SPRING, TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Hewlett Packard Enterprise hebt seine Umsatzprognose für 2025/26 deutlich an, weil die Nachfrage nach KI-Infrastruktur stabil bleibt und sich ausweitet. Der Ausblick steigt von einer früheren Spanne auf 29 bis 33 Prozent mehr Erlöse im Prognosejahr. Gleichzeitig zeigen die Zahlen zum zweiten Quartal ein starkes Wachstum bei Servern und ein über den Erwartungen liegendes Ergebnis. Damit rückt HPE erneut ins Zentrum der Unternehmens-IT, in der KI-Workloads weltweit die Hardware-Planungen beschleunigen.

Hewlett Packard Enterprise (HPE) stellt die Weichen für das kommende Geschäftsjahr und hebt seine Umsatzprognose für 2025/26 deutlich an. Ausschlaggebend ist die anhaltend robuste Nachfrage nach KI-Infrastruktur, also nach Rechen- und Speicherarchitekturen, die sich für Training, Inferenz und Datenpipelines in Unternehmen eignen. In einer Zeit, in der viele IT-Abteilungen ihre KI-Strategien erst skalieren, aber bereits Budgets für Rechenzentren freigeben, wirkt die neue Guidance wie ein Signal: Der KI-Stack beginnt nicht bei der Modellwahl, sondern bei der physisch verfügbaren Kapazität.
Konkret kalkuliert HPE nun mit einem Erlöswachstum von 29 bis 33 Prozent im Geschäftsjahr 2025/26. Das entspricht einer klaren Korrektur gegenüber der zuvor kommunizierten Spanne von 17 bis 22 Prozent. Als Grundlage nennt das Unternehmen einen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr von 34,3 Milliarden US-Dollar (rund 29,5 Milliarden Euro). Technisch passt die Erwartung zu einer wiederkehrenden Dynamik: KI-Infrastruktur wird über mehrere Quartale geplant, beschafft und ausgerollt, wobei sich Verzögerungen oder Engpässe erst zeitversetzt in den Finanzkennzahlen widerspiegeln. Entsprechend wird die Prognoseanpassung vor allem als Nachlauf auf aktuellere Beschaffungs- und Integrationszyklen gelesen.
Die Reaktion am Kapitalmarkt fiel entsprechend deutlich aus. Im nachbörslichen Handel stieg der Aktienkurs um nahezu 30 Prozent, nachdem die Aktie im regulären Handel zuvor bereits um 9,2 Prozent zugelegt hatte. Für den Markt ist dabei weniger die absolute Prozentzahl entscheidend als die Richtung und die Glaubwürdigkeit der Annahmen: Wenn Guidance nach oben korrigiert wird und Analysten zuvor niedrigere Erwartungen hatten, gilt das als Bestätigung der Wachstumsstrategie. HPE positioniert sich dabei als Zulieferer einer Infrastruktur-Schicht, die häufig kurzfristig skalierbar sein muss, ohne dass Unternehmen ihre gesamte Plattform-Strategie neu ausrollen können.
Auch operativ untermauert HPE die Aussage. Im zweiten Quartal 2025/26 meldet das Unternehmen einen Umsatzanstieg von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 10,7 Milliarden US-Dollar. Besonders wichtig ist der Server-Bereich: Hier legte HPE um 33 Prozent auf 5,5 Milliarden US-Dollar zu und stärkt damit den Haupttreiber der KI-getriebenen Nachfrage. Solche Wachstumsraten sind für Enterprise-IT-Unternehmen bemerkenswert, weil Serverkäufe in der Regel in Projektfenster und Rechenzentrums-Refresh-Zyklen fallen. Die Verzahnung von Angebot, Wartungs- und Integrationsleistungen sowie potenziellen Leasing- oder Konsummodellen entscheidet dann darüber, wie schnell Kapazitäten am Standort verfügbar sind.
Der KI-Boom wirkt dabei vor allem über eine infrastrukturelle Logik: Häufig werden klassische Serverkomponenten in eine KI-Umgebung eingebunden, sodass sich Compute-Ressourcen (inklusive Beschleunigern je nach Architektur) effizient einsetzen lassen. HPE verweist auf eine dreistellige Wachstumsdynamik bei Aufträgen im Serversegment und betont damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Technisch ist diese Entwicklung vergleichbar mit früheren Wellen in der Unternehmens-IT, nur mit höherem Bedarf an Parallelität, Speicherdurchsatz und Netzwerkbandbreite. Der Unterschied liegt darin, dass KI-Workloads typischerweise stärker als klassische Anwendungen von Skalierung in Clustern und von gleichmäßiger Performance über viele Knoten profitieren.
Im Ergebnisniveau liefert HPE ebenfalls mehr als vom Markt erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg auf 79 Cent und damit auf mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts. Für das laufende Jahr prognostiziert das Unternehmen einen bereinigten Gewinn zwischen 3,35 und 3,45 US-Dollar; zuvor hatte HPE lediglich 2,30 bis 2,50 US-Dollar in Aussicht gestellt. Hier zeigt sich eine typische Folge steigender Serverumsätze: Margen können steigen, wenn die Nachfrage die Auslastung stabilisiert und wenn Service- und Integrationskomponenten stärker nachgefragt werden. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von Lieferketten und Komponentenpreisen ein zentraler Risikofaktor, der in der Prognose weiterhin mitgedacht werden muss.
Für die Einordnung lohnt der Blick in den Wettbewerb. In der Vorwoche sorgten starke Zahlen des Wettbewerbers Dell für Auftrieb in der gesamten Branche, was HPEs Position im Markt zusätzlich unterstreicht. Auf Expertenebene argumentieren viele Marktbeobachter ähnlich: KI treibt nicht nur „mehr Hardware“, sondern vor allem „planbarere Investitionszyklen“, weil Unternehmen KI-Projekte zunehmend als Plattformprogramme statt als Einzel-PoC starten. Ein Analyst brachte es sinngemäß auf den Punkt: „Wer KI-Infrastruktur zuverlässig liefern und integrieren kann, wird bei knappen Rechenzentrumsbudgets bevorzugt behandelt.“ Solche Einschätzungen erklären, warum Guidance-Anhebungen kurzfristig stark auf die Kurse wirken.
Mit Blick auf die kommenden Quartale dürfte die entscheidende Frage sein, wie HPE die Nachfrage in nachhaltige Kundenbeziehungen übersetzt. Für Enterprise-Anwender bedeutet das: Wer KI-Workloads ausrollt, muss nicht nur Kapazität beschaffen, sondern auch Betrieb, Sicherheit und Compliance von Anfang an mitplanen. In diesem Kontext spielen Datenschutz und Sicherheitsarchitekturen eine wachsende Rolle, etwa wenn Schulungsdaten, Nutzungsdaten und Metadaten im Rechenzentrum verarbeitet werden und dabei der europäische Rechtsrahmen wie die DSGVO, Auftragsverarbeitung und Grundsätze zur Datentransparenz tangiert werden. Künftig wird außerdem wichtig, wie gut KI-Infrastruktur sich in Monitoring-, Patch- und Policy-Workflows einfügt, um Security- und Skalierungsziele gleichzeitig zu erfüllen. Für Entwickler und Integratoren entsteht daraus eine Chance: Die Nachfrage verschiebt sich von isolierter Modellforschung hin zu skalierbarer Plattform-Integration, bei der Softwareteams eng mit Hardware- und Rechenzentrums-Spezialisten zusammenarbeiten müssen.
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