LONDON (IT BOLTWISE) – Die Huawei Watch 6 Pro nutzt den X-Tap-Sensor an der Uhrenseite, um Puls und Blutsauerstoff über die Fingerspitze zu messen und daraus ein 1-Kanal-EKG abzuleiten. Im Test zeigt sich die Uhr als stark bei Gesundheit und Training, inklusive HRV-Tracking, Schlafphasen und präzisem GPS-Handling. Gleichzeitig macht die Keramik-Edition das Gerät spürbar schwerer und kostet spürbar mehr als viele Alternativen. Zudem bleibt das App-Ökosystem für Nutzer außerhalb des Google-Umfelds eingeschränkt, während mobiles Bezahlen über Curve Pay funktioniert.

Die Huawei Watch 6 Pro richtet sich mit ihrer 43-mm-Keramik-Edition erkennbar an Nutzer, die eine Smartwatch nicht nur als Benachrichtigungszentrale betrachten, sondern als Messinstrument für den Alltag. Der Einstieg erfolgt dabei nicht über eine rein kosmetische Premium-Anmutung, sondern über Sensorik: Statt allein auf die klassischen optischen Messungen am Handgelenk zu setzen, legt Huawei einen Schwerpunkt auf den X-Tap-Sensor an der Seite. Wer die Fingerspitze darauf platziert, löst Messungen für Puls und Blutsauerstoff aus und kann außerdem ein 1-Kanal-EKG erstellen – ein Ansatz, der den „Kontaktbereich“ für das Signal bewusst näher an die Voraussetzung für eine saubere Ableitung bringt.
Optisch fällt zuerst das Keramikdesign ins Gewicht: Das Gehäuse ist komplett in Weiß gehalten, das Armband besteht ebenfalls aus Keramik, und die Breite liegt bei 43,5 mm. Huawei positioniert die Uhr damit passend für schmalere Handgelenke, allerdings erkauft man sich den eleganten Look mit Masse: In der Ausführung bringt die Uhr ohne Armband 50 g auf die Waage. Das merkt man nicht zwangsläufig tagsüber, sondern vor allem nachts. Bei zu lockerem Sitz kann zudem das Licht des optischen Sensors auf der Unterseite stören – ein Detail, das zeigt, wie stark solche Gesundheitsuhren von mechanischem Fit und konsistenter Hautkopplung abhängen.
Technisch liefert die Watch 6 Pro ein durchgängiges System aus Anzeige, Konnektivität und Sensorfusion. Das OLED-Touchdisplay misst 1,38 Zoll bei 466 × 466 Pixeln, was rund 338 ppi ergibt; Huawei nennt 3500 Nits als Spitzenhelligkeit, im Test wurden über die Fläche im Schnitt knapp 1000 Nits erreicht. Damit lässt sich die Uhr auch bei direkter Sonne gut ablesen. Bei der Funktechnik kommt WLAN (2,4 und 5 GHz), Bluetooth 5.2 LE und NFC hinzu; für die Online-Funktionen ohne Smartphone sorgt eSIM. Die Ortung nutzt Multiband-GNSS mit GPS, Galileo, QZSS, Beidou und Glonass, was gerade zwischen Gebäuden oder im Wald plausibel bessere Bahnen liefert als reine Single-Band-Setups.
Der spannendste Teil bleibt aber die Messpraxis. Für den Puls arbeitet die Uhr mit optischen PPG-Sensoren an der Unterseite, während seitlich der X-Tap-Sensor als Kombination aus 12-Kanal-PPG und Drucksensor dient. Legt man die Fingerspitze darauf, misst die Uhr Puls und Blutsauerstoff oder erstellt ein EKG – im Test allerdings nicht immer „auf Anhieb“. Bei der Health Glance-Funktion, die nach rund einer Minute bis zu elf Werte ausgibt, traten Situationen auf, in denen das Signal zu schwach gemeldet wurde oder der richtige Druck schwer zu treffen war; einzelne Messungen mussten deshalb wiederholt werden. Inhaltlich spielt vor allem HRV eine zentrale Rolle: Die HRV-Variabilität beschreibt Schwankungen zwischen Herzschlägen und wird als Kontext zu Erholung oder Stress interpretiert, wobei der Vergleich mit den eigenen historischen Werten entscheidend ist.
