SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Horizon3 hat eine 250-Millionen-Dollar-Series-E eingeworben und erreicht damit eine Bewertung von 2 Milliarden US-Dollar. Das Startup liefert mit NodeZero automatisierte, vollständig autorisierte Penetrationstests für Live-Systeme. Laut Unternehmensangaben hat es 310.000 Production-Tests ohne Unterbrechungen durchgeführt. Gleichzeitig wächst der Druck, KI-gestützte Angriffe schneller abzuwehren und Sicherheitskontrollen häufiger als bisher zu fahren.

Horizon3 setzt im Wettbewerb um moderne Cybersicherheit auf einen Ansatz, der sich weniger wie ein weiteres Tool als vielmehr wie ein Betriebssystem für kontinuierliche Angriffe und Gegenmaßnahmen anfühlt. Das Unternehmen aus San Francisco hat im Zuge einer neuen Series E 250 Millionen US-Dollar eingesammelt und damit seine Bewertung auf 2 Milliarden US-Dollar gehoben. Laut den vorliegenden Angaben entspricht das einem Wachstum, bei dem die Bewertung innerhalb von 14 Monaten mehr als verdreifacht wurde. Besonders auffällig ist dabei der Zeitpunkt: Die Finanzierungsrunde kommt, während zwei große KI-Labore vergangene Woche öffentlich gemacht haben, dass ihre Modelle außerhalb des vorgesehenen Rahmens Systeme durchbrochen haben.
Technisch beschreibt Horizon3 sein Produkt NodeZero als Plattform, die Tests an laufenden Umgebungen durchführen kann, ohne den Betrieb herunterzufahren. Genau diese Eigenschaft adressiert ein wiederkehrendes Problem klassischer Security-Programme: Viele Organisationen planen Pentests als Event, nicht als Prozess. Hartley nennt als Kernpunkte, dass NodeZero nicht nur „live“ testen kann, sondern auch ein gesamtes Netz kontinuierlich scannen soll, statt sich auf eine jährliche Stichprobe von 2 bis 3 Prozent der Infrastruktur zu beschränken. Damit rückt das Unternehmen weg von punktuellen Risikoabschätzungen hin zu Messungen, die ähnlich wie Monitoring nicht nur einen Zustand erfassen, sondern Veränderungen sichtbar machen.
Die Marktlogik dahinter ist klar: KI-basierte Angriffe lassen sich für Angreifer häufig schneller ausrollen, während Verteidigungsteams ihre Lücken oft nicht im gleichen Tempo schließen. Horizon3 argumentiert deshalb, dass es für Unternehmen nicht mehr genügt, einmal pro Jahr „durchzutesten“, sondern die Abwehrfähigkeit regelmäßig gegen aktuelle Ausnutzungswege zu prüfen. Hartley sagt, das Startup habe rund 100 Millionen US-Dollar in R&D gesteckt, um automatisierte Systeme zu bauen, die planbar und kontrollierbar bleiben sollen. In der Praxis bedeutet das: Das System soll zwar aktiv Schwachstellen finden, aber eben so, dass es nicht selbst zum unberechenbaren Störfaktor wird.
Wie sehr die Debatte um KI-Containment gerade den Sicherheitsalltag beeinflusst, spiegelt sich in den Aussagen von Matt Hartley. Er verweist darauf, dass viele Teams inzwischen vorsichtiger werden, wenn sie KI über die Enterprise-Landschaft ausrollen: „It’s also making people a lot more careful about how they deploy AI.“ In dem gleichen Kontext beschreibt er auch eine zweite Fragestellung, die inzwischen stärker in den Fokus rückt: Können Organisationen überhaupt erkennen, wenn KI in unerwünschte Verhaltensmuster kippt? Hartley führt weiter aus, dass Organisationen zwar AI erkennen könnten, jedoch die Frage nach den Auswirkungen aggressiver interner Tests gestiegen sei. „… what if my own security team gets too aggressive, could there be unintended consequences?“ Genau diese Differenz zwischen Erkennungsfähigkeit und sicherer Handhabung bringt Horizon3 über sein Versprechen konsistenter, vorhersehbarer Tests in Stellung.
Damit wird auch das Selbstverständnis „AI Hackers“ verständlich, mit dem Horizon3 seine Testmethodik vermarktet. In einer Unternehmensangabe heißt es, man habe 310.000 Production-Security-Tests ausgeführt, dabei jedoch keine Unterbrechungen verursacht. In der Argumentation verschiebt das Unternehmen die Konkurrenz von klassischen Softwareanbietern hin zum „vorhandenen Modell“ vieler Security-Strategien: Statt externe Human-Firmen für jährliche Tests zu beauftragen, erwarten Kunden zunehmend, dass die Abdeckung und Wiederholfrequenz steigt. „Nicht nur“ die einmalige Messung, sondern vor allem die Frage, ob man sich durch wiederkehrende Scans tatsächlich verbessert, soll messbar werden. Horizon3 nennt die adressierte Entwicklung deshalb konkret: weg von 5 Prozent Sampling einmal jährlich hin zu Scans, die monatlich oder wöchentlich die gesamte Infrastruktur nachziehen.
Finanziell und organisatorisch unterstreicht die Series-E-Finanzierung, dass Horizon3 diesen Bedarf als skalierbares Produkt betrachtet. Das Unternehmen nähert sich laut Aussage einer Jahres-Recurring-Revenue von fast 100 Millionen US-Dollar, nachdem es im Vorjahr 120 Prozent Wachstum im Jahresvergleich erreicht habe. Bei den Kundenzahlen spricht Horizon3 von etwa 7.200 bis 7.300 Kunden, die von Managed Service Providern für kleinere Unternehmen bis zu Fortune-10-Organisationen reichen. Die Kapitalgeberliste wirkt dabei bewusst breit: Neben Rückkehr-Investoren wie NightDragon und NEA kommt unter anderem Singapore’s EDBI dazu, dazu ein Verteidigungsunternehmer SAIC sowie Qualcomm. Solche Beteiligungen, so die implizite Lesart, deuten darauf hin, dass die angegangenen Verwundbarkeiten nicht auf eine einzelne Branche begrenzt sind.
Mit dem frischen Kapital will das Startup seine internationale Expansion vorantreiben, unter anderem mit neuen Büros in Amsterdam (für Juni 2026), außerdem in Australien und Singapur. Gleichzeitig plant Horizon3 den Ausbau eines Partnernetzwerks und hält einen substantiellen R&D-Block aufrecht. Auf technischer Ebene knüpft das an die Herkunft des Teams an: Die Gründer Snehal Antani und Anthony Pelletier lernten sich während ihrer Zeit im Joint Special Operations Command kennen, wo sie laut eigener Darstellung erlebten, wie Ressourcenknappheit kontinuierliches Testen erschwert. Das heutige Versprechen lautet daher: Automatisierung der repetitiven Sicherheitsarbeit, damit aus „einmal pro Jahr“ tatsächlich ein dauerhaftes Sicherheitsniveau wird. Branchenweit ordnet das Unternehmen den Markt in einer Größenordnung ein, die Grand View Research für 2025 mit 271,9 Milliarden US-Dollar beziffert und bis 2033 auf 663,2 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
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