BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die HTW Berlin hat am 2. September 2026 gemeinsam mit der Berliner Sparkasse die HTW Startup Challenge 2026 ausgetragen, rund 70 Bewerbungen gingen in die Vorauswahl. In den Kategorien GreenTech und Impact Entrepreneurship wurden insgesamt 10.000 Euro Preisgeld vergeben. Das Team RE: VOLTAGE setzte sich mit einem Batteriezellen-Second-Life-Ansatz durch und gewann den GreenTech Award. CometHire räumte beim Impact Entrepreneurship Award sowie als Publikumsliebling ab – inklusive KI-gestützter, nachvollziehbarer Recruiting-Entscheidungen.

Rund 70 Bewerbungen, zehn Finalteams und eine ausverkaufte Veranstaltung: Die HTW Startup Challenge 2026 hat in Berlin deutlich gemacht, dass sich Gründungsenergie längst nicht mehr nur auf Tech-„Basics“ konzentriert. Am 2. September 2026 präsentierten die Teams ihre Elevator Pitches auf einem Umfeld aus Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie Gästen aus Hochschule und dem lokalen Startup-Ökosystem. Dass dabei sowohl GreenTech als auch Impact Entrepreneurship zur Bühne wurden, hat den Wettbewerb inhaltlich klar geerdet: Nicht die reine Machbarkeit stand im Vordergrund, sondern der Transfer in konkrete ökologische oder gesellschaftliche Wirkung.
Preislich war die Staffelung übersichtlich, aber strategisch: Insgesamt flossen 10.000 Euro Preisgeld in die beiden ersten Kategorien sowie in den Future Visionary Award. Mit jeweils 4.000 Euro wurden der GreenTech Award und der Impact Entrepreneurship Award dotiert, während der Future Visionary Award mit 2.000 Euro als Publikumspreis ausgespielt wurde. Entscheidend war dabei die Kombination aus Bewertungslogik durch eine Jury und zusätzlicher Resonanz im Raum, denn beim Future Visionary Award entschieden die Gäste an Bord nach den Präsentationen und Gesprächen.
Technisch betrachtet stach beim GreenTech-Wettbewerb RE: VOLTAGE heraus: Das Team will noch funktionsfähige Batteriezellen aus ausgedienten Elektrofahrzeugen für neue Anwendungen erhalten. Statt Zellen frühzeitig dem Recycling zuzuführen, sollen geeignete Komponenten zu standardisierten Batteriepacks gebündelt werden – mit dem Ziel, sie möglichst lange im Kreislauf zu halten. Der Ansatz setzt damit weniger auf „Entsorgung als Endstation“, sondern auf eine Zwischenstufe, in der aus individuellen Zellbiografien wieder robuste, für Mikromobilitätsanwendungen geeignete Nutzungspfade entstehen. Laut Wettbewerbsbeschreibung werden nur nicht mehr nutzbare Zellen ins Recycling gegeben; die restlichen Zellen bleiben als Ressource im System.
Im Impact Entrepreneurship-Feld ging der entscheidende Hebel dagegen auf KI-gestütztes Recruiting. CometHire verbindet dabei eine Recruiting-Software mit einem Fokus auf Fairness und Nachvollziehbarkeit: Bewerberinnen und Bewerber sollen während der ersten Bewertung nicht über persönliche Merkmale identifizierbar sein, während Kriterienbasierung die fachlich relevanten Signale sichtbarer macht. Gleichzeitig betont das Team laut Darstellung, dass die finale Entscheidung beim Menschen bleibt. Genau diese Kopplung aus Anonymisierung, regelbasierter Kriterienlogik und menschlicher Verantwortung ist in der Praxis häufig der Teil, an dem sich KI-Systeme in HR-Kontexte entweder Akzeptanzprobleme oder klare Prozessvorteile einhandeln – besonders dann, wenn Teams erklären müssen, warum eine bestimmte Empfehlung entstanden ist.
Beim Future Visionary Award ging anschließend ebenfalls CometHire als Publikumspreis hervor. Die Platzierung zeigt, dass der Pitch nicht nur technisch klang, sondern auch in der Diskussion überzeugt hat. Die HTW Berlin rahmte den Wettbewerb als Wissens-zu-Praxis-Übergang: Prof. Dr. Molthagen-Schnöning, Vizepräsidentin für Forschung, Transfer und Wissenschaftskommunikation, verwies auf den Ideenmix und auf den Anspruch, technologische Innovation mit konkreten ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu verbinden („Fast 70 Bewerbungen zeigen, wie viel Gründungsgeist und Innovationskraft in unserem Umfeld stecken. Besonders freut mich die große Bandbreite der Ideen: Die Teams verbinden technologische Innovation mit dem Anspruch, konkrete ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Genau diesen Transfer von Wissen in die Praxis möchten wir als HTW Berlin fördern“). Auch Jasmin Weber von der Berliner Sparkasse ordnete das Vorhaben in den Kontext der Gründungslandschaft ein („Berlin braucht eine lebendige und stetig wachsende Gründerszene. Ihre Innovationen setzen Impulse für die Zukunft unserer Stadt, schaffen neue Arbeitsplätze und sind gut für unsere Wirtschaft. Gemeinsam mit der HTW Berlin wollen wir das Entrepreneurship in unserer Stadt weiter voranbringen – in diesem Jahr mit besonderem Blick auf Lösungen, die ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen“).
Ein Blick auf die weiteren Finalteams macht den thematischen Korridor der Veranstaltung greifbar: Im GreenTech-Bereich reichten die Konzepte von nachhaltiger Energie-Nutzung über schadstoffarme Materialkreisläufe bis zu smarten, lernorientierten Anwendungen. Im Impact Entrepreneurship-Spektrum ging es unter anderem um den Erhalt impliziten Erfahrungswissens in Unternehmen, um KI-gestützte Trainings für schwierige Gespräche sowie um Finanz- und Vorsorgeprozesse mit besonderem Augenmerk auf Zugänglichkeit. Solsonic verband Solarstrom mit spielerischem Lernen, während StallH2 eine kompakte, containerbasierte Umwandlung von Gülle in Wasserstoff über biologische Fermentation adressieren wollte. Solche Vielfalt ist für die Marktphase relevant: Sie zeigt, wie breit die Labor- und Hochschulnähe in Berliner Gründungen bereits in Richtung Produktentwicklung und Testbarkeit wirkt – und wo potenzielle Partner aus Industrie, Forschung und öffentlichen Programmen früh andocken können.
Für die nächsten Schritte liefert die Challenge selbst einen Entwicklungsrahmen: Das Startup & Innovation Center der HTW Berlin begleitet Gründungsinteressierte und Teams von der ersten Idee über Entwicklung und Validierung von Geschäftsmodellen bis hin zu Förderprogrammen und Markteintritt. Damit wird aus einem Wettbewerb ein Prozess, der insbesondere bei anspruchsvollen KI- oder Hardware-Themen entscheidend ist, weil frühe Annahmen zu Datenqualität, Nutzerverhalten und technischer Lebensdauer unter realen Bedingungen überprüft werden müssen. Für Unternehmen im Umfeld – etwa aus HR, Mobilität oder Cleantech – entsteht daraus ein klarer Mehrwert: Man kann nicht nur eine Idee sehen, sondern später auch an konkreten Prototypen und Prozesskonzepten anknüpfen, die bereits für GreenTech- und Impact-Kriterien geschliffen wurden.
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