WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Houskapreis 2027 startet mit einer Einreichphase bis 28. Oktober 2026 und stellt insgesamt 760.000 Euro Preisgeld für anwendungsnahe Forschung bereit. Ausgezeichnet werden Projekte, die wissenschaftliche Qualität in konkrete wirtschaftliche Wirkung überführen. Die Förderung richtet sich an Hochschulforschung, außeruniversitäre Forschung sowie Forschung & Entwicklung in KMU. Unternehmen müssen dafür klare Kriterien erfüllen, darunter etwa bestehende Umsätze am Markt.

Wenn aus einer Forschungsarbeit ein Produkt, ein Verfahren oder sogar ein neues Unternehmen wird, entscheidet selten nur die Laborleistung. Genau diese Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlicher Umsetzung setzt der Houskapreis der B&C Privatstiftung an. In der kommenden Runde geht der Preis in seine 22. Ausgabe, mit insgesamt 760.000 Euro als größter privater Preis für anwendungsnahe Forschung in Österreich. Damit wird weniger die reine Erkenntnis belohnt, sondern vor allem die Fähigkeit, sie in eine konkrete Anwendung zu übersetzen – ein Thema, das besonders im technologiegetriebenen Wettbewerb häufig über internationale Skalierung entscheidet.
Die Einreichphase für den Houskapreis 2027 läuft ab September und endet am 28. Oktober 2026, eingereicht wird ausschließlich online unter www.houskapreis.at. Für die Praxisrelevanz gibt es dabei je Kategorie unterschiedliche Anforderungen an den Reifegrad der Umsetzung. In der Hochschulforschung reicht es, wenn die wirtschaftliche Umsetzung unmittelbar bevorsteht oder bereits erfolgt ist; in der außeruniversitären Forschung muss sie bereits passiert sein. Bei KMU kommt zusätzlich hinzu, dass das Projekt abgeschlossen sein muss und bereits Umsätze am Markt erzielt, was die Bewertung stärker in Richtung Produkt- und Marktfähigkeit verschiebt.
Organisatorisch ist der Wettbewerb für Teilnehmende gut kalkulierbar: vergeben wird der Houskapreis 2027 in drei Kategorien – Hochschulforschung, außeruniversitäre Forschung sowie Forschung & Entwicklung in KMU. Teilnahmeberechtigt sind österreichische staatliche und private Universitäten inklusive Fachhochschulen, Christian Doppler Labors, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), heimische außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie kleine und mittlere Unternehmen. In allen Fällen gilt als gemeinsame Voraussetzung, dass die wesentlichen Forschungsleistungen in Österreich erbracht werden. Damit adressiert der Preis nicht nur einzelne Labore, sondern auch die regionale Innovationsbasis – ein Marktanker, wenn es um die längerfristige Finanzierung und den Ausbau von Transferstrukturen geht.
Für KMU sind die Kriterien deutlich konkreter. Die Unternehmen müssen der KMU-Definition von EU und FFG entsprechen, ihren Firmensitz und ihre wesentlichen Forschungsaktivitäten in Österreich haben, maximal 249 Mitarbeiter: innen beschäftigen und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro ausweisen. Zusätzlich müssen sie seit mindestens zwei Jahren bestehen, also vor dem 31. Dezember 2024 im Firmenbuch eingetragen sein, und sie dürfen in keinem Beteiligungsverhältnis zur B&C-Gruppe stehen. Interessant ist auch die Öffnung für jüngere Unternehmen innerhalb dieser Grenzen: Maßgeblich bleibt, dass die Innovationsleistung bereits in Umsätze überführt wurde. Dass das nicht nur theoretisch funktioniert, zeigt laut den Angaben zum Vorjahresjahrgang, dass alle drei Nominierungen in der KMU-Kategorie an heimische innovative Unternehmen gingen und der erste Platz an das Linzer Unternehmen sendance ging.
Die Bewertung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren, zunächst durch Fachbeiräte je Kategorie und anschließend durch eine international renommierte Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft. Je nach Kategorie fließen unterschiedliche Schwerpunkte ein: In der Hochschulforschung zählt die wissenschaftliche Qualität am stärksten, während bei KMU der wirtschaftliche Erfolg höher gewichtet wird und mit 40 Prozent in die Bewertung einfließt. Eingereicht werden je Antrag ein einseitiges Abstract auf Deutsch und Englisch sowie ein Dossier mit maximal zehn Seiten; für KMU darf das Dossier auf Deutsch oder Englisch formuliert werden, in den beiden anderen Kategorien ist Englisch vorgeschrieben. Auch inhaltlich wird die Einbettung in größere Ziele abgefragt: In allen Anträgen ist der Beitrag zu den SDGs zu beschreiben. Praktisch bedeutet das für Teams, dass sie ihre Ergebnisse nicht nur fachlich sauber darstellen, sondern auch nachvollziehbar in Nutzen, Wirkung und Zielbezug übersetzen.
Neben dem Houskapreis gibt es weitere Auszeichnungen. Pro Kategorie werden drei Projekte nominiert, wobei alle drei mit Preisgeld nach Hause gehen: 150.000 Euro für den ersten Platz, 70.000 Euro für den zweiten und 30.000 Euro für den dritten. Die Erstplatzierten erhalten zusätzlich die goldene Houskapreis-Statue. Darüber hinaus vergibt die B&C Privatstiftung den mit 10.000 Euro dotierten Mariella-Schurz-Preis an eines der nominierten Projekte, das von einer Oberstufenklasse ausgewählt wird. Bekanntgegeben werden die Nominierten im Februar 2027; die feierliche Verleihung findet am 20. April 2027 in Wien statt. Wer sich vorab informieren möchte, hat am 5. Oktober 2026 um 14 Uhr die Gelegenheit bei einer weiteren Online-Informationsveranstaltung; eine Anmeldung erfolgt per E-Mail.
Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist das Ausschreibungsdesign vor allem deshalb relevant, weil es die Hürden für den Transfer konkret beschreibt: statt „spannende Ergebnisse“ zählen umsetzungsnahe Zeitpläne, dokumentierte wirtschaftliche Umsetzung und bei KMU bereits erzielte Umsätze. Wer KI oder andere datengetriebene Verfahren entwickelt, kann diese Logik zudem als Orientierung nutzen: Entscheidend ist nicht nur die Modellqualität, sondern wie sich ein Ansatz in bestehende Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen überführen lässt – und wie diese Wirkung messbar wird. Insgesamt verschiebt der Houskapreis damit den Fokus auf ein Thema, das im Alltag der Innovationsteams oft die größte Engstelle ist: die konsequente Brücke von Forschung zu Markt, inklusive der dafür notwendigen Unterlagen, Nachweise und Bewertungskriterien.
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