CUPERTINO / LONDON (IT BOLTWISE) – Apple stellt in Cupertino sein erstes faltbares Smartphone „iPhone Duo“ vor. Das Buch-ähnliche Design setzt auf zwei nebeneinander nutzbare App-Flächen im aufgeklappten Zustand. Die günstigste Variante startet laut Angaben des Konzerns bei 2299 Euro, die teuerste Version kostet 3799 Euro. Marktprognosen sehen dank Apple wieder steigende Absatzzahlen bei faltbaren Geräten.

Apple setzt mit dem iPhone Duo auf ein Segment, das lange eher nach Randnotiz im Smartphone-Markt klang. Während Wettbewerber wie Samsung und auch Huawei und Google faltbare Geräte seit Jahren im Portfolio haben, waren diese Produkte zuletzt laut Angaben der Marktforschungsgruppe IDC nur für rund zwei Prozent aller weltweit verkauften Smartphones verantwortlich. Genau an dieser Stelle versucht Apple anzudocken: Das faltbare iPhone soll nicht nur ein neues Design-Statement liefern, sondern vor allem die Nachfrage im gesamten Markt wieder anziehen, indem es die Nutzererwartung an eine einheitliche iPhone-Nutzererfahrung bindet.
Der Formfaktor ist dabei auffällig gewählt. Das iPhone Duo öffnet sich wie ein Buch: Zugeklappt soll es ungefähr die Dimensionen eines Reisepasses erreichen und damit weniger hoch, aber breiter als ein klassisches iPhone ausfallen. Aufgeklappt können Nutzer zwei Anwendungen nebeneinander anzeigen; die zentrale Falz wirkt im Vergleich zu anderen faltbaren Smartphones weniger präsent. John Ternus, der seit Anfang September amtierende Apple-Vorstandschef, adressiert genau den Hauptkritikpunkt früherer Fold-Modelle: Frühere faltbare Geräte fühlten sich für viele Nutzer oft wie zwei unbeholfen aneinandergeklebte Handys an. Apple versucht damit, den Spagat zwischen „neuer Kategorie“ und „bekanntem Bediengefühl“ zu schaffen.
Mit dem iPhone Duo verschiebt Apple zugleich die Preisanker in der Faltwelt. Die Einstiegsversion liegt bei 2299 Euro, die teuerste Variante mit 2-TB-Speicherkapazität wird mit 3799 Euro beziffert. Damit positioniert sich das Gerät deutlich über den bisherigen Premiumpreisen: Die Startpreise für das iPhone 18 Pro und das iPhone 18 Pro Max nennt Apple mit 1449 bzw. 1599 Euro. Auch in diesem Modell-Update bleibt die Botschaft klar: Faltbare Hardware wird bei Apple nicht als Massenprodukt gestartet, sondern als Premium-Produktlinie mit klarem Upsell-Potenzial über den Speicher. Zusätzlich nennt die Meldung, dass Apple diesmal keine neue Standardversion des iPhone 18 zur Präsentation brachte; diese soll erst für 2027 erwartet werden.
Hinter der Preislogik steht nach Angaben des Artikels auch ein externer Kostentreiber: steigende Preise für Speicherchips. Apple verlangt für die neuen Pro-Geräte jeweils 150 Euro mehr als bei den Vorgängern, und der Grund wird explizit mit dem Chipengpass verknüpft. Die Nachfrage nach Speicherbausteinen sei zuletzt stark gestiegen, weil Branchenweit massiv in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz investiert werde. Das führt zu Engpässen im Markt und damit zu höheren Kosten entlang der Lieferkette; Apple habe diesen Effekt bereits in anderen Produktkategorien durch Preisanpassungen teilweise „abgefedert“, etwa bei Macintosh-Computern und iPads. Nun trifft die gleiche Marktmechanik offenbar auch auf die nächste iPhone-Generation, was für IT- und Einkaufsabteilungen in Unternehmen besonders relevant ist, weil Budgetplanungen für Gerätezyklen unter solchen Halbleiter-Volatilitäten leiden.
Auch strategisch ist der Zeitpunkt bemerkenswert: Die Vorstellung der neuen iPhones markierte laut Quelle den ersten größeren Auftritt von Ternus als Vorstandschef seit seinem Amtsantritt. Dass er den iPhone Duo-Launch als „One more thing“ rahmt, knüpft an ein Apple-typisches Storytelling an und setzt die faltbare Kategorie bewusst in den gleichen Narrativraum wie frühere ikonische Produkte. Ternus ist als Apple-Veteran seit 2001 im Unternehmen und war bislang für die gesamte Hardwareentwicklung zuständig; sein Wechsel in die Chefrolle verschiebt damit den Schwerpunkt der Unternehmensführung spürbar in Richtung Produkt- und Engineering-Entscheidungen. Gleichzeitig bleibt Tim Cook als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats in einer zentralen Aufsichtsfunktion verbunden, und laut Apple soll auch der politische Dialog künftig zu seinen Aufgaben gehören.
Für den Markt bedeutet das iPhone Duo vor allem eines: Apple versucht, aus einem Nischenmarkt wieder einen relevanten Absatzkanal zu machen. IDC prognostiziert, dass der globale Absatz faltbarer Handys dank Apple noch in diesem Jahr um 13 Prozent auf 22,6 Millionen Geräte steigen soll; für 2027 werden weitere 18 Prozent auf 27 Millionen genannt. Zudem erwartet die Marktforschung im nächsten Jahr einen Marktanteil von 40 Prozent für Apple im Segment faltbarer Smartphones. Selbst wenn diese Zahlen in erster Linie Erwartungen abbilden, zeigen sie die Größenordnung, die Apple mit dem iPhone Duo erreichen will. Dort trifft das Unternehmen auch auf reale Wettbewerbsdynamik: Samsung und andere haben faltbare Geräte zwar früher als Standard etabliert, aber offenbar bleibt der Markt fragmentiert und zyklisch abhängig von Komponentenverfügbarkeit und Preisbereitschaft.
Für Unternehmen und Entscheider in der IT ist die Konsequenz weniger „welches Modell ist cool“, sondern wie robust der Rollout gegenüber Liefer- und Preisschwankungen ist. Ein Einstiegspreis von 2299 Euro macht das iPhone Duo schon beim Kauf deutlich teurer als viele bisherige Flottenmodelle; der Zugewinn durch neue Formfaktoren muss in konkreten Einsatzszenarien messbar werden, etwa bei Multitasking im Business, unterwegs im Außendienst oder bei Produktivitätsszenarien mit geteiltem Display. Gleichzeitig wirkt der Speicherchip-Engpass wie ein Signal: Solange die Infrastrukturinvestitionen rund um Künstliche Intelligenz den Bedarf an Halbleitern hochhalten, bleibt die Gerätepreisbildung für High-End-Speicherplätze anfällig. Apple verbindet damit Kategorie-Neuheit und Kostenrealität; ob der iPhone Duo-Einstieg die Prognosen von IDC trägt, wird sich daher nicht nur im Design entscheiden, sondern auch daran, wie zuverlässig Verfügbarkeit und Speicherpreise entlang der Lieferkette stabil bleiben.
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