MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Laut der diesjährigen „Wohntraumstudie“ des Finanzierungsvermittlers Interhyp wird der Eigenheimkauf für viele junge Menschen in Deutschland ohne finanzielle Hilfe der Familie praktisch unerschwinglich. Nur 32 Prozent der 23- bis 30-Jährigen halten den Kauf ohne Beitrag der Familie für machbar. Mit Schenkung, Erbe oder anderen Formen der Unterstützung schätzen dagegen 67 Prozent die Möglichkeit als realistisch ein. Die Studie zeigt zugleich: Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden bleibt groß, doch das Geld reicht oft nicht.

Der Eigenheimkauf rückt für viele junge Erwachsene in Deutschland trotz anhaltendem Wohnwunsch immer weiter weg, wenn die Familie nicht mitzieht. In der diesjährigen „Wohntraumstudie“ von Interhyp wird genau diese Kluft sichtbar: Bei den 23- bis 30-Jährigen hält nur ein knappes Drittel (32 Prozent) einen Immobilienkauf ohne finanzielle Beiträge der Familie für machbar. Sobald Schenkungen, Erbschaften oder andere Unterstützungsformen ins Spiel kommen, steigt die Einschätzung deutlich: Über zwei Drittel (67 Prozent) sehen dann realistische Chancen. Damit beschreibt die Studie weniger eine Frage des „Ob“, sondern vor allem des „Wie schnell“.
Der Begriff „familiare Hilfe“ ist dabei bewusst breit gefasst und reicht über klassische Schenkungen und Erbe hinaus. Dazu zählen laut Studie auch private Darlehen, Bürgschaften oder andere Formen der Absicherung, die den Kaufentscheidungsprozess im Alltag oft erst ermöglichen. Diese Differenzierung ist wichtig, weil sie das Thema Finanzierung weniger als Einmal-Ereignis behandelt und stärker als mehrstufigen Hebel: Erst die Unterstützung kann Eigenkapital verkörpern, die Haushaltsrechnung entlasten oder das Risiko für Kreditgeber reduzieren. In der Praxis spiegelt sich das häufig in höheren Kaufquoten oder in der Bereitschaft, den Kauf zeitlich nicht weiter aufzuschieben.
Die Perspektive auf den Alltag junger Käufer zeigt sich auch an den Antworten zur Motivation und zum Engpass. Interhyp befragte im August 1.523 Menschen zwischen 18 und 70 Jahren. Unter den 23- bis 30-Jährigen geben 80 Prozent an, dass sie eines Tages gern in den eigenen vier Wänden wohnen würden. Gleichzeitig nennt annähernd die Hälfte (48 Prozent) dieser Gruppe den fehlenden Geldbetrag als Hauptbremse für den Immobilienkauf. Interessant ist dabei, dass die Hoffnung auf Eigentum nicht in Resignation kippt: Viele reagieren stattdessen mit längerer Sparphase oder mit der Entscheidung, den Kauf zu verschieben.
Auch wenn familiäre Unterstützung den Unterschied zwischen „machbar“ und „derzeit nicht“ markiert, bleibt die Gesamtdynamik über Altersgruppen hinweg stabil. Interhyp veröffentlicht seine „Wohntraumstudien“ alljährlich seit 2011, und in den vergangenen Jahren spiegelten die Umfragen wiederholt die schwierigen Finanzierungsbedingungen wider. Trotz dieses Drucks zeigt sich in diesem Jahr ein klarer Befund: Der Wunsch nach dem eigenen Haus oder der eigenen Wohnung ist ungebrochen. In allen Altersgruppen liegen mehr als zwei Drittel der Befragten bei 68 Prozent; knapp die Hälfte (47 Prozent) bezeichnet dies sogar als Lebenstraum. Für die Marktmechanik ist das relevant, weil eine hohe Nachfrageperspektive grundsätzlich Kaufgelegenheiten schafft – sie wird allerdings durch Finanzierungsbarrieren zeitlich gestreckt.
Technisch betrachtet betrifft das Thema vor allem die Verbindung von Haushaltsrechnung und Kreditlogik: Ohne Eigenkapital und ohne zusätzliche Sicherheiten steigen die Hürden für die Kreditvergabe, während die monatliche Belastung bei gleichen Objektpreisen und Zinsniveaus schneller an Grenzen stößt. Interhyp vergibt allerdings keine eigenen Kredite, sondern vermittelt Darlehen von etwa 500 angeschlossenen Banken und anderen Kreditgebern. Genau diese Vermittlerrolle macht die Studie für Marktbeteiligte besonders interessant, weil sie nicht nur auf „Interesse“ schaut, sondern auch auf die Finanzierungsrealität, wie sie sich aus unterschiedlichen Bankkonditionen und Finanzierungsstrukturen ergibt. Wenn familiäre Unterstützung Eigenkapital, Tilgungsoptionen oder Absicherungen verbessern kann, ist das in der Vermittlungsroutine ein entscheidender Faktor.
Ökonomisch lässt sich daraus eine plausible Verschiebung ableiten: Der Zugang zum Eigentum wird stärker entlang der Haushaltsressourcen und der familiären Rücklagen verteilt. Die Studie legt nahe, dass etwa ein Drittel der jüngeren Eigentümerinnen und Eigentümer den Kauf ohne Hilfe der Eltern oder anderer Familienmitglieder schafft. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Mehrheit ohne Unterstützung die Hürde höher wahrnimmt – und sich entsprechend eher auf das Sparen oder das spätere Kaufen konzentriert. In der Marktwirkung kann das bedeuten, dass Eigentum zwar perspektivisch nachgefragt bleibt, aber die Übergänge in die Finanzierung langsamer ablaufen: Verkäufe können sich strecken, während Käuferprofile stärker nach „gründlichem Eigenkapitalaufbau“ selektieren.
Für die Praxis bei Familien, Finanzierungsvermittlern und Unternehmen, die Bau- und Immobilienangebote begleiten, verschiebt sich damit der Fokus vom reinen Zins- oder Objektpreisproblem hin zu der Frage, wie Finanzierungspakete realistisch aufgebaut werden können. Wer Eigentum anstrebt, muss die Planung oft modular denken: Sparrate, Zeitraum, Eigenkapitalquote und mögliche Sicherungsbausteine wie Bürgschaften oder Darlehen aus dem Umfeld. Für Vermittler wiederum entsteht daraus die Aufgabe, Finanzierungen so zu strukturieren, dass sie nicht nur „bewilligungsfähig“ sind, sondern auch langfristig tragbar bleiben. Und für den Markt insgesamt gilt: Solange die familiäre Unterstützung für viele zur Schlüssellogik wird, bleiben Eigentumserwerbe stärker vom gesellschaftlichen Ressourcenmix abhängig – während der allgemeine Wohnwunsch, wie die Studie zeigt, weiterhin sehr hoch ist.
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