LONDON (IT BOLTWISE) – Erste Tester sehen beim iPhone Duo vor allem ein starkes faltbares Display mit mattem Nanotextur-Finish. Der auffällige Falz soll je nach Blickwinkel zwar sichtbar bleiben, im Alltag aber kaum stören. Gleichzeitig gibt es spürbare Abstriche: Die Kamera unter dem Innendisplay schneidet in der Bildqualität schlecht ab, und Face ID fehlt. Auch der Preis und das noch geringe Tempo bei Drittanbieter-Optimierungen sorgen für Diskussionen.

Apples Einstieg in die Faltklasse kommt bei den ersten Testern an, aber eben nicht als durchgängig runder Wurf. In den frühen Reviews steht weniger die Frage im Mittelpunkt, ob ein faltbares Smartphone technisch grundsätzlich machbar ist – schließlich gibt es den Formfaktor bereits von anderen Herstellern. Stattdessen bewerten die Tester, wie gut das iPhone Duo die typischen Schwachstellen dieser Geräteklasse kaschiert: von sichtbaren Falten bis hin zu Display-Software, Scharniermechanik und dem Blick in den Alltag, wenn das Gerät nach Stunden Nutzung wieder in der Tasche verschwindet.
Den klarsten Pluspunkt liefern die Eindrücke vom Display. Hervorgehoben wird vor allem die matte Nanotextur: Sie reduziert nicht nur Spiegelungen, sondern soll laut den Testberichten auch die Wahrnehmung des Falzes dämpfen. In vielen Situationen ist dieser demnach nur schwer auszumachen. Allerdings weisen einzelne Tester darauf hin, dass der Übergang aus bestimmten Betrachtungswinkeln weiterhin sichtbar bleibt – in der normalen Nutzung fällt er dann aber kaum auf. Genau diese Mischung aus „weniger auffällig“ und „unter Bedingungen doch wahrnehmbar“ prägt auch den Gesamteindruck, den frühe Hands-ons beschrieben.
Auch das Scharnier und die daraus entstehenden Nutzungsszenarien gehören zu den Bereichen, in denen Apple im Testprofil überzeugter wirkt. Das Gerät lässt sich in mehreren Positionen aufklappen, was verschiedene Einsatzfälle unterstützt. Auffällig ist dabei, dass die Software die Hardware nicht nur „mitnimmt“, sondern aktiv verwertet: Bei halb geöffnetem Setup werden konfigurierbare Screens mit Informationen wie einer Uhr angezeigt. Dazu kommt ein Split-Screen-Modus, der nach übereinstimmenden Beschreibungen flüssig läuft und das schnelle Koppeln von zwei Apps erlaubt, die dann als festes Duo aufrufbar sind.
Beim Bedienkonzept taucht jedoch auch Reibung auf – und zwar nicht wegen fehlender Features, sondern wegen der passenden Ergonomie. Mehrere Tester merken an, dass die Taskleiste auf der rechten Displayseite Linkshändern weniger entgegenkommt. Ebenfalls kritisch wird der Umgang mit Drittanbieter-Apps gesehen: Bei Anwendungen, die (noch) nicht für die neue Display-Geometrie angepasst sind, erscheint auf dem Außendisplay ein schwarzer Balken an der rechten Bildschirmseite. Auf dem Innendisplay werden solche Apps dann zwar verkleinert dargestellt, können aber per Knopfdruck vergrößert werden. Genannt wird dabei unter anderem Spotify, wobei gleichzeitig die Hoffnung mitschwingt, dass große Entwickler ihre Anwendungen in den kommenden Wochen nachziehen.
Besonders deutlich fallen die negativen Punkte bei der Sensor- und Kamera-Strategie aus. Ein zentraler Kritikpunkt ist das Fehlen von Face ID: John Gruber von Daring Fireball bezeichnet das als „endlose, unaufhörliche Frustration“ und argumentiert, dass das Auflegen des Fingers für ihn einen Dealbreaker darstellt. Auch weitere Tester verknüpfen das Alltagsgefühl mit dieser Entscheidung und führen den Umstieg von Face ID auf Touch ID als einen Belastungsfaktor an. Technisch konsequent wirkt das zwar innerhalb der Touch-ID-Logik, praktisch entsteht aber ein anderer Bedienrhythmus – und der ist, gerade in schnellen Momenten, spürbar.
Gleichzeitig wird die Unter-Display-Kamera auf dem Innendisplay als Schwachstelle adressiert: Sie ist im Alltag zwar selten sichtbar, doch die Bildqualität beurteilen Tester ohne Ausnahme als schlecht. Arun Maini (Mrwhosetheboss) nennt die Innenkamera „tragisch“. Dass Apple in dieser Bauform zudem auf eine Telekamera verzichtet – während das Rückkamerasystem ansonsten als solide beschrieben wird – wird ebenfalls zumindest am Rand erwähnt. In der Gesamtschau ordnet sich die Kamera unter dem Display damit klar in die Kategorie „funktioniert, aber liefert nicht das erwartete Niveau“, während Pro-Modelle als Vergleichsmaßstab noch stärker wirken.
Beim Preis und bei der Marktfähigkeit zeigt sich die klassische Trennlinie zwischen Faszination und Alltagswert. Die meisten Tester bewerten das iPhone Duo als teuer; gleichzeitig deuten die Angaben zu einer Lieferzeit von rund drei Monaten darauf hin, dass die Nachfrage kurzfristig nicht vollständig einbricht. Ob das Gerät aber tatsächlich zum Massenmarkt-Magneten wird, bezweifeln einzelne Stimmen, darunter MKBHD. In Deutschland liegt der Einstiegspreis laut den Testerberichten bei 2.299 Euro. Damit verschiebt sich das Erwartungsprofil: Wer viel zahlt, akzeptiert weniger „Workarounds“ und mehr Perfektion – und genau dort treffen die Kritikpunkte aus Kamera, Face-ID-Fehlen und Drittanbieter-Anpassungen auf die Grenzen des aktuellen Ökosystems.
Für Unternehmen, die faltbare Geräte in Pilotflotten oder für mobile Produktivitäts-Setups beobachten, lässt sich daraus vor allem eine Handlungslogik ableiten. Erstens: Display- und Scharnierqualität scheinen bereits so weit, dass sich das Gerät im täglichen Umgang plausibel anfühlt, solange es um Medien, Kommunikation und klar definierte Split-Szenarien geht. Zweitens: Sobald Drittanbieter-Apps und sicherheitsrelevante Workflows stärker ins Spiel kommen, rücken Touch-/Authentifizierungs-Entscheidungen und die App-Anpassung in den Fokus. Der Markt wird deshalb weniger von reinen Hardware-Benchmarks entschieden werden als von der Geschwindigkeit, mit der Softwarehäuser das neue Formfaktor-Verhalten verlässlich unterstützen.
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