Förderung ein wiederholbarer Innovationsprozess.
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