LONDON (IT BOLTWISE) – HPE arbeitet mit Rigetti Computing und dem Pittsburgh Supercomputing Center am Aufbau von TangleLab. Die NSF-finanzierte Testumgebung soll Quantenprozessoren und klassische Supercomputer in einer gemeinsamen Infrastruktur zusammenführen. Damit verschiebt der Konzern den Schwerpunkt von theoretischen Fortschritten hin zu praxisnahen Hybrid-Anwendungsfällen. Gleichzeitig zeigt die jüngste Ergebnisentwicklung, dass das Networking-Geschäft mit der Juniper-Integration stark skaliert.

Hewlett Packard Enterprise (HPE) nutzt die nächste Stufe seiner Infrastruktur-Strategie, um Künstliche Intelligenz, High-Performance-Computing und Quantenforschung enger zu verzahnen. Im Zentrum steht TangleLab, eine durch die National Science Foundation (NSF) geförderte Testumgebung für hybrides Quanten- und Klassik-Computing. Gemeinsam mit Rigetti Computing und dem Pittsburgh Supercomputing Center sollen dort Architekturen und Betriebsabläufe so erprobt werden, dass Quantenprozessoren nicht als isolierte Inseln betrachtet werden, sondern als Teil eines Gesamt-Workloads mit klassischen Ressourcen.
Technisch betrachtet adressiert TangleLab genau jene Engstellen, an denen hybride Systeme in der Praxis scheitern können: Daten müssen so zwischen den Stufen fließen, dass die Laufzeitverluste durch Kopplung, Mess-Overheads und Abstimmung nicht den Nutzen überdecken. Ein hybrides Setup bedeutet in diesem Kontext nicht nur „Quanten plus Server“, sondern eine abgestimmte Pipeline aus Scheduling, Ressourcenallokation und Software-Integration. HPE bringt dafür seine Erfahrung aus Hochleistungsrechenzentren und HPC-Architekturen ein, also aus Umgebungen, in denen die Effizienz von Netzwerken, Speicherpfaden und Jobsteuerung über die reale Performance entscheidet.
Der Gedanke dahinter ist auch wirtschaftlich nachvollziehbar. Reine Quantencomputer gelten in weiten Teilen der Industrie noch als schwer planbar, weil die Rentabilität und die breite Anwendbarkeit stark von Fortschritten bei Fehlerkorrektur, Skalierung und Systemstabilität abhängen. Hybrid-Ansätze gelten dagegen als realistischere Zwischenebene: Für Use Cases wie Logistik-Optimierung, Teile der Pharmaforschung oder auch Labor- und Sicherheitsanalytik können sich Vorteile ergeben, wenn Quantenverfahren gezielt Teilprobleme übernehmen und der Rest weiterhin auf bewährten Klassik-Compute-Ressourcen läuft. Entscheidend ist, dass die Testumgebung nicht nur Experimentierhardware bereitstellt, sondern auch die Rahmenbedingungen für „effizientes Zusammenarbeiten“ über Systemgrenzen hinweg.
Während TangleLab auf die Zukunft einzahlt, zeigt HPE gleichzeitig operative Dynamik im Kerngeschäft. Für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres nennt der Bericht einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 0,79 US-Dollar; das liegt deutlich über den genannten Erwartungen von 0,53 US-Dollar. Der Umsatz stieg auf 10,7 Milliarden US-Dollar und damit um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders hervorgehoben wird das Segment Networking: Durch die Integration von Juniper erzielte es einen Umsatzzuwachs von 148 Prozent. Genau diese Kombination ist für die Marktlogik wichtig, weil Networking in Rechenzentren zunehmend als Engpassbereich wahrgenommen wird – nicht nur für klassische Datenströme, sondern auch für KI-Trainings- und Inferenzlasten, die große Bandbreiten und geringe Latenz benötigen.
Parallel dazu verschiebt sich das Investoreninteresse stärker auf Infrastruktur- und KI-getriebene Werte. Laut den genannten Zahlen lagen die Cloud- und KI-Erlöse zuletzt mit 7,71 Milliarden US-Dollar über Prognosen. Gleichzeitig prüft der Markt, ob hohe Investitionen in zukünftige Erträge münden. Für das Geschäftsjahr 2026 hob das Management die Umsatzwachstumsprognose auf eine Spanne von 29 bis 33 Prozent an. Für Unternehmen, die HPE als potenziellen Lieferanten von Rechenzentrumskapazität und Netzwerk-Modernisierung bewerten, ist das ein Signal: Die Story hängt nicht ausschließlich an neuen Technologien, sondern soll über Cashflow- und Wachstumstreiber unterlegt werden – auch wenn der Übergang zu quantenbasierten Routinen naturgemäß zeitlich stufenweise verläuft.
Auch an der Börse spiegelt sich die positive Entwicklung in Kursbewegungen wider. Das Papier schloss bei 41,51 Euro und liegt seit Jahresbeginn bei plus 101,26 Prozent. Gleichzeitig zeigt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch mit rund -24,80 Prozent, dass die Rallye zwar stark war, das Bewertungsbild aber noch Spielraum für weitere Neubewertungen offen lässt. Analysten bleiben damit überwiegend optimistisch: Goldman Sachs bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 79 US-Dollar, die Bank of America sieht mit 80 US-Dollar weiteres Potenzial. Der Konsens wird als moderater Kauf beschrieben; als zentrale Wachstumstreiber werden das starke Networking-Geschäft sowie die Ambitionen im Bereich der Quanten-Infrastruktur genannt. Zusätzlich plant HPE, für das kommende Geschäftsjahr 2027 rund 75 Prozent des freien Cashflows an die Aktionäre auszuschütten.
Für die Branche folgt daraus eine klare Leitlinie: Wer KI und Quantenforschung ernst nimmt, braucht beides – stabile Rechenzentrums- und Netzwerkinfrastruktur heute und passende Kopplungs- und Testumgebungen für morgen. TangleLab kann dabei als technisches Scharnier verstanden werden, das nicht nur Hardware koppelt, sondern auch den Betrieb hybrider Workloads testbar macht. Gleichzeitig verdeutlicht die Juniper-getriebene Networking-Entwicklung, wie wichtig HPEs Umsetzungskraft ist, wenn daraus belastbare Plattformen entstehen sollen. Für Entscheider bedeutet das: Beim Aufbau von KI-Workloads lohnt es sich, die Architektur so zu wählen, dass spätere Erweiterungen um hybride Quanten-Elemente zumindest konzeptionell anschlussfähig bleiben – und dass Lieferketten, Integrationsaufwände und Betriebskonzepte nicht erst dann adressiert werden, wenn der Pilot bereits läuft.
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