Beim Training zeigt die Smartwatch ebenfalls, dass Huawei nicht nur „Gesundheit“ vermarktet, sondern konkrete Sportlogik integriert. Die Uhr bietet über 100 Sportmodi, erkennt Workouts allerdings erst nach einigen Minuten – im Test wurde diese automatische Erkennung ausgestellt, weil sie bei Spaziergängen und Fahrten mit dem E-Scooter nach einem Workout fragte. Läufer erhalten den Running Ability Index (RAI) zur Bewertung von Ausdauer und Lauftechnik, ergänzt um Kennwerte wie VO2max, Trainingsbelastung und Trainingsindex. In der Praxis war die Pulsmessung auch bei harten Intervallen nah an einem Brustgurt von Polar; sitzt das Armband jedoch zu locker, sinkt die Genauigkeit – ein wiederkehrender Hinweis darauf, dass Sensorleistung und Tragekomfort bei solchen Geräten eng gekoppelt sind. Schritte und GPS zeichneten Strecken zuverlässig auf, während der Kalorienverbrauch eher als grober Richtwert zu verstehen ist.
Softwareseitig setzt Huawei auf Harmony OS 7 und bindet die Uhr über die Huawei Health-App ein. iPhone-Nutzer laden die App aus dem App Store, Android-Nutzer müssen jedoch auf alternative Wege ausweichen, weil die App im Play Store fehlt; ohne Huawei-Konto geht dann ebenfalls nichts. Die App bündelt Gesundheitsdaten im Vordergrund (Puls, Schritte, Schlaf, Aktivitäten), ergänzt geführte Programme im Bereich „Training“ und liefert unter „Entdecken“ Tipps zu Wellness und Ernährung. Für Watchfaces, Benachrichtigungen, Offline-Karten und Musik gibt es außerdem einen „Geräte“-Bereich. Positiv ist: Für die Watch 6 Pro sind mehr Apps in der AppGallery verfügbar als für die GT-Reihe. Negativ bleibt: Google-Dienste und bestimmte bekannte Anwendungen fehlen, wobei es einzelne Ersatzlösungen gibt, etwa Petal Maps für Navigation. Bezahlen klappt in Deutschland nur über Curve Pay – dafür braucht es ein Curve-Konto mit hinterlegter Zahlungskarte.
Beim Akku und Preis entscheidet die Uhr vor allem über Zielgruppen. Huawei nennt für die 43-mm-Version bis zu drei Tage bei typischer Nutzung, mit Always-on-Display rund zwei Tage; im Test hielt die Uhr über drei Tage durch, wobei das Always-on-Display aus war. Im Stromsparmodus verspricht Huawei bis zu sieben Tage bei leichter Nutzung und fünf Tage bei typischer Nutzung, dann mit Abschaltungen bei WLAN, eSIM, X-Tap, Health Glance, Gesten und Apps. Geladen wird über ein magnetisches Ladepad mit USB-C-Stecker, ein Netzteil liegt nicht bei. Preislich positioniert Huawei die Keramik-Edition hoch: Die UVP liegt bei 679 Euro, im Handel kostet sie derzeit rund 629 Euro. Damit bleibt die Watch 6 Pro eine Premium-Alternative vor allem für Nutzer, die bewusst auf einen Fokus bei Gesundheitsmessungen setzen und dafür Gewicht sowie Kosten akzeptieren – und die gleichzeitig nicht zwingend auf das klassische Google-Ökosystem angewiesen sind.
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