BIELEFELDER WISSENSWERKSTADT / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim zweiten HSBI Startup Award haben Breakomers und OptiSphere die Hauptkategorien gewonnen. Breakomers erhielt 3.000 Euro für ein Recyclingkonzept, das Schaumstoff-Bauteile später wieder in Ausgangsstoffe zerlegen soll. OptiSphere wurde mit 2.000 Euro ausgezeichnet, weil die Software industrielle Prozesse verbessern und Testläufe in der Produktion reduzieren soll. Ergänzend ging der Sonderpreis Gesundheit an AVOR Medical Intelligence für ein KI-gestütztes Recherchewerkzeug in Onkologie und Hämatologie.

In der Bielefelder Wissenswerkstadt standen beim zweiten HSBI Startup Award nicht Pitch-Slogans im Vordergrund, sondern konkrete Ansätze entlang der Wertschöpfung: vom Rohstoffkreislauf bis zur verlässlicheren Prozessentwicklung. Insgesamt hatten sich den Angaben der Hochschule zufolge 63 Teams beworben, neun schafften es in die Endrunde. Rund 250 Gäste verfolgten das Finale, das damit auch als Schnittstelle zwischen Wissenschafts-Ökosystem und anwendungsnaher Produktentwicklung wirkt. Dass Recyclingfokus und Industrie-Software gleichberechtigt im Zentrum standen, zeigt zudem, wie stark der regionale Startup-Wettbewerb auf technologiegetriebene Problemlösung statt auf reine Dienstleistungsmodelle setzt.
Den mit 3.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Startup sicherte sich Breakomers. Das Team arbeitet an Schaumstoff für den Kreislauf: Konkret geht es darum, einen Ausgangsstoff für die Schaumstoffproduktion so zu verändern, dass das Material später wieder in seine Ausgangsstoffe zerlegt werden kann. Für die Hochschule ist damit ein Schlüsselproblem adressiert, das in vielen Recyclingketten bislang bremst: Wenn Verbund- oder Formulierungsanteile nicht gezielt rückführbar sind, bleibt am Ende häufig nur Downcycling oder eine energetische Verwertung. Im Pitch-Ansatz von Breakomers steht dagegen die Rückgewinnung in einem geschlossenen Materialkreislauf im Fokus – genannt wird als Anwendungsfall das Recycling von Matratzen.
Wie stark solche Materialkonzepte von der Ausgestaltung der chemischen oder physikalischen Eigenschaften abhängen, macht auch die zweite Hauptkategorie deutlich. OptiSphere gewann in der Kategorie Idee und erhält 2.000 Euro. Das Team entwickelt Software, die industrielle Prozesse verbessern soll und gleichzeitig die Zahl notwendiger Testläufe in der Produktion reduzieren will. In der Praxis bedeutet das typischerweise: Weniger Trial-and-Error an der Anlage, dafür eine bessere Planbarkeit über Daten, Modelle und den kontrollierten Einsatz von Parametern. Gerade im Produktionsumfeld sind Testläufe oft teuer, weil sie Stillstandszeiten, Ausschuss und Materialaufwand nach sich ziehen; wenn Software hier greift, kann sich der Nutzen schnell in kürzeren Entwicklungszyklen niederschlagen.
Mit dem Sonderpreis Gesundheit zeigte der Wettbewerb außerdem, dass KI-gestützte Werkzeuge nicht nur in der Forschung, sondern auch in der täglichen Informationsarbeit Relevanz haben. AVOR Medical Intelligence wurde bereits am 25. September beim Unternehmertag Gesundheit an der HSBI ausgezeichnet. Das Team entwickelt ein KI-gestütztes Recherchewerkzeug für Fachleute der Onkologie und Hämatologie; die Auszeichnung wurde vom Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL gestiftet. Solche Systeme können den Arbeitsalltag vor allem dann verbessern, wenn sie strukturierte Such- und Extraktionsaufgaben übernehmen, etwa indem sie aus großen Mengen an Fachinformationen gezielt relevante Inhalte auffinden. Der konkrete Mehrwert hängt in der Umsetzung aber immer davon ab, wie gut die Recherchekontexte abbildbar sind und wie nachvollziehbar Ergebnisse für medizinische Anwender bleiben.
Organisatorisch war der Wettbewerb an regionale Verankerung gebunden: Voraussetzung für die Teilnahme war eine Verbindung der Teams zu einer staatlichen Hochschule in der Region. Dass die Fördergesellschaft der HSBI die Preisgelder der Kategorien Startup und Idee bereitstellte, unterstreicht zugleich, dass hier nicht nur Wettbewerb, sondern gezielte Unterstützung für frühe Entwicklungsphasen im Vordergrund steht. Die NRW.BANK unterstützte die Veranstaltung als Hauptsponsor, was auf eine längerfristige Ausrichtung des Ökosystems hinweist. Für Startups ist genau diese Kombination aus Preisgeld, Sichtbarkeit und Hochschulnähe häufig ein entscheidender Hebel, um aus einem Prototypen schneller Pilotansätze zu machen.
Technisch lassen sich aus den drei Erfolgsbeiträgen auch unterschiedliche Reifegrade des Innovationsprozesses ablesen: Breakomers adressiert ein Recyclingproblem über einen Materialansatz, OptiSphere setzt bei Software zur Prozessoptimierung an, und AVOR Medical Intelligence kombiniert KI mit einem klaren Nutzerprofil aus der Medizin. Für die nächsten Schritte dürfte deshalb weniger die Frage „Was ist neu?“ im Zentrum stehen, sondern „Wie wird aus der Idee ein skalierbares System?“ Beim Recycling hängt das besonders an der Rückführbarkeit und an robusten Produktionsbedingungen; bei der Industrie-Software an der Qualität der Datenbasis und daran, wie stark sich Ergebnisse auf unterschiedliche Produkt- und Anlagenvarianten übertragen lassen. Im Gesundheitskontext wiederum entscheidet der Weg von der Rechercheunterstützung hin zu verlässlichen Workflows, die in der Praxis tatsächlich Zeit sparen und die Qualität der Informationsfindung erhöhen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Machbarkeit und Skalierung setzen Hochschul-Startups in der Regel den größten Hebel.
